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AW-Restmüll gelangt in mechanisch-biologische High-Tech-Anlage

Abfälle werden ab 2005 zur Trockenstabilat-Anlage nach Rennerod transportiert - Landrat: "Wir haben den ökonomisch und ökologisch besten Weg erreicht" - Auftragsvolumen von 46,5 Millionen Euro bis 2020 - Keine eigene Deponie

Die zentrale Frage nach der Zukunft der Abfallwirtschaft im Kreis Ahrweiler ist geklärt. Ab Juni 2005 wird der Restmüll aus dem AW-Land nach Rennerod im benachbarten Westerwaldkreis transportiert und dort nach dem so genannten mechanisch-biologischen Stabilisierungsverfahren in der Trockenstabilat-Anlage behandelt und verarbeitet.

Den entsprechenden Auftrag erhält die Firma Herhof Umwelttechnik GmbH aus Solms-Niederbiel. Das hat der Kreistag [am Freitag, 3. Mai 2002] mit überwältigender Mehrheit beschlossen. 30 Kreis-Parlamentarier stimmten für den entsprechenden Beschlussvorschlag des Abfallwirtschaftsbetriebs Kreis Ahrweiler (AWB), drei waren dagegen. Der Tagesordnungspunkt musste nach den gesetzlichen Vorschriften zum Schutz der Bieter in nicht-öffentlicher Sitzung beraten und beschlossen werden.

Herhof hatte von acht Bieterfirmen das günstigste Angebot abgegeben und geht damit als Sieger aus der EU-weiten Ausschreibung des AWB hervor. "Der heutige Beschluss des Kreistags stellt die Weichen für die wichtigste Entscheidung unserer Abfallwirtschaft für die nächsten Jahrzehnte", unterstrich Landrat Dr. Jürgen Pföhler den "enormen Stellenwert" des Beschlusses. Für Pföhler hat der Kreis jetzt "die wirtschaftlichste Lösung mit modernsten umwelttechnischen Standards" gefunden. Der Landrat wertete dies auch als "erfreuliches Signal für die Entwicklung unserer Abfallgebühren".

Die Laufzeit des Vertrags mit Herhof beträgt 15,5 Jahre und endet am 31. Dezember 2020. Das Unternehmen hat 105,80 Euro je Tonne als Gesamtpreis für Transport und Behandlung des Mülls angeboten. Bei einer angenommenen zu entsorgenden Restabfallmenge von 28.000 Tonnen aus dem Kreisgebiet ergibt dies einen Preis von knapp drei Millionen Euro pro Jahr und 46,5 Millionen Euro über die gesamte Vertragsdauer.

Zum Vergleich: Der Preisvorteil zum zweitgünstigsten Bieter liegt für die gesamte Vertragszeit bei mindestens zwei Millionen Euro - eine Differenz, die über die Höhe der Abfallgebühren hätte ausgeglichen werden müssen. Der teuerste Anbieter war mit rund 6,9 Millionen Euro jährlich und 107 Millionen Euro über die Gesamtlaufzeit mehr als doppelt so teuer wie Herhof-Umwelttechnik.

Die Entscheidung sei "strategisch durchdacht, seriös, professionell und transparent" vorbereitet worden, sagte der Landrat weiter. Es sei richtig gewesen, ein unabhängiges Beraterbüro einzuschalten und den Auftrag EU-weit auszuschreiben. Seriosität und Zuverlässigkeit der Anbieter seien somit überprüfbar, etwaige wirtschaftliche Betreiberrisiken durch eine hohe Bürgschaft von rund 2,3 Millionen Euro abgesichert. Dieses "saubere und korrekte Ausschreibungsverfahren" gewinne auch wegen der aktuellen Vorgänge um die Abfallwirtschaft in Nordrhein-Westfalen an Bedeutung.

Für die Entsorgungsunternehmen selbst habe ein fairer Wettbewerb bestanden. Mülltourismus entstehe nicht, weil die Transportleistung gleich mit ausgeschrieben worden sei. Und: Die ökologische Leistungsfähigkeit des Trockenstabilatverfahrens der Firma Herhof sei inzwischen vom Bundesumweltministerium und dem Bundesgesetzgeber gesetzlich anerkannt worden. Herhof betreibt solche Anlage derzeit neben Rennerod auch in Dresden, Aßlar (Hessen) und Venedig; weitere Anlagen unter anderem in Trier und Osnabrück befinden sich in Planung. Dr. Pföhler: "Damit haben wir auch das erklärte Ziel des ökonomisch und ökologisch besten Weges für den Kreis Ahrweiler erreicht."

Zur bundesweiten Gesetzeslage und dem daraus folgenden technischen Vorgehen: Am 1. Juni 2005 müssen Restabfälle nach den Vorschriften zur umweltverträglichen Ablagerung von Siedlungsabfällen und der bundesweiten Technischen Anleitung Siedlungsabfall (TASi) entsorgt werden. Ob dies im AW-Kreis auf einer eigenen Deponie geschieht, hatte der Kreistag bereits früher beantwortet: Nein, der Kreis baut keine eigene Deponie. Außerdem schreibt die TASi vor, dass sämtliche Abfälle vor der Ablagerung einem Vorbehandlungsverfahren zu unterziehen sind, so dass dann eine Deponierung im herkömmlichen Sinn ohnehin nicht mehr zulässig ist.

In dem vollautomatischen Verfahren wird der Restmüll mehrere Tage in so genannten Rotteboxen getrocknet, anschließend zerkleinert und von Metallen, Batterien, Kunststoffen, Keramik und Porzellan, die sich trotz getrennter Entsorgungssysteme vereinzelt im Restmüll befinden, befreit. In den Stahlbehältern fressen Mikroorganismen die organischen Bestandteile auf. Übrig bleibt etwa die Hälfte des ursprünglichen Mülls, nämlich eine staubtrockene Mischung aus Plastik, Papier, Textilien, Holz und biologischem Material.

Dieses Trockenstabilat hat einen der Braunkohle vergleichbaren hohen Brennwert. Abnehmer sind beispielsweise Heizkraftwerke und die Zementindustrie, in denen das Stabilat als Brennstoff eingesetzt wird. Außerdem kann das Stabilat zur Herstellung von Methanol verwendet werden.

Der im AW-Kreis anfallende Haus-, Gewerbe- und Sperrmüll wird ab 2005 von den Umladestationen "Auf dem Scheid" bei Niederzissen und Leimbach bei Adenau nach Rennerod transportiert. Nicht zur Trockenstabilat-Anlage gelangen Leichtverpackungen mit dem Grünen Punkt, die über die gelbe Wertstofftonne verwertet werden, sowie Problemabfälle, Altpapier, Altglas, Biomüll, Grünabfälle, Korken, Altkleider und Elektroschrott, für die im Kreis Ahrweiler getrennte Entsorgungswege angeboten werden.


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 06.05.2002

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