BÜRGERSERVICE BILDUNG & FAMILIE KREIS & GEMEINDEN KULTUR & VEREINE WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG
 

Kreisweite Wirtschaftsförderung als oberstes Ziel für 2001

Vor einem Jahr wurde Dr. Jürgen Pföhler neuer Landrat - Bundeswehrstandort sichern - Beste Chancen für ein "Medicin Valley" - Nahverkehrsplan kommt ;"Umweltschutz mit Augenmaß" - Starker Handlungsbedarf beim Straßenbau

Die Sicherung des Bundeswehrstandortes Bad Neuenahr-Ahrweiler ist für Landrat Dr. Jürgen Pföhler "das brennendste Problem in diesen Tagen", während der Aufbau einer kreisweiten Wirtschaftsförderung das "für Kreis und Kommunen zentrale Unterfangen des Jahres 2001" darstellt. Zwei Themen - ein Jahrestag: Am 2. Februar 2000 wurde Dr. Pföhler zum neuen Landrat des Kreises Ahrweiler ernannt.

"Sehr wohl" fühlt sich die Familie Pföhler, die vor wenigen Wochen ihr neues Heim in Bad Neuenahr-Ahrweiler eingerichtet hat. Diese privaten Voraussetzungen stärken dem neuen Landrat - dem ersten direkt von den Bürgerinnen und Bürgern gewählten Kreis-Chef übrigens - "auch für den Dienst den Rücken", wie er jetzt bei seiner Jahres-Pressekonferenz sagte.

Neben der systematischen Einarbeitung in die anspruchsvolle und vielschichtige Materie der Kreisverwaltung hat der 42-jährige Verwaltungsjurist, der aus dem Bonner Bau- und Verkehrsministerium ins AW-Land kam, "persönliche Kontakte zu Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Verwaltung geknüpft, rund 1.000 Termine absolviert und wichtige Weichenstellungen vorgenommen". Ein Schwerpunkt seiner Politik: "die Wirtschaft fördern".

Der Landrat sieht für die kommenden Jahre eine Chance, "uns als namhaften Standort der Medizintechnik in Rheinland-Pfalz zu etablieren". Dafür stünden "enorme Potentiale" bereit. Im Einzelnen nennt er den gleichlautenden Studienzweig an der FH Remagen, die Forschungsvereinigung der Arzneimittel-Hersteller in Verbindung mit dem Zentralinstitut Arzneimittelforschung in Sinzig, das Innovations- und Gründerzentrum Sinzig (IGZ), den Technologiepark Grafschaft, die Europäischen Akademie für Technikfolgenabschätzung und das Institut für Medizinrobotik (beide in Bad Neuenahr-Ahrweiler), das Pilotprojekt "Gesundheits- und Fitnessregion" sowie die zahlreichen Einrichtungen des Kur- und Gesundheitswesens im AW-Kreis. Pföhler: "Wir haben beste Chancen, ein ´Medicin Valley´ zu werden. Und das hat eine echte Zukunft."

Dennoch: In der heutigen Zeit der Globalisierung kann nach den Worten des neuen Landrats "nur die Region mithalten, die ihre Kraft gebündelt am Markt einbringt. Wer sein eigenes Süppchen kocht, hat schon verloren." Eine kreisweite Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) zusammen mit den Kommunen sei daher ein "unbedingtes Muss". Er begrüße es daher "außerordentlich, dass unsere Bürgermeister das genauso sehen und bei ihrer Mitarbeit zum Kreisentwicklungsprogramm AW 21 schon im vergangenen Jahr eine entsprechende Initiative eingebracht haben." Denn für Pföhler ist klar: "Nur wenn Kreis und Kommunen hier an einem Strang ziehen, kann das Unternehmen ein Erfolg werden."

Ebenso wichtig sei die breite politische Absicherung der WFG im Kreistag. Bereits drei Fraktionen wollten das Thema in der nächsten Sitzung des Kreisparlaments beraten, freut er sich. Pföhlers Ziel für das zweite Jahr seiner Amtszeit: "die politischen Gremien des Kreises und die Kommunen in ein Boot bekommen und die Wirtschaftsförderungsgesllschaft dieses Jahr gründen." Das Aufgabenspektrum der WFG müsse von der Ansiedlung neuer High-Tech-Unternehmen bis zur Entwicklung moderner Marketingstrategien für regionale Produkte reichen.

Pföhler selbst legt einen besonderen Akzent seiner Wirtschaftspolitik auf die Sicherung bestehender und die Ansiedlung neuer Unternehmen. Dank vorausschauender Politik seien hinreichend erschlossene Gewerbeflächen im gesamten Kreisgebiet vorhanden. Der "Runde Tisch", den die Wirtschaftförderer der Kreisverwaltung für schnelle Genehmigungen anbieten, sei ein ausgezeichnetes Instrument. Die Kreisverwaltung tue "alles, um Investitionshemmnisse abzubauen." Investoren, vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, brauchten einen Genehmigungslotsen, der sie auf dem Weg durch die oft schwierigen Genehmigungsverfahren begleite, betonte der AW-Landrat.

