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"Die Erfolgs-Story ´Rodder Maar´ geht weiter"

Geburtshelferkröte, Feuerlibelle oder Säbeldornschrecke: Neue Arten haben sich angesiedelt - Bitte an die Bürger: Tiere nicht stören, keine eigenen Pflanzen ausbringen

Das Rodder Maar im Brohltal sorgt weiter für erfreuliche Überraschungen im Naturschutz. An die Bürger richten sich zwei aktuelle Bitten aus der Kreisverwaltung Ahrweiler: Die Tiere sollten nicht gestört und Pflanzen nicht entnommen oder angesiedelt werden.

"Die Erfolgs-Story ´Rodder Maar´ geht weiter", äußerte sich Landrat Dr. Jürgen Pföhler sichtlich zufrieden über die Entwicklung in und um den renaturierten See in der Gemarkung Niederdürenbach. Der Besuch zahlreicher Wanderer verdeutliche, welch hohe Bedeutung dem Gewässer für den sanften Tourismus zukomme - auch in Kombination mit der kürzlich eingeweihten Burg Olbrück. Am Rodder Maar sei es beispielhaft gelungen, "die Belange von Naturschutz, Tourismus und Landwirtschaft zum gegenseitigen Nutzen zu vereinen", zeigte sich Dr. Pföhler einer Meinung mit Brohltal-Bürgermeister Hermann Höfer.

Der Pflege- und Entwicklungsplan, den die Kreisverwaltung als Projektträger für das Rodder Maar erstellen ließ und der vor wenigen Monaten vorgelegt wurde, erbrachte den Beweis: Die Renaturierung des Areals verläuft erfolgreich, die Vielfalt an Pflanzen und Tieren sowie die ökologische Bedeutung des Gewässers haben sich weiter erhöht, zahlreiche seltene Arten der Roten Listen angesiedelt. Das Rodder Maar erfüllt eine wichtige Funktion als Rastplatz für durchziehende Vogelarten wie beispielsweise Flußuferläufer, Tafel-, Löffel- und Reiherente, Flussregenpfeifer und Bekassine. Der in Rheinland Pfalz seltene Zwergtaucher zeigt sich als regelmäßiger Brutvogel am Rodder Maar.

Jetzt liegen neue Erkenntnisse vor.

Erstens: Bei der Fledermaus-Exkursion im August diesen Jahres wurde zusätzlich zu den bekannten Arten Großer Abendsegler, Zwerg-Fledermaus und Wasser-Fledermaus per Ultraschalldetektor auch die Fransen-Fledermaus ausgemacht.

Zweitens: Als Neufund unter den Amphibien ist die Geburtshelferkröte zu vermelden. Sie tritt an den kleineren vegetationsfreien Gewässern auf und siedelte sich am Rodder Maar an. Die Tiere rufen mit einem hellen, Glocken-ähnlichen Ton und werden daher auch als "Glockenfrosch" bezeichnet. Ihre einmalige Fortpflanzungsbiologie - die Männchen tragen die Eischnüre - gab der Art den Namen.

Drittens wurden zwei interessante Libellenarten festgestellt. Dabei handelt es sich um die Feuerlibelle, eine südländische Art, die sich derzeit nach Norden ausbreitet. Es ist das erste bekannte Vorkommen im Kreis Ahrweiler. - Erstmals am Maar entdeckt wurde außerdem die Pokal-Azurjungfer, eine ebenfalls wärmeliebende Art. Diese Art war im AW-Kreis bisher nur von den Kiesgruben im Raum Sinzig und Bad Breisig bekannt. Das Tier ist extrem abhängig von einer Wasserpflanzenvegetation und wie alle Libellenarten wanderfähig.

Vierte Neuentdeckung: Auf den mit Rindern beweideten trockenen Flächen am Gewässerufer wurde eine Reihe von Heuschreckenarten beobachtet, darunter seltene Spezies wie Weinhähnchen, Säbeldornschrecke und Große Goldschrecke.

Fünftens: In jüngster Zeit breitet sich im Uferbereich die Unterwasserpflanze Wasserpest (Elodea nutallii) stark aus. Sie kann zu einer schnelleren Verlandung des Gewässers führen. Technische Möglichkeiten zur Eindämmung der Art sind sehr kostenaufwendig und bringen, wie Erfahrungen von benachbarten Gewässern zeigen, keinen durchschlagenden Erfolg. Hier hilft sich die Natur selbst. Die Wasserpest steht nämlich bei einer Reihe von Wasservogelarten ganz oben auf dem Speiseplan. So konnten kürzlich über 80 Blässrallen beobachtet werden, die sich an der Pflanze gütlich taten.

Einige Appelle aus der Kreisverwaltung an die Bevölkerung: Für die Eindämmung der Wasserpest ist es sehr wichtig, dass die Vögel nicht gestört werden. Daher nochmals die dringender Bitte an die Besucher des Rodder Maars: Hunde an der Leine halten! Die Bereiche innerhalb der Umzäunung nicht betreten!

Unter der Schwimmblatt-Vegetation befinden sich auch gebietsfremde Arten wie Seekanne und Teichrose. Die Pflanzen wurden vermutlich von gut meinenden Gartenteichbesitzern ausgebracht. Diese Arten breiten sich stark aus und fördern die Verlandung des Gewässers. Die Kreisverwaltung bittet daher, Pflanzen und Tieren, auch wenn dies gut gemeint sei, nicht eigenständig auszubringen, sondern dies mit den Landespflegern im Kreishaus abzusprechen. Es sei strikt verboten, Pflanzen zu entnehmen.

Wellenschlag hat am aufgeschütteten Uferdamm Bodenmaterial abgetragen. Die entsprechende Sicherungsarbeiten sind bereits abgeschlossen. Ein Bagger hat den benötigen lehmigen Boden am Maar entnommen und am Damm aufgeschüttet. Damit entstand zugleich ein kleiner Tümpel, der nach dem Pflege- und Entwicklungsplan ohnehin vorgesehen ist. Die Finanzierung dieser Maßnahme hat das Mainzer Umweltministerium übernommen.



Hinweis:
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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 25.10.2001

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