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„Wir müssen uns rechtzeitig für die Zeit nach 2004 positionieren"

Der Kreis Ahrweiler erhält weitere 10,2 Millionen Euro – Finanzierung des Arp-Museums unter Dach und Fach – Landrat Dr. Jürgen Pföhler zieht eine Bilanz des Bonn-Berlin-Ausgleichs

Rund zweieinhalb Jahre vor dem Auslaufen der Bonn-Berlin-Ausgleichsvereinbarungen steht der Kreis Ahrweiler auf gesunden Füßen. „Wir sind bei der Bewältigung des Strukturwandels ein gutes Stück vorangekommen“, erklärte Landrat Dr. Jürgen Pföhler auf einer Bilanz-Pressekonferenz in Bonn. Dennoch müsse der AW-Kreis als Teil der Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler „auch in Zukunft auf innovative Wirtschaftsbranchen bauen“, sagte Pföhler.

Der Bund habe „Verlässlichkeit gezeigt und Wort gehalten“, richtete der Ahrweiler Landrat einen ausdrücklichen Dank an den für die Bonn-Berlin-Ausgleichsmittel federführenden Bundesbauminister Kurt Bodewig, der an der Pressekonferenz ebenso teilnahm wie die Ministerpräsidenten der Länder Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, Kurt Beck und Wolfgang Clement, sowie die Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann und der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, Frithjof Kühn.

Anlass für die große Presserunde an historischer Stätte in der Bonner Bundespressekonferenz: Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hatte grünes Licht für die jüngsten Beschlüsse des Koordinierungsausschusses für den Bonn-Berlin-Ausgleich gegeben. Somit fließen weitere 117 Millionen Euro in die Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler. Der Kreis Ahrweiler als kleinster Partner erhält weitere 10,2 Millionen Euro. Damit flossen seit 1994 rund 263 Millionen Mark (134,5 Mio Eu-ro) in den Kreis Ahrweiler.

Mit einem regionalen Kooperationsvertrag die Kräfte bündeln

Pföhlers Blick richtete sich in die Zukunft: „Die Gesamtregion muss an einem Strang ziehen, weil wir gemeinsame Stärken haben und aufeinander angewiesen sind. Dazu zählt für mich eine schlagkräftige Wirtschaftsförderung, damit wir die Zukunftsfähigkeit der Region sichern. Sonst wird man uns später vorwerfen, die Chancen der Region verspielt zu haben.“

Der AW-Landrat weiter: „Außerdem müssen wir uns für die Zeit nach 2004 positionieren, und zwar rechtzeitig.“ Ein regionaler Kooperationsvertrag könne die regionalen Kräfte auch nach Auslaufen des Bonn-Berlin-Ausgleichs bündeln. Die Ländergrenze zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen dürfe gerade nach dem Auslau-fen der Ausgleichsvereinbarung kein Hindernis sein. In einem Europa der zusammenwachsenden Regionen und im Zeitalter der Globalisierung müsse die Ausgleichsregion noch stärker als in der Vergangenheit zusammenarbeiten, um im immer härter werdenden Standortwettbewerb der Regionen ihre Stärke herauszustellen. Dies gilt für Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Fremdenverkehr. Dr. Pföhler: „Nur so werden wir überhaupt von ausländischen Investoren wahrgenommen.“ Deshalb setze er sich auch für eine Neuausrichtung der Strukturförderungsgesellschaft Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler (SFG) über 2004 hinaus ein.

Als „viel versprechende Ansätze“ nannte Dr. Pföhler auch die Durchbindung der Ahrtalbahn bis Bonn, eine mögliche Anbindung an den Flughafen Köln/Bonn, die Zusammenarbeit der Fachhochschulen Remagen mit der FH Rhein-Sieg und der Uni Bonn, den Zusammenschluss in der Regio Rheinland sowie gemeinsame Projekte wie das Einzelhandels- und Zentrenkonzept, die Wohnungsmarktuntersuchung und Internet-Aktivitäten.

