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Trauerrede der Ersten Kreisbeigeordneten Ingrid Näkel-Surges

Sterbeamt für Landrat Joachim Weiler am 7. Oktober 1999 in der Laurentiuskirche Ahrweiler

Liebe Frau Knoth-Weiler,liebe Angehörigen der Familie, sehr geehrte Trauergemeinde, Landrat Joachim Weiler ist nicht mehr unter uns. Für mich - wie sicher für uns alle - war die Nachricht von seinem plötzlichen und allzufrühen Tod ein lähmender Schock. Der Schock lähmt das Bewußtsein, das, was geschehen ist, zu begreifen. Und er lähmt die Sprache, das, was wir empfinden, auszudrücken.

Fassungslosigkeit, Bestürzung, Entsetzen, Hilflosigkeit, Trauer - diese Begriffe können nur annähernd beschreiben, wie uns allen zumute ist.

Gerade nahm Landrat Weiler noch voller Elan und Lebensfreude einen Termin wahr, und jetzt sollte er tot sein? Es war unfaßbar, aber es wurde traurige und schreckliche Gewißheit.

Joachim Weiler hat oft die gute Zukunft des Kreises Ahrweiler nach dem Jahr 2000 beschworen. So hat er wiederholt den ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zitiert, der in einer bekannten Rede einmal gesagt hat: "Die besten Jahre liegen noch vor uns!"

Und Joachim Weiler, der im Kreis Ahrweiler für diese gute Zukunft die Fundamente gelegt hat, er kann nun an der weiteren Erfüllung seines Lebenswerkes nicht mehr teilhaben.

Aber wir wollen nicht mit dem Schicksal hadern. Das wäre, so denke ich, nicht im Sinne von Joachim Weiler, der fest im christlichen Glauben verwurzelt war und sich immer den christlichen Grundwerten verpflichtet fühlte. So hat er selbst einmal in einer Trauerrede den verstorbenen Schulleiter und Priester Arnold Terwer zitiert, der über das Leben folgendes gesagt hatte: "Wie es sich uns gewährt, so entzieht es sich: im Schmerz, im Abschiednehmen, in der Trennung, im Tod. Man kann das Leben nicht festhalten. Man kann nicht darüber verfügen, es ist unverfügbar. (...) Das Leben steht nicht zu unserer Disposition."

Nach seinem Studium absolvierte Joachim Weiler verschiedene berufliche Stationen, insbesondere als Büroleiter des damaligen CDU-Bundesvorsitzenden Dr. Helmut Kohl, als Dozent an der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung in Mayen und als Ministerialrat im Mainzer Innenministerium.

1988 wurde Joachim Weiler dann als Landrat in den Kreis Ahrweiler berufen. Schnell arbeitete er sich in sein neues Amt ein, das er nicht nur inne hatte, sondern mit aller Kraft lebte. Er war leidenschaftlich gern Landrat, Landrat mit Leib und Seele, ein Glücksgriff für den Kreis Ahrweiler.

Alle seine persönlichen Interessen, alle Hobbys verband er mit seinem Beruf, der damit zu einer wirklichen Berufung wurde. Er fühlte sich im Kreis Ahrweiler wohl und war stolz auf sein Amt. Das Ahrtal, der Rotwein, der von Kindheit an vertraute Rhein, das Brohltal und Maria Laach, die Höhen der Eifel, der Nürburgring, die Grafschaft, die Menschen. Landrat Joachim Weiler liebte seinen Kreis Ahrweiler. Das spürte jeder, der mit ihm sprach - und das machte ihn auch zum ersten Botschafter für unseren Kreis, weit über die Region und unser Land Rheinland-Pfalz hinaus.

In der Folge der tiefgreifenden Ereignisse im Herbst 1989 war er es, der die möglichen Folgen auch für den Kreis Ahrweiler ahnte und schon früh den Schulterschluß mit der Stadt Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis suchte. Dies ist ihm erfolgreich gelungen, so daß der Kreis Ahrweiler - trotz des Bonn/Berlin-Umzuges - als gleichberechtigter Partner in der Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler in eine positive Zukunft sehen kann. Möglich war das nur durch das rechtzeitige Ergreifen dieser historischen Chance. Die neue Fachhochschule RheinAhrCampus Remagen ist ein direktes Ergebnis dieser, seiner persönlichen Bemühungen und Ideen.