Und: "Wir brauchen neben dem Gesundheits- und Kurwesen weitere Standbeine." Die Telekommunikationsstadt Bonn als "Kompetenz-Zentrum" liefere bereits "ein sattes Fundament für High-Tech und insbesondere die Informations- und Telekommunikationsbranche". In dieser IT-Branche müsse der Kreis Ahrweiler "noch aktiver mitspielen", zumal mit der Fachhochschule RheinAhrCampus in Remagen und ihren Innovationsflächen ein "exzellenter Impulsgeber für wirtschaftliche und wissenschaftliche Impulse" agiere.

Für IT-Firmen biete der AW-Kreis ideale Standortbedingungen. Und solche Firmen ihrerseits bieten für Dr. Pföhler "zwei entscheidende Vorteile": erstens wettbewerbsfähige und damit zukunftssichere Arbeitsplätze und zweitens als so genannte "weiße Branche" ein hohes Maß an Umweltfreundlichkeit.

Denn auch Umweltschutz sei im AW-Kreis ein bedeutendes Thema. Umweltschutz dürfe jedoch "nicht gegen Arbeitsplätze und die Wirtschaft ausgespielt werden". Bei überzogenen Umweltschutz-Anforderungen bestehe die Gefahr, "dass sie lebenswichtige Entwicklungs-Chancen von Betrieben und ganzen Gemeinden abschnüren." Unternehmen seien "heute ganz schnell weg und woanders hoch willkommen", warnt Pföhler. Deshalb plädiert er für einen "effizienten Umweltschutz, aber mit Augenmaß".

Der Bau des geplanten Arp-Museums in Remagen-Rolandseck sei auf einem guten Weg. Die "harten, teilweise kompromisslosen Verhandlungen mit Land und Bund" sollen sich lohnen, denn: Dieser Neubau nach den Plänen des amerikanischen Star-Architekten Richard Meier sei das "ambitionierteste Kulturprojekt in Rheinland-Pfalz und auf Jahre hinaus die einzige Chance, ein wirklich neues Projekt von Weltklasseformat in den Kreis Ahrweiler zu bekommen." Jürgen Pföhler: "In wenigen Jahren erwarte ich ein Museum für moderne Gegenwartskunst, das in seiner Bedeutung dem Nürburgring und Maria Laach in nichts nachsteht."

Die Entwicklung des Kreises Ahrweiler sieht Pföhler "insgesamt positiv". Arbeitslosenquoten, die deutlich unter dem Bundes- und Landesdurchschnitt liegen, sowie eine kontinuierliche Steigerung der Bevölkerungszahl seien erfreuliche Indikatoren.

Große Herausforderungen sieht er "in der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, in der immer mehr Ehen und Familien wegbrechen". Die zunehmende Unterbringung von Jugendlichen in Heimen beispielsweise müsse "uns alle zum Nachdenken zwingen", zumal hinter jedem dieser Fälle ein bedrückendes menschliches Schicksal stehe. Das Kreis-Jugendamt werde deshalb personell verstärkt.

Zudem hat der Kreistag einem Pföhler-Vorschlag zugestimmt und grünes Licht für ein neues Projekt gegeben, das sich in den USA und den Niederlanden bewährt hat und Familien in schweren Krisen hilft. Um Solidarität, Mitgefühl für Schwache und Eigenverantwortung zu praktizieren, seien jedoch "alle gefordert: Familien, Schulen, Kirchen, Betriebe und letztlich die Gesellschaft als Ganzes". Der Staat alleine könne die sozialen und finanziellen Probleme nicht alleine schultern.

Im Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) werde ein Nahverkehrsplan erstellt, der bestehende Inhalte und künftige Ziele aller Bus- und Bahnlinien im Kreisgebiet definiert. Ein Gutachter soll mit diesem Projekt beauftragt werden. Als "erfreuliche Gewinne" für die Menschen im Kreis Ahrweiler bezeichnet er den neuen Talent auf der Ahrtalbahn, die baldige Direktverbindung der Ahrtalbahn bis Bonn ohne Umsteigen in Remagen und den Beitritt des AW-Kreises in den geplanten Gemeinschaftstarif im Verkehrsverbund Rhein-Mosel. Dr. Pföhler: "Hier haben wir einiges Geld in die Hand genommen, das aber bestens angelegt ist, vor allem für die Menschen, die täglich pendeln".

"Starken Handlungsbedarf" sieht er beim Straßenbau. Die Ortsumgehung Hönningen - im August kam "nach qualvollen Jahren des Wartens" (Pföhler) endlich das O.k. - zeigt nach Ansicht des neuen Kreis-Chefs, dass solche Projekte "mit Sachargumenten und permanentem politischem Druck durchaus zu erreichen sind." Jetzt gelte es, "realistische Perspektiven" für die Ortsumgehungen Bad Neuenahr, Altenahr, Bad Bodendorf/Lohrsdorf und vor allem den kompletten Lückenschluss der Eifelautobahn A1 zu fordern. Hier seien Mainz und Berlin gefordert, weil die Verwendung der Investitionsmittel für den Straßenbau des Bundes im Einvernehmen mit den Landesregierungen festgelegt werde.

"Unverzichtbar für die Menschen und die Wirtschaft in unserem Flächenkreis" sei eine "zukunftsgerichtete Verkehrsinfrastruktur", hält Dr. Pföhler fest. So wende der Kreis im Jahr 2001 rund vier Millionen Mark für den Unterhalt und den umweltgerechten Ausbau der Kreisstraßen auf. "Beim Wort nehmen" will Dr. Pföhler den rheinland-pfälzischen Verkehrsminister Hans-Artur Bauckhage, der ein "Jahrzehnt der Lückenschlüsse" angekündigt hat, in dem allein für Ortsumgehungen 2,2 Milliarden Mark bereit stünden.

Beim Bürgerservice freut sich der neue Landrat über "gute Fortschritte". Vor allem auf die schnelle Verwirklichung der neuen Außenstellen der Kfz-Zulassung in den Rathäusern Adenau und Niederzissen ist der Landrat "persönlich stolz". Einen speziellen Service bezeichnet der Landrat als "unser Aushängeschild, das Bürgerfreundlichkeit mit medientechnischer Innovation" verbinde: das Internet-Angebot der Kreisverwaltung. "Mit unserem Motto ´Wir kommen zum Bürger´ und unseren umfassenden Online-Seiten gehören wir zu den führenden Verwaltungen in Rheinland-Pfalz" (www.kreis.aw-online.de). "Mein Ziel lautet: Spätestens in drei Jahren sollen alle internetfähigen Leistungen der Kreisverwaltung über den PC angeboten werden." Pföhlers Neuerung für Vereine und das Ehrenamt: eine jüngst eingerichtete "Vereins-Datenbank Kreis Ahrweiler".

Innerhalb des Kreises Ahrweiler spricht der Landrat von einer "Ära der Schulen", die bereits begonnen habe. Mehrere Erweiterungsbauten wegen steigender Schülerzahlen und "die Chefsache des Landrats für die elf kreiseigenen Schulen, nämlich die Internet-Ausstattung", stehen an oder laufen bereits. In den nächsten drei Jahren seien mehr als 30 Millionen Mark an Schulinvestitionen vorgesehen. Pföhler bezeichnet diesen Aufwand zwar als einen "schwierigen Kraftakt". Aber: "Wir dürfen nicht nur in Gebäude, sondern müssen auch in die Köpfe unser Schüler investieren, um unsere Kinder und Jugendlichen heute fit für die Welt von morgen zu machen."

Die kurz- und mittelfristigen Eckpunkte bei den Schulen: Um- und Erweiterungsbau an der Realschule Ahrweiler mit dem Bau einer Dreifeld-Sporthalle (Gesamtkosten über 15 Millionen Mark), Bau einer Dreifeld-Sporthalle am Peter-Joerres-Gymnasium (5,5 Mio), Bau einer Zweifeld-Sporthalle am Are-Gymnasium (2,8 Mio), Beginn der Bausubstanz-Untersuchung an neun kreiseigenen Schulen mit Prüfung der EDV-Verkabelung sowie die Schulentwicklungsplanung, die eine Prognose der Schülerzahlen bis 2010 aufzeigen soll, "damit wir eine verlässliche Planungsgrundlage haben". Abgeschlossen im ersten Pföhler-Jahr wurden Umbau und Erweiterung der Sonderschule in Burgbrohl für 2,8 Mio Mark.

Für eine spürbare finanzielle Entlastung der Kirchen und Kommunen als Träger von Kindergärten habe er sich bei den Haushaltsberatungen stark gemacht. Der Effekt: Der Kreis lockert die Förderrichtlinien und zahlt seine Anteile beim Neu- oder Umbau jetzt sofort aus - unabhängig vom Land. Dafür stehen im Kreishaushalt 940.000 Mark bereit. Fließen kann dieses Geld in die Kindergärten Ringen, Wershofen, Oberwinter, Ahrbrück und Löhndorf.

Deponie ja oder nein? Diese Frage hält Pföhler bei der Konzeption der künftigen Abfallwirtschaft für zentral. Der Kreistag hat dem Pföhler-Vorschlag zugestimmt, ein "professionelles Beratungsunternehmen" damit zu beauftragen, die verschiedenen Varianten der Restmüllbehandlung und -entsorgung, die Wirtschaftlichkeit und die rechtlichen Rahmenbedingungen aufzuzeigen. Die Strategie ab 2005 bezeichnet er als "die auf lange Sicht herausragende Entscheidung in der Abfallwirtschaft unseres Kreises". Mit einer finanziellen Größenordnung von 70 bis 80 Millionen Mark in einem Zehn-Jahres-Zeitraum falle diese Frage auch wegen der Gebührenentwicklung besonderes ins Gewicht.


Hinweis:
Sie befinden sich im Pressedienst-Archiv der Kreisverwaltung Ahrweiler. Eine Gewähr für die Aktualität zum Zeitpunkt Ihres Aufrufs kann nicht gegeben werden.

© Kreisverwaltung Ahrweiler - 02.02.2001

<< zurück