Außer Arp-Museum alle AW-Ausgleichsprojekte
abgeschlossen oder finanziert

Die jetzt anstehenden restlichen Ausgleichsgelder verteilt der Bund, weil diese Mittel nicht in andere Projekte der Region abflossen. Dr. Pföhler: "Bei uns sind außer dem Arp-Museum in Remagen-Rolandseck alle Ausgleichsprojekte entweder bereits abgeschlossen oder deren Finanzierung steht. Daher können wir uns jetzt voll und ganz auf die Renovierung des Bahnhofs Rolandseck und den Neubau des Arp-Museums das nach Plänen des amerikanischen Stararchitekten Richard Meier konzentrieren. Dies wird ein Projekt von Weltklasse-Format, das in seiner Bedeutung dem Nürburgring in nichts nachstehen wird."

Die Finanzierung des Neubaus des Arp-Museums sei unter Dach und Fach. Mit den neuen Bundesmitteln erhöhe sich der Förderbetrag des Bundes von bisher 6,6 Mio Euro (13 Mio DM) um 7,72 Mio Euro auf jetzt 14,32 Mio Euro (28 Mio DM).

So sieht die Finanzierung des Arp-Museum aus: Neubau Museumsgebäude: 41,0 Mio DM (20,96 Mio Euro) Ausbau Bahnhofsgebäude: 11,3 Mio DM (5,78 Mio Euro). Von diesen Gesamtkosten übernimmt das Land Rheinland-Pfalz 24,3 Mio DM (12,42 Mio Euro) sowie Planungskosten des Architekten und Vorlaufkosten (3,5 Mio DM (1,79 Mio Euro).

Außerdem habe sich das Land Rheinland-Pfalz verpflichtet, die laufende Finanzierung des Betriebes sicherzustellen. Pföhler sprach erneut von einer "großartigen Gemeinschaftsleistung, mit der wir das ambitionierteste Kulturprojekt in Rheinland-Pfalz auf den Weg bringen“. Der Ahrweiler Landrat dankte ausdrücklich der Landes-regierung und namentlich Ministerpräsident Kurt Beck, der auch persönlich Wort gehalten habe.

Neben dem Arp-Museum nannte Pföhler weitere Ausgleichsprojekte, deren Finanzierung gesichert sei und die derzeit umgesetzt würden: Für das Innovations- und Gründerzentrum Sinzig (IGZ) sei mit Professorin Dr. Birgit Baum eine „hochkompetente Geschäftsführerin“ gefunden worden. In der zweiten Jahreshälfte 2003 sollen die Unternehmen im IGZ starten können. Bis dahin solle das Gebäude betriebsbereit sein und die Vermarktung auf vollen Touren laufen. Das IGZ (Gesamtkosten rund vier Millionen Euro) soll Jungunternehmer der Branchen Pharmazie, Medizintechnik, Lebensmittelchemie und Kosmetik beherbergen. Dafür stehen dann acht vermietbare Laboreinheiten zur Verfügung. Haben die Jungunternehmer mit ihren Produkten Erfolg, können sie in den Technologiepark Grafschaft übersiedeln.

Bei diesem Technologiepark Grafschaft (TP) seien die Bauarbeiten im Gange. Der erste, rund 3,5 Millionen teure Bauabschnitt der Autobahnanbindung des TP an die A61 solle in Kürze fertig sein. Nach derzeitiger Planung soll der größte Teil der Erschließung Ende 2003 abgeschlossen sein. Die direkte Autobahnanbindung und die günstige Lage in unmittelbarer Nähe zur Bundesstadt Bonn mache den TP auch in-teressant für externe Unternehmen. "Wir wollen dort echte Boom-Branchen für die Zukunft ansiedeln", freut sich Landrat Pföhler über Betriebe unter anderem aus der Medizintechnik. Die Gesamtkosten des Technologieparks liegen bei rund elf Millionen Euro.

Die FH Remagen als entscheidender Impulsgeber

Das „Flaggschiff des Strukturwandels" sei und bleibe die Fachhochschule RheinAhrCampus in Remagen. Die Zielzahl von 1.000 eingeschriebenen Studierenden sei bereits überschritten. Vor allem wegen der Studiengänge Medizintechnik, Gesundheits- und Sozialwirtschaft stelle die FH zugleich einen entscheidenden Impulsgeber für das Pilotprojekt Gesundheits- und Fitnessregion dar. Der RheinAhrCampus habe sich mit seinem hohen Niveau in der Wissenschaftslandschaft bereits fest etabliert und sorge für den Wissenstransfer in die Wirtschaft zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen.

