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Bautrasse für Bunker-Rückbau in der Grafschaft gesichert

Landrat Pföhler: Interesse von Menschen und Natur im Einklang - Grafschafter Bevölkerung bleibt von Lkw-Verkehr verschont - Spezieller Schutz und zusätzlicher Lebensraum für Falterart - Straße wird nicht verschwenkt

Der gordische Knoten im Streit um die Transporttrasse zum Rückbau des Marienthaler Regierungsbunkers wird durchgeschlagen. "Wir haben gemeinsam mit der Gemeinde Grafschaft und der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Koblenz als Oberen Landespflegebehörde eine Lösung gefunden, die den berechtigten Interessen der Menschen entgegenkommt und zugleich die Auflagen des Naturschutzes beachtet", äußerte sich Landrat Dr. Jürgen Pföhler jetzt zu diesem Thema.

Die Ausschreibung für den Bunkerrückbau ist abgeschlossen. Damit rückt der Baubeginn immer näher. Um den Schwerlastverkehr nicht durch die Ortschaften zu führen, war "schnelles und umsichtiges Handeln geboten", wie die Vizepräsidentin der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD), Elke Starke, Landrat Dr. Pföhler und Bürgermeister Hubert Kolvenbach gemeinsam erklärten.

 

Die Eckpunkte der Lösung sehen so aus:

Erstens: Von einer Verschwenkung der Trasse sowie der dafür erforderlichen Bereitstellung der Flächen wird abgesehen.

Zweitens: Der gesetzlich streng vorgeschriebene Schutz einer Schmetterlingsart wird für die Zeit des Abtransports durch einen zwei Meter hohen Schutzzaun erreicht.

Drittens: Als Kompensation für eventuell verbleibende Beeinträchtigungen wird eine zusätzliche, neue Biotopfläche geschaffen, um den Lebensraum des Falters langfristig zu sichern und zu verbessern. Dazu hat die Gemeinde Grafschaft dem Bund langfristig eine geeignete Pachtfläche zur Verfügung gestellt.

Die SGD in Koblenz habe dem Gesamtpaket einschließlich der erforderlichen landespflegerischen Maßnahmen zugestimmt, betonte Landrat Pföhler weiter, der diese Lösung im Einvernehmen mit Bürgermeister Kolvenbach auf den Weg gebracht hat.

Die Vorgeschichte: Im vergangenen Herbst hatte die Kreisverwaltung Ahrweiler dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in Bonn die Genehmigung zum Bau einer Transporttrasse ab Marienthal auf vorhandenen Wirtschaftswegen bis zum Gewerbegebiet Gelsdorf genehmigt. Auf einem Teilstück entlang eines Wegeseitengrabens, in dem der Falter gefunden wurde, war vorgesehen, die Transporttrasse auf einer Länge von 250 Metern um zehn Meter zu verschwenken.

Trotz intensiver Bemühungen gelang es dem zuständigen Bundesvermögensamt Koblenz nicht, die Zustimmung aller Grundstückseigentümer zur vorübergehenden Nutzung der landwirtschaftlichen Nutzflächen für die Verschwenkung zu erhalten.

Landrat Dr. Pföhler: "Der Bund hat mir zu seinem eigenen Bedauern mitgeteilt, dass die ihm erteilte Genehmigung in dem Streckenabschnitt des Faltervorkommens deshalb nicht umzusetzen ist. Der Bund hält aber weiterhin am Bau einer Transporttrasse bis zum Gelsdorfer Gewerbegebiet fest, vor allem um die Anwohner in der Gemeinde Grafschaft zu schützen." Daher habe der Bund um eine Modifizierung der Auflage gebeten. Die jetzt gefundene Lösung habe "ergänzenden Charakter, der die Belange von Mensch und Natur gleichermaßen in Einklang bringt", stellt Dr. Pföhler fest.

Der Schutzzaun neben der künftigen Transporttrasse soll aus einer zwei Meter hohen und 250 Meter langen Konstruktion bestehen, um den Falter vor Verkehrseinwirkungen abzusichern.

Die gemeindeeigene, neue und 7.500 Quadratmeter große Fläche für den Falter soll extensiviert und mit einem zusätzlichen Graben versehen werden. Durch eine zunächst auf 25 Jahre ausgelegte Bindung dieser Fläche soll der Lebensraum der gefährdeten Population gesichert und sogar vergrößert werden. Mit dieser Lösung werde das Vorkommen des "Wiesenknopf-Ameisenbläulings" auf der Grafschaft nicht nur geschützt, sondern mit der Ausweitung des Lebensraumes noch weiter entwickelt, heißt es abschließend.

(Bereits am 27.06.2001 erschienen)



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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 28.06.2001

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