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Ingrid Näkel-Surges: "Bauplan für die Zukunft des AW-Kreises"

Kreistag im Kleinen diskutierte im "Workshop der Fraktionen" - Neues Kreisentwicklungsprogramm soll 2001 vorliegen

Kreistag einmal anders: Die gewählten AW-Parlamentarier trafen sich jetzt in der Kreisverwaltung. Allerdings nicht zu einer Sitzung in gewohnter Form, um zu debattieren und abzustimmen, sondern in einem "Workshop der Fraktionen", um in Studiengruppen parteiübergreifend zu arbeiten und Ideen auszuloten.

Anlass: das Kreisentwicklungsprogramm "Zukunft AW 21", das die planerische Richtschnur für den AW-Kreis und alle Kommunen für die nächsten zehn bis zwölf Jahre spannt. Das Programm, dessen letzte, 250-seitige Fassung aus dem Jahr 1977 stammt, stellt nach den Worten der Ersten Kreisbeigeordneten Ingrid Näkel-Surges "den Bauplan für die Zukunft des Kreises Ahrweiler" dar.

Die konkreten Arbeiten an diesem Kreisentwicklungsprogramm (KREP) sind bereits im Gange. Der jetzige Workshop der Fraktionen sollte allen Kreistagsmitgliedern die Gelegenheit bieten, sich frühzeitig einzubringen und zu äußern, bevor der übergreifende Arbeitskreis zum Einsatz kommt. Denn dieser 20-köpfige Arbeitskreis stellt das Herzstück beim weiteren Vorgehen dar. In diesen Haupt-Arbeitskreis wird die Politik als eine von insgesamt acht Interessenvertretungen über die sechs Vertreter der Kreistagsparteien eingebunden sein. Die Themenkreise: Wirtschaft; Aus- und Weiterbildung & Qualifikation; Gesundheit- und Fitnessregion; Land- und Forstwirtschaft, Weinbau; Umwelt; Soziales, Jugend und Kultur. Der Arbeitskreis wird in zehn Sitzungen Vorschläge einbringen, über die der Kreis- und Umweltausschuss und abschließend der Kreistag zu beraten und zu beschließen haben.

Zum Workshop für die Kreistagsmitglieder: Wie das KREP-Prozedere der nächsten Wochen und Monate ablaufen soll, erklärte Dr. Egbert Dransfeld vom Dortmunder Institut für Bodenmanagement, das als Teil einer Arbeitsgemeinschaft verschiedener Büros den Auftrag für das KREP erhalten hat. Demnach ist vorgesehen, das planerische Großprojekt im Frühjahr 2001 vorzustellen. Dr. Dransfeld hat bereits grundlegende Daten über den Kreis ausgewertet, einleitende Gespräche mit Bürgermeistern und Gruppeninterviews geführt und Fachforen abgehalten. Den Kreistagsmitgliedern schilderte Dransfeld seine ersten Eindrücke.

So weise der AW-Kreis im Vergleich zu anderen Regionen "eine große Heterogenität" in Wirtschaft, Bevölkerung, Kultur und Landschaft auf. Besonders auffällig seien die erheblichen Unterschiede in der Bevölkerungsdichte zwischen dem dichtbesiedelten Ost- und dem dünnbesiedelten Westteil des Kreisgebietes. Angesichts der "stark unterschiedlichen Struktur" sei kritisch zu fragen, ob überhaupt ein "gemeinsames, identitätsstiftendes Leitbild" geschaffen werden könne.

"Das kommunale Denken ist hier sehr stark ausgeprägt", erklärte Dransfeld, dessen Institut bundesweit arbeitet. "Sie im Kreis Ahrweiler haben starke Kommunen". Als einen Ansatzpunkt für eine gemeindeübergreifende Zusammenarbeit machte Dransfeld beispielsweise das Ökokonto aus. Dabei könnten gemeinsame ökologische Ausgleichsflächen geschaffen werden, wenn in benachbarten Gemeinden Neubaugebiete entstehen. Mit Blick auf das Kindergartenangebot sei "nicht ausgeschlossen, dass in einigen Jahren ein Überangebot an Plätzen herrscht"; dann müssten leerstehende Gebäude anderweitig genutzt werden.

Die regionale Orientierung des AW-Kreises zeige klar nach Nordrhein-Westfalen in den Raum Köln/Bonn. Dies gelte beispielsweise für das Einkaufsverhalten oder die Berufspendler. Eine Ausnahme stelle das Brohltal dar, das sich nach wie vor stark in den Raum Mayen-Koblenz bewege. Der durch den Berlin-Bonn-Beschluss zu erwartende Strukturwandel sei "noch nicht ganz spürbar". Dransfeld warnte davor, angesichts der zu erwartenden Auswirkungen in "kommunales Kirchtumsdenken" zu verfallen.

 

Anschließend beschäftigten sich die einzelnen Gruppen des Workshops mit den drei Themenfeldern Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Dabei wurden Schwerpunkte erarbeitet, bei denen meist ein fraktionsübergreifender Konsens herrschte. Ein Fazit der Veranstaltung: Die Heterogenität im Kreis Ahrweiler bedeute Verschiedenheit, aber auch Vielfalt. Und in dieser Vielfalt sahen die Kreistagsmitglieder die wesentliche Stärke des Kreises Ahrweiler.



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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 18.11.1999

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