Die tragende Säule des Wissenschaftsstandortes Kreis Ahrweiler sei das „Technologische Kleeblatt“. Dazu zähle neben der FH das IGZ Sinzig, der Technologiepark Grafschaft und die Europäische Akademie für Technikfolgenabschätzung in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Ergänzt werde dieses Kleeblatt durch die Forschungsvereinigung der Arzneimittel-Hersteller in Verbindung mit dem Zentralinstitut Arzneimittelfor-schung in Sinzig.

Die Pilotphase des Projekts ´Gesundheits- und Fitnessregion´ sei erfolgreich abgeschlossen. Das Nachfolgeprojekt unter der gleichen Bezeichnung werde vom Bund ebenfalls gefördert. Der neue Schwerpunkt – federführend angesiedelt bei der Tourismus und Service GmbH Ahr Rhein Eifel, Bad Neuenahr-Ahrweiler (TSG) – liege jetzt im Marketing. Der gesamte Marketingetat der TSG stehe unter der Zielsetzung ´WohlSein365´. Er werde dafür eingesetzt, mit attraktiven Angeboten wie der ´Sinfonie der Sinne´ neue Gäste und Touristen für den AW-Kreis zu gewinnen. Die touristische Infrastruktur sowie die zahlreichen Einrichtungen des Kur- und Gesundheitswesens seien für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt im AW-Kreis lebenswichtig, unterstrich Pföhler.

Der Bund habe für die Gesamtregion Bonn insgesamt 2,81 Milliarden Mark an Ausgleichsmitteln vorgesehen, die sich in sechs Blöcke unterteilten: Wissenschaft, Kultur, Wirtschaftsstruktur, Verkehr, Soforthilfe und Grundstücke. Der damalige Landrat Joachim Weiler habe die Grundzüge des Vertrags mit ausgehandelt, erinnerte Dr. Pföhler an „die großen Verdienste“ seines Amtsvorgängers.

Eine Übersicht zu den Ausgleichsprojekten und den entsprechenden Bundesmitteln für den AW-Kreis:
? RheinAhrCampus Remagen: 185 Millionen Mark;
? Gewerbegebiete: Erwerb, Planung, Erschließung der Projekte in Remagen-Süd, Sinzig (Rheinallee/Sandkaulerweg), Grafschaft-Gelsdorf, Kempenich, Spessart, Bad Breisig (Vorm Seifental) für 29,5 Mio Mark; das wichtigste, noch ausstehende Projekt hier: der Techologiepark Grafschaft;
? Arp-Museum: allein 28 Mio Mark Bundesmittel;
? Pilotprojekt "Gesundheits-und Fitnessregion": 710.000 Mark; Dienstleistungszentrum "Gesundheit und Fitness": 2,3 Mio Mark;
? Innovations- und Gründerzentrum Sinzig: 4,5 Mio Mark;
? Anteilig für Marktanalysen, Maßnahmen der Wirtschaftsförderung und der SFG sowie sonstige gemeinsame Projekte der Region: 13 Mio Mark.

„Nicht ohne Schrammen überstanden“

Auch der Kreis Ahrweiler habe die 1991 "emotional gefällte Bundestagsentscheidung nicht ohne Schrammen überstanden“. Als ein Indiz führte der AW-Landrat die Arbeitslosenquote an, die im Kreis zum Jahresende 1991 bei knapp fünf Prozent und derzeit bei rund 6,3 Prozent liege. „Zum Glück liegen wir damit aber immer noch deutlich unter dem Landes- und vor allem unter dem Bundesdurchschnitt", so der Landrat.

Anfang der 90er Jahre galt mindestens ein Viertel der 46.000 Beschäftigten im AW-Kreis als vom Umzug betroffen; neben den Beschäftigten der Bundes- und Landeseinrichtungen waren darin auch diejenigen aus Botschaften, