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Weiler plädiert für eine "Bündelung der Kräfte"

Landrat blickt ins neue Jahr - "Regional denken, lokal handeln"

Die Bündelung der Kräfte stellt nach Ansicht von Landrat Joachim Weiler eine wesentliche Voraussetzung für einen erfolgreichen Weg ins nächste Jahrtausend dar. In einem Ausblick auf das Jahr 1999 plädiert Weiler für das Prinzip "regional denken, lokal handeln".

In seiner Botschaft zum Jahreswechsel an die politisch Verantwortlichen und alle Bürger im Kreis Ahrweiler nennt Weiler beispielhaft die überregionale Kooperation der Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler und innerhalb des Kreises Ahrweiler das gemeinsame Dienstleistungszentrum im Fremdenverkehr des kreisweiten Touristik-Service und des Kur- und Verkehrsvereins Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mit dieser Kooperation werde der Tourismus als "einer der wichtigsten Faktoren der Wirtschaftsentwicklung" gestärkt. Die Beschlüsse der Mitglieder beider Organisationen machten den Weg frei für eine der größten regionalen Marketingeinrichtungen in Rheinland-Pfalz.

Weiler begrüßt auch den gemeinsamen Kurs, den die beiden Volkshochschulen des Kreises Ahrweiler und der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler ab Januar einschlagen. Durch diese Fusion ließen sich "eine unnütze Konkurrenzsituation" bei Weiterbildungsträgern beseitigen, inhaltliche Überschneidungen vermeiden und Kosten einsparen.

Neben diesem Beispiel einer kreisinternen Kooperation nennt Weiler die jüngst gegründete Tourismus und Congress GmbH Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler, an der neben der Stadt Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis auch der Kreis Ahrweiler beteiligt sind. Von dieser Vermarktungsagentur erwartet Weiler "eine hohe Schlagkraft für die Fremdenverkehrsförderung"; diesem Sektor komme nach dem "bald endgültig anstehenden Regierungsumzug in Richtung Berlin" eine besondere wirtschaftliche Bedeutung zu. Neben dem Nürburgring, dessen neue Attraktion "Erlebniswelt" erfolgversprechend gestartet sei, sollen einzelne Bausteine des Vulkanparks Brohltal/Laacher See 1999 - vor allem die Sanierung der Burg Olbrück als "herausragendes Ereignis" - angesetzt oder bereits verwirklicht werden.

Und beim Angebot zum Rad-Tourismus lasse das neue Jahr "entscheidende Fortschritte" erwarten: So könne die letzte Lücke des Ahrtal-Radwegs zwischen Adenau und dem Rhein, nämlich das Teilstück zwischen Rech und Altenahr, geschlossen werden. Zudem sei auch im Brohltal ein zweites attraktives "Radwege-Band" in der Planung.

Beim Berlin-Bonn-Ausgleich müsse der Kreis Ahrweiler auch in Zukunft die gebotenen Chancen nutzen. Die betreffe als nächstes den Zuzug von Neubürgern, die mit den rund 20 Bundesbehörden und Dienststellen aus Berlin sowie dem Rhein-Main-Gebiet in die Region Bonn ziehen werden.

Die wichtigsten Motoren des Ausgleichs bleiben nach den Worten Weilers jedoch zwei Projekte: Zum einen sollten die Möglichkeiten der Leitidee "Gesundheits- und Fitnessregion Kreis Ahrweiler" noch stärker erkannt werden. Nur mit einem eigenen Profil könnten sich Betriebe und Kommunen im AW-Kreis gemeinsam dem stärker werdenden Wettbewerb der Regionen stellen.

Zum zweiten müsse in der vor wenigen Wochen eröffneten Fachhochschule RheinAhrCampus "sehr bald im neuen Jahr endlich ein geordneter Forschungs- und Lehrbetrieb möglich sein", wie Weiler die Mainzer Landesregierung mit Blick auf den "schleppenden Baufortschritt" in die Pflicht nimmt. Zudem sei die Bereitstellung von Wohnraum für Studierende und Lehrer der FH eine wirtschaftliche Chance und zugleich eine Verpflichtung gegenüber Neubürgern, bei der sich Unternehmen, Makler und Eigentümer "in realistischen Kategorien" bewegen sollten.

Gemeinsam mit dem konkret geplanten Technologiepark Grafschaft, dem in Sinzig vorgesehenen Technologiezentrum und der in der Kreisstadt angesiedelten Europäischen Akademie zur Technikfolgenabschätzung bilde die FH das Herzstück der Ausgleichsleistungen, hinter denen "enorme Potentiale für die Zukunft stecken können". Und die bundesweite Forschungsvereinigung der Arzneimittelhersteller (FAH) verschaffe der Region neues überregionales Renommee; das Richtfest der FAH sei für Januar, der Einzug in das Gebäude in Sinzig für Mitte 1999 geplant.

Mit Besorgnis blickt Weiler auf ein Ereignis in 1999: "Wenn der Bundeskanzler zum erstenmal eine Bundestagsdebatte in Berlin eröffnet und es im Fernsehen nicht mehr ´Bericht aus Bonn´ heißt, gehen in der Region Bonn im wahrsten Sinne des Wortes einige Lichter aus." Neben dem Fortzug der Ministeriums-Mitarbeiter seien auch die Arbeitsplätze in Botschaften, Verbänden, Medien und anderen Berufszweigen betroffen. Weiler: "Auf diesen Einschnitt haben wir uns seit Jahren gut vorbereitet. Doch jetzt kommt der Einschnitt, und er wird schmerzhaft."