Weitere Bausteine im unermüdlichen Engagement von Joachim Weiler sind die Gesundheits- und Fitnessregion Kreis Ahrweiler, der Tourismus und hier insbesondere die Zusammenarbeit von Tour und KVV im neu eröffneten Dienstleistungszentrum, die Wirtschaftsförderung, die Investitionen des Kreises in Kindergärten und Schulen, an der Spitze der Neubau des Peter-Joerres-Gymnasiums, die Neustrukturierung des Öffentlichen Personennahverkehrs, die Dorferneuerung, neue Projekte am Nürburgring, der Radwegebau, die Modernisierung der Kreisverwaltung, Initiativen als Verwaltungsratsvorsitzender der Kreissparkasse und viele weitere Aufgaben.

Allen diesen erfolgreich bewältigten Herausforderungen liegt eine zentrale Charaktereigenschaft zugrunde, die Joachim Weiler zu einem ganz besonderen Menschen machte und die eine Zeitung in einem Bericht zu seinem Tod jetzt so umschrieb: "Er war menschlich zu anderen und hart zu sich selbst".

Er hat es immer in besonderer Weise verstanden, auf jeden Menschen zuzugehen und jedem gerecht zu werden. Er hatte Verständnis, er konnte zuhören und er war zugänglich. Dies machte ihn auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kreisverwaltung zu einem anerkannten und hochgeschätzten Vorgesetzten.

Darüber hinaus war er ein Mann des Ausgleichs, er konnte zwischen unterschiedlichen Positionen vermitteln und machte dadurch gerade in der Politik Lösungen häufig erst möglich. Ihn bewegten die Dinge, aber er konnte auch Dinge bewegen. Vor allem deshalb war er auf allen Ebenen und bei allen Anlässen ein gern- und vielgesuchter Gesprächspartner.

Zahlreiche Anrufe, Besuche, Kondolenzschreiben und Eintragungen im Kondolenzbuch zeugen von der großen Welle der Anteilnahme. Darüber hinaus haben uns viele Menschen und Institutionen in dieser schweren Zeit spontan jede erdenkliche Hilfe angeboten. Auch das mag ein Hinweis darauf sein, wieviel Hilfe Joachim Weiler in seinem Leben anderen gegeben hat. Für den Landkreis Ahrweiler, den Kreistag, die Kreisverwaltung und auch im Namen der Familie möchte ich mich für diese Zeichen der Anteilnahme ganz herzlich bedanken. Sie sind uns Verpflichtung, den von Landrat Joachim Weiler vorgezeichneten Weg weiter zu gehen. Denn er hatte noch viele Ideen und Pläne für den Kreis, die angestoßen sind und jetzt in seinem Sinne fortzuführen sind. Ich denke hier nur an das neue Kreisentwicklungsprogramm "Zukunft AW 21", wobei er selbst diesem planerischen Großprojekt den Namen verlieh. Ziel ist es, darin die Gedanken zur Zukunft des Kreises zu formulieren.

Joachim Weiler war - die 14 Landräte des ehemaligen Kreises Adenau hinzugerechnet - der 30. Landrat im Kreis Ahrweiler. Im letzten Jahr konnte er sein 10-Jähriges Amtsjubiläum feiern.

Seine Amtszeit stellt in der Geschichte unseres Kreises eine besondere Ära dar. Es ist eine Ära, die jetzt zu Ende gegangen ist. Was bleibt, ist die Erinnerung und unsere große Dankbarkeit einem Menschen gegenüber, der sein Leben in den Dienst unseres Kreises gestellt und vieles für den Kreis erreicht hat. Ich glaube, das darf ich auch für seine Amtsvorgänger sagen, die Herren Korbach, Dr. Stollenwerk und ebenso Dr. Plümer.

Wir sind sehr froh, daß wir Joachim Weiler als Landrat hier im Kreis Ahrweiler haben durften.

Liebe Frau Knoth-Weiler, liebe Angehörigen, vielleicht kann Ihnen unsere Dankbarkeit Ihrem Mann, Sohn und Schwiegersohn gegenüber ein Trost in dem Schmerz sein, den wir mit Ihnen teilen.

Joachim Weiler ist von uns gegangen, aber nicht aus unseren Herzen. Er wird im Kreis Ahrweiler unvergessen bleiben. Wir werden immer an ihn denken. Und ich bin sicher: Er denkt auch an uns.



Hinweis:
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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 07.10.1999

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