BÜRGERSERVICE BILDUNG & FAMILIE KREIS & GEMEINDEN KULTUR & VEREINE WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG
 

"Wenn's läuft, dann über die Beziehungskiste"

Schulsozialarbeit: Pilotprojekt an der Berufsbildenden Schule findet landesweites Echo - Dorothea Esser-Glagow als Leiterin

Mit einem landesweit einmaligen Pilotprojekt der Schulsozialarbeit hat die Berufsbildende Schule Bad Neuenahr-Ahrweiler Schülerinnen und Schüler der Berufsvorbereitungsklassen angesprochen. Das Ziel: die BBS trotz ihrer hohen Zahl von 2.500 Schülern attraktiv und lebenswert zu gestalten.

17 Schülerinnen und 60 Schüler der Berufsvorbereitungsklassen nutzen dieses Zusatzangebot der BBS, das gemeinsam mit dem Kreis-Jugendamt und der Fachschule für Erzieher entwickelt wurde. Die Schüler schlossen sich zusammen in Arbeitsgruppen für Badminton und Breakdance, Tanzen und Aerobic, Foto und Video, Computer, Deutsch, Fußball, Kochen und Selbstverteidigung.

"Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, in der sich die Schüler wohlfühlen", beschreibt Dorothea Esser-Glagow einen Grundgedanken des Projekts. Die diplomierte Sozialpädagogin hält die Fäden der Initiative in Händen. "Eine solche große Schule birgt die Gefahr der Anonymität", weist Esser-Glagow auf die Größendimension der BBS hin. "Mit dem Projekt versuchen wir, zusätzliche Erfahrungsfelder für Jugendliche einzurichten, um damit persönliche Kontakte herzustellen und Beziehungen auszubauen. Wenn Schüler sich wohlfühlen, gehen sie anders miteinander um, es treten weniger Aggressionen auf".

In der Tat: "Viele Schüler sind aufgeblüht, weil sie ihre Interessen in der Schule umsetzen konnten", zieht Markus Herhold aus Ramersbach eine positive Bilanz des über ein Jahr gelaufenen Projekts. Markus Herhold ist selbst Schüler an der BBS. Gemeinsam mit Anja Conrads aus Gelsdorf besucht er die Fachschule für Erzieher.

Markus Herhold und Anja Conrads wissen die oft nicht leichte Situation der Berufsvorbereitungsschüler einzuschätzen. Anja Conrads sieht im persönlichen Schülerkontakt eine wichtige Voraussetzung für den Projekterfolg: "Wenn's läuft, dann über die Beziehungskiste".

Markus Herhold, Anja Conrads sowie weitere 22 Oberstufenschülerinnen und -schüler der Fachschule für Erzieher waren an diesem Projekt im Rahmen ihres Didaktik-Methodikunterrichts beteiligt und konnten damit Erfahrungen für ihr eigenes Berufsfeld sammeln. Fachliche Begleitung leisteten ihre Lehrerinnen Jutta Schöneberg und Gabi Weier: "Das hohe zeitliche und persönliche Engagement der Fachschüler und der begleitenden Fachlehrerinnen haben das Projekt in dieser breit angelegten Form erst möglich gemacht", betont Dorothea Esser-Glagow.

Noch weitere Akteure haben mitgewirkt und geholfen, das Projekt zu verwirklichen. Eingebunden sind der Arbeitskreis Suchtprävention der BBS unter Leitung von Erika Ehm sowie das Kreis-Jugendamt Ahrweiler mit Siglinde Hornbach-Beckers und Michael Dames. Tatkräftig unterstützt wurde und wird die Aktion von BBS-Schulleiter Hans Werner Rieck, dem inzwischen verstorbenen stellvertretenen Schulleiter, Karl Werner Bieber, sowie Rolf Berger und Otto Kley. Die Finanzspritzen kommen von der Kreisverwaltung Ahrweiler und dem Förderverein der BBS.

Wichtig ist nach den Worten von Dorothea Esser-Glagow, "daß diese Aktion jetzt nicht einfach im Sande verläuft. In offenen Treffs lassen wir das Projekt und dessen Ideen weiterleben. Vielleicht ergibt sich daraus in Zukunft eine Vernetzung mit Einrichtungen und Beratungsstellen, die für Jugendliche von Interesse sind, um so den Rahmen für ein niederschwelliges Beratungsangebot an der BBS zu schaffen". Hinter dem Begriff "niederschwellig" verbirgt sich ein Beratungsangebot im lockeren Rahmen - ohne Zwang, Formalitäten und Anmeldungen.

In der Kreisverwaltung begrüßt man die Initiativen an der Berufsbildenden Schule. Siglinde Hornbach-Beckers, Referatsleiterin im Kreis-Jugendamt für Jugendpflege, Prävention und Jugendschutz, glaubt, daß der an der BBS praktizierte Präventionsansatz der Schulsozialarbeit - vor allem mit der Kooperation von Erziehern, Schülern, Lehrern, Eltern und dem Jugendamt - wertvolle Effekte an den Tag legen wird. Hornbach-Beckers sieht in dem Projekt eine Chance, "auch strukturelle Veränderungen mit Blick auf eine lebenswerte Schule einzubringen". Letztes scheint bereits der Fall zu sein: "Andere Schulen in Rheinland-Pfalz haben schon Interesse an unserem Projekt bekundet", berichtet Dorothea Esser-Glagow von landesweiten Anfragen.


Hinweis:
Sie befinden sich im Pressedienst-Archiv der Kreisverwaltung Ahrweiler. Eine Gewähr für die Aktualität zum Zeitpunkt Ihres Aufrufs kann nicht gegeben werden.

© Kreisverwaltung Ahrweiler - 22.04.1999

<< zurück