Ein Vorbote dieser Entwicklung sei die Schließung der Dienststelle Marienthal ("Regierungsbunker"). Neben der "technisch schwierigen Frage" einer langfristigen Nachfolgenutzung des Geländes müsse sich das Augenmerk zunächst auf das Personal richten und berufliche oder sozialverträgliche Alternativen umsetzen. "Eine Chance verpaßt" habe die Landesregierung beim Amtsgericht Adenau; wäre diese Zweigstelle organisatorisch aufgewertet worden, was mit Hilfe neuer Kommunikationstechniken denkbar sei, hätte sich die Auflösung durchaus vermeiden lassen.

In einer zweiten neuen Bildungseinrichtung neben der FH, für die der Kreis "bis an die Grenzen der finanziellen Belastbarkeit gehe" - dem Peter-Joerres-Gymnasium Ahrweiler -, soll der Schulbetrieb am 18. Januar aufgenommen werden. Nicht allein mit dieser "neuen PJG-Ära" biete der Kreis Ahrweiler gemeinsam mit den Kommunen "ein weiteres Top-Angebot für Kinder und Jugendliche". Weiler nennt auch die Erweiterung der Realschule Ahrweiler (Schulgebäude und Sporthalle) und der Sporthalle des Are-Gymnasiums, die Sanierung und Erweiterung der Burgwegschule Burgbrohl sowie den Dachumbau am Erich-Klausener-Gymnasium Adenau, die alle in neuen Jahr anstehen.

Bei den Kindergärten gelte es, das gegen 100 Prozent gehende Platzangebot zu sichern. Da Land und Bistum ihr Engagement reduzierten, müßten Kreis, Gemeinden und Eltern die entstehenden Lücken erneut schließen.

Trotz der Kostenexplosion in einigen Bereichen - die Personalkosten-Zuschüsse für Kindergärten beispielsweise hätten sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdreifacht - habe der Haushalt des Kreises Ahrweiler auch 1999 ausgeglichen werden können; auch die Kreisumlage bei den Kommunen habe nicht erhöht werden müssen. Die stufenweise Einführung des Euro, der ab 1. Januar 1999 im unbaren Zahlungsverkehr neben der D-Mark gültig ist, stelle einen markanten Einschnitt von historischer Dimension dar. Weiler bezeichnet die EU-Währung jedoch als "wichtiges und solides Finanzmittel sowie einen Garant für die gemeinsame Zukunft der europäischen Völker".

Bei allen wirtschaftlichen und politischen Beschlüssen und Planungen - für Weiler bleiben Gemeinschaftsinn und Ehrenamt "die wichtigsten Stützen unserer Gesellschaft". Daß man bereit sei, Schwachen zu helfen, beweise ihm stets aufs neue die Spendenbereitschaft der Menschen für den kreisweiten Hilfsfonds "Nachbar in Not". Ob Feuerwehren, Telefonseelsorge, Hospizbewegung oder andere Hilfsorganisationen: Solche Einrichtungen könnten nicht existieren ohne jene Kräfte, die sich ehrenamtlich für die Gemeinschaft einsetzen. "Ermutigend" empfinde er auch die spontane Hilfsbereitschaft für den Schwanenteich in Sinzig oder die Tierheime Remagen und Frankenau.

Trotz der "erfreulich günstigen Situation" auf dem Arbeitsmarkt und bei den Ausbildungsplätzen im Kreis Ahrweiler dürften die Anstrengungen in diesem Bereich nicht nachlassen. Allein die Förderprogramme des Bundes über die Deutsche Ausgleichsbank und die ergänzende Unterstützung des Kreises, das "Zinszuschußprogramm Kreis Ahrweiler West", habe rund 260 Arbeitsplätze geschaffen und ein Investitionsvolumen von 51 Millionen Mark erzielt.

Neue Impulse seien auch von der großangelegten Veranstaltung "Kulturlandschaft im Kreis Ahrweiler" zu erwarten, die Anfang Dezember einige Chancen der Entwicklung aufgezeigt habe. Die Experten- und Diskussionsrunde habe die schwierige Balance zwischen wirtschaftlichem Fortschritt, Baulandausweisung und Umweltschutz erörtert. Ideen und Leitlinien erwartet Weiler vor allem für den anstehenden neuen Kreisentwicklungsplan, der letztmals 1977 erstellt wurde.

Innerhalb der Kreisverwaltung werde das "Neue Steuerungsmodell" 1999 weiter umgesetzt. Im Zuge einer Verschlankung und der Abschaffung einer Hierarchie-Ebene steht eine weitgreifende organisatorische Umstrukturierung an. - Im Vorfeld der Kommunalwahlen, die am 13. Juni 1999 stattfinden, erwartet Weiler "Fairness von allen Bewerbern, Politikern und Parteien". Gewählt werden der Kreistag, die Räte der Städte, Verbandsgemeinden und der Gemeinde Grafschaft sowie der Ortsgemeinden, zudem ein Verbandsgemeinde-Bürgermeister sowie die Ortsbürgermeister, Ortsbeiräte und Ortsvorsteher. Am gleichen Tag wird die Europawahl ablaufen. Und: 1999 sei wieder ein Jahr der Kulturtage des Kreises Ahrweiler, bei der Künstler, Kulturschaffende und "hoffentlich viele interessierte Besucher ein stilvolles und kreatives Forum gestalten". 



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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 07.01.1999

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