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"Dann bin ich Netzwerk"

Seit zehn Jahren hat der AW-Kreis eine Gleichstellungsbeauftragte - Landrat Pföhler: "Eine solch wichtige Institution braucht politische Unterstützung" - Evelyn Dirks: "Rausfinden, wo Frauen Hilfe erhalten"

"Die Tätigkeit und der persönliche Einsatz der Gleichstellungsbeauftragten sind aus dem öffentlichen Leben des Kreises Ahrweiler nicht mehr wegzudenken." Landrat Dr. Jürgen Pföhler, der diese Aussage trifft, meint damit die Funktion der Gleichstellungsbeauftragten im Allgemeinen und die Arbeit von Evelyn Dirks im Speziellen.

"Eine solch wichtige Institution braucht breite politische Unterstützung", nennt Landrat Pföhler eine "wesentliche Voraussetzung" für die erfolgreiche Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten. In den politischen Gremien des Kreises Ahrweiler herrsche erfreulicherweise Einmütigkeit darin, "das Engagement von Frau Dirks nachhaltig zu unterstützen", ist Pföhler sicher.

Anlass für Pföhlers Worte: Vor zehn Jahren, am 1. Juni 1991, nahm die erste "Frauenbeauftragte" des AW-Kreises ihren Dienst auf. Evelyn Dirks ist seit etwas mehr als fünf Jahren im Geschäft. Im März 1996 trat die diplomierte Sozialpädagogin, die aus der Erwachsenenbildung kam, ihren Dienst im Kreishaus an.

"Die Interessen der Frauen zu vertreten" - darin sieht Dirks ihre Kernaufgabe. In der Kreisverwaltung und im gesamten Kreis Ahrweiler. Dazu zähle das persönliche Beratungsgespräch sowie der Versuch, Projekte ins Leben zu rufen und Ideen zu entwickeln, die nach den Worten der 52-jährigen Evelyn Dirks helfen, "nach wie vor bestehende Benachteiligungen von Frauen abzubauen."

Die Kooperation mit anderen Personen und Institutionen bildet das wesentliche Fundament auf dem Weg, dieses Ziel auch zu erreichen. Beispielsweise im Arbeitskreis "Frau und Beruf", in dem unter anderem Vertreterinnen und Vertreter von Bildungsträgern und des Arbeitsamtes an einem Tisch sitzen, um Strategien zu entwickeln. Ein anderer Arbeitskreis fordert "Keine Gewalt gegen Frauen".

Mit welchen konkreten persönlichen Anliegen die meisten Frauen das Vier-Augen-Gespräch mit der Gleichstellungsbeauftragten suchen? Evelyn Dirks nennt dazu diese Reihenfolge: erstens Allein Erziehende und alle Probleme, die sich daraus ergeben (fehlende Unterhaltszahlungen des Mannes, Sozialhilfefragen, Kinderbetreuung, beruflicher Stress sowie Rollenschwierigkeiten, nämlich Mutter und Vater sein zu müssen); zweitens Scheidung und Trennung vom Partner; drittens Gewalt in der Partnerschaft - und zwar körperliche wie psychische Gewalt; und viertens Problemlagen wie Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, Rückkehr in den Beruf sowie sexualisierte Gewalt gegen Kinder.

Und wie kann eine Gleichstellungsbeauftragte helfen, wenn Frauen solchen Rat suchen? "Indem man erstmal lange zuhört und die Probleme sondiert." Evelyn Dirks versucht, "immer wieder rauszufinden, wo die eigentlichen Schwierigkeiten der Frauen liegen". Und ganz entscheidend: "An welcher Stelle sie Hilfe erhalten können." Dirks: "Dann, an diesem Punkt, bin ich Netzwerk." Will heißen: Evelyn Dirks greift zum "Handbuch für Frauen", das sie selbst aufgelegt und aktualisiert hat.

Dieses Handbuch nennt knapp 70 Anlaufstellen für Mädchen und Frauen im AW-Kreis, die nach Rat und Hilfe fragen. Es handelt sich um nicht-kommerzielle Organisationen. Zugleich dient die Schrift als Gesamtübersicht über die sozialen Einrichtungen im Kreisgebiet.

Ein Blick zurück: In den 70er Jahren galt Frauenpolitik vorwiegend als Privatinitiative einzelner Frauen. In den 80ern entwickelte sie sich zu einem eigenen Politikbereich mit fest verankerten Positionen und formaler Anerkennung. Dann machte der Staat die Interessenvertretung der Frauen zu seiner eigenen Sache. Die Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau - vor allem im Berufsleben - wurde per Gesetz festgeschrieben. Das Landesgleichstellungsgesetz nimmt die öffentlichen Verwaltungen seit 1994 in die Pflicht.

Nachzutragen bleibt noch eine sprachliche Präzisierung: Anfang der 90er Jahre wurde der Begriff der "Frauenbeauftragten" in "Gleichstellungsbeauftragte" umgewandelt. Die Aufgabe der Gleichbehandlung und Gleichstellung von Mann und Frau wurde damit auch im Titel deutlich.

Zehn Jahre Gleichstellungsarbeit im Kreis Ahrweiler und anderswo - und kein Ende abzusehen. Evelyn Dirks: Auch wenn sich im Bewusstsein von Frauen und Männern schon viel bewegt habe, bleibe die Frage: "In wievielen Jahrzehnten ist die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten überflüssig geworden?"

Info: Gleichstellungsbeauftragte des AW-Kreises, Evelyn Dirks, Kreisverwaltung Ahrweiler, Wilhelmstraße 24-30, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler, Ruf 02641/975-349, Fax 975-537, E-Mail: info@kreis-ahrweiler.de.



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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 25.05.2001

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