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Der neue Tele-Arbeitsplatz ist auch ein Instrument der Frauenförderung

Ingrid Näkel-Surges: Mehr Flexibilität bei der Zeitgestaltung - Angelika Stockhaus arbeitet von zu Hause aus - Der Arbeitstag kann durchaus am Abend beginnen

Die Kreisverwaltung Ahrweiler hat den ersten Telearbeitsplatz eingerichtet, bei dem eine Mitarbeiterin von zu Hause aus tätig ist. Einen Effekt dieser Neuerung lobt die Erste Kreisbeigeordnete des Kreises Ahrweiler und derzeitige Leiterin im Kreishaus, Ingrid Näkel-Surges, ganz besonders: die Frauenförderung.

"Telearbeit kann den Frauen wesentlich dabei helfen, Familie und Beruf zu vereinbaren", stellt Näkel-Surges mit Blick auf den Frauenförderplan der Kreisverwaltung fest. Dieser Plan, bei dem es sich um ein Kooperationswerk der Verwaltung, des Personalrats sowie der Gleichstellungsbeauftragten Evelyn Dirks handelt, analysiert unter anderem das Verhältnis von Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigungen im Kreishaus. Demnach sind es zu 80 Prozent Frauen, die sich im Kreishaus für Teilzeit-Jobs entschieden haben.

So entsprach es auch dem Wunsch der ersten Telearbeiterin, ihre Aufgaben von daheim aus zu erledigen. Angelika Stockhaus sieht in der neuen Aufgabe besonders für Frauen die Chance, "in ihrem Job drinzubleiben, ohne dass die Kinder ihre Mutter entbehren müssen". Selbstdisziplin stellt für sie eine wichtige Voraussetzung für die Telearbeit dar. Neben ihrer Arbeit am heimischen Computer in der Gemeinde Grafschaft erscheint sie regelmäßig im Kreisgebäude, um Arbeitsergebnisse und Abläufe mit den Kollegen zu besprechen. Stockhaus, eine anerkannte EDV-Expertin, kann sich bei Bedarf über eine gesicherte Telefonleitung mit dem im "Mutterhaus" verbinden. Dann hat sie Zugriff auf Dateien im Computernetzwerk der Kreisverwaltung, die sie für ihre Aufgabenfelder benötigt.

Bei diesen Aufgaben handelt es sich erstens um Datenbanken unter anderem für das Controlling im Bereich des Finanzwesens und der Sozialleistungen, die sie eigens für die Kreisverwaltung entwickelt hat, und zweitens um den technischen Ausbau der Internetseiten (www.kreis.aw-online.de). Die Kreisverwaltung will diese ihre Webseiten in Richtung vorverlagerte Behörde weiterentwickeln. Konkret: Bürger können sich demnächst Informationen und Formulare aus dem Kreishaus am heimischen PC abrufen, ohne selbst in der Ahrweiler Wilhelmstraße erscheinen zu müssen. Das spart Fahrten und Zeitaufwand.

Angelika Stockhaus selbst war es, die den Telearbeitsplatz vorschlug. Dabei ist die Situation für sie ebenso neu wie für ihre Vorgesetzten. Ein Vertrag regelt die Rahmenbedigungen. Darin heißt es unter anderem, dass die Mitarbeiterin des Telearbeitsplatzes - logischerweise - von der Zeiterfassung per Stechuhr im Kreishaus entbunden ist. Auf der anderen Seite ist sie verpflichtet, daheim ein Arbeitstagebuch zu führen und regelmäßig vorzulegen.

Die Zeiten, wann die Tele-Arbeiterin ihren Dienst verrichtet, bleibt ihrer eigenen Planung überlassen. Eine "Selbststeuerung" sei gewünscht. Im Klartext: Ob die Mitarbeiterin am Abend, am Wochenende oder an Feiertagen Dienst tut, weil sie sich beispielsweise nachmittags um die Kinder und deren Hausaufgaben kümmert, liegt in ihrem eigenen Ermessen.

"Wir sehen die Einrichtung von Telearbeitsplätzen als eine gleichwertige Form der Aufgabenerledigung gegenüber der herkömmlichen Methode in den Büros an", fasst Ingrid Näkel-Surges die Sicht der Kreisverwaltung zusammen. Es sei der erklärte Wille der Kreisverwaltung, die sich laufend verändernden und fortschreitenden EDV-technischen Möglichkeiten zu nutzen und Telearbeitsplätze einzurichten. Dies sei ein Anliegen der Verwaltungsleitung und entspreche zugleich dem Wunsch insbesondere der weiblichen Mitarbeiter nach mehr Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung sowie der Vereinbarung von Familie und Beruf.

Dabei bleibe das "Weisungs- und Direktionsrecht des Dienstherrn uneingeschränkt". Die Erste Kreisbeigeordnete: "Wir beabsichtigen nicht, im rechtlichen Sinne Heimarbeit oder Heimarbeitsplätze einzurichten. Telearbeit ist lediglich als eine neue Form der Arbeitserledigung im Rahmen vertraglicher Regeln zu sehen."

Selbstdisziplin wird nötig sein, um die dienstliche Arbeit im privaten Umfeld fach- und zeitgerecht zu erledigen. Die AW-Gleichstellungsbeauftragte Evelyn Dirks berichtet aus Gesprächen mit Frauen in ähnlichen Arbeitsverhältnissen, "dass sich der Dienst mehr und mehr in den Abend und sogar in die Nacht verschiebt, weil tagsüber die Kinder ihr Recht verlangen." Eine gewisse Gefahr sieht Dirks auch in der "Verinselung": Die Anbindung der Frauen zum Betrieb löse sich und soziale Beziehungen könnten abgebaut werden. Von den Frauen werde dennoch Leistung verlangt. So beurteilt Evelyn Dirks die Telearbeit als "ambivalant", wie eine "Medaille mit zwei Seiten".

Auch die derzeitige erste Frau in der Kreisverwaltung, Kreisbeigeordnete Ingrid Näkel-Surges, sieht den neuen Telearbeitsplatz zunächst als Testphase. "Wir werden Erfahrungen sammeln und dann über den weiteren Weg entscheiden. Ich gehe aber davon aus, dass es langfristig nicht bei einem Telearbeitsplatz bleibt."



Hinweis:
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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 04.11.1999

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