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Tierschutz-Gesetz verschärft

Doping, Kupieren und Stromschläge verboten - Jederzeit Kontrollen bei Tierhaltern - "Das Heimtier stirbt langsam und leise"

Tiere sollen in Zukunft besser vor vermeidbarem Leid geschützt werden. Eine Reihe schmerzhafter Praktiken wurde jetzt gesetzlich verboten. Die Novellierung des Tierschutzgesetzes regelt außerdem die geforderte Sachkunde des Tierhalters und schreibt vor, daß bestimmte Tätigkeiten nur mit amtlicher Erlaubnis zulässig sind.

Wie die Kreisverwaltung Ahrweiler meldet, liegt die Ursache zahlreicher Tierschutzprobleme in der mangelnden Sachkunde der Halter. Dies gelte auch für Privathaushalte. Wer Haustiere halten wolle, sollte sich vor dem Kauf gründlich informieren über die Ansprüche des Tieres zu Haltung, Pflege und Futter. Nicht zu Unrecht, so die Kreis-Amtstierärzte weiter, habe die Bundestierärztekammer (BTK) das Heimtier als zu schützendes Tier des Jahres 1999 bestimmt.

Damit seien nicht nur Hund und Katze gemeint, sondern vor allem Fische, Vögel und Kleinsäuger. Statistiken nennen für 1997 in Deutschlands Wohnstuben 4,5 Millionen Kleinsäuger, 8,1 Millionen Ziervögel und 80 Millionen Fische in 3,1 Millionen Aquarien. Als "bedenklich" bezeichnen die Amtstierärzte der Kreisverwaltung die Schätzung von Experten, daß der Fischbesatz in Aquarien bis zu viermal im Jahr ausgetauscht wird. Vieles deute darauf hin, daß nur wenige Heimtiere ihr natürliches Lebensalter erreichen. Die Kreisverwaltung zitiert eine Aussage der BTK: "Fehler in Haltung und Pflege führen zu Krankheiten, Verletzungen und Verhaltensstörungen. Das Heimtier stirbt langsam und leise. Schmerzen und Leiden kann es nicht klar und deutlich äußern."

Das neue Gesetz sieht eine Reihe von Änderungen vor. So brauchen all jene eine Behördenerlaubnis, die gewerblich Tiere transportieren. Gleiches gilt für Personen, die Tiere in einer Einrichtung halten, in der diese zur Schau gestellt (beispielsweise Zoos) oder in der Schutzhunde für Dritte ausgebildet werden. Eine Genehmigung braucht weiterhin, wer Wirbeltiere gewerbsmäßig züchtet oder hält, mit Wirbeltieren handelt oder einen Reit- oder Fahrbetrieb unterhält; landwirtschaftliche Nutztiere sind von dieser Regelung ausgenommen.

Der Sachkundenachweis stellt eine wesentliche Voraussetzung für die amtliche Genehmigung dar. Diesen Nachweis müssen auch diejenigen erbringen, die Wirbeltiere regelmäßig beruflich oder gewerblich töten.

Folgende schmerzhafte Praktiken sind untersagt: erstens einem Tier Leistungen abzuverlangen - auch mit Hilfe leistungssteigernder Mittel oder Behandlungen, die es unter normalen Umständen nicht erbringen kann; zweitens bei Training, Wettkämpfen und ähnlichen Veranstaltungen schmerzhafte oder für das Tier schadhafte leistungssteigernde Maßnahmen anzuwenden; dazu zählt auch das Doping; drittens ein Tier zu derart aggressivem Verhalten auszubilden oder abzurichten, daß dieses Verhalten beim Tier selbst oder seinem Artgenossen Schmerzen oder Schäden verursacht; und viertens ist es verboten, Geräte zu verwenden, die das artgemäße Verhalten der Tiere mit Stromschlägen unterbinden (Teletakt-Geräte).

Die Verbotsliste schmerzhafter Eingriffe wurde ebenfalls erweitert. So ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen ebenso verboten wie das Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben des Wirbeltieres. Konkret: Verboten ist nach Angaben der Kreisverwaltung beispielsweise, einem Hund die Ohren oder den Schwanz zu kürzen (kupieren). Dazu läßt das Tierschutzgesetz nur einige wenige Ausnahmen zu.

Die neuen, strengeren Regeln gingen manch engagierten Tierschützer noch nicht weit genug, betonen die Kreis-Amtstierärzte, stellten jedoch "einen weiteren Baustein eines fortschrittlichen Tierschutzes" dar. Für die Kreis-Mitarbeiter bedeutet die Gesetzesnovelle zugleich zusätzliche Aufgaben und mehr Kontrollen. Daher der Hinweis auf die Duldungs- und Mitwirkungspflichten der Tierhalter: Behördenmitarbeiter, die Tierhalter kontrollieren, dürfen dessen Grundstücke, Geschäfts- und Wirtschaftsräume sowie Transportmittel auch außerhalb der Geschäftszeiten betreten, Unterlagen einsehen, Tiere untersuchen und Proben entnehmen. Die Tierhalter sind dabei sogar zur Hilfeleistung verpflichtet.


Hinweis:
Sie befinden sich im Pressedienst-Archiv der Kreisverwaltung Ahrweiler. Eine Gewähr für die Aktualität zum Zeitpunkt Ihres Aufrufs kann nicht gegeben werden.

© Kreisverwaltung Ahrweiler - 31.03.1999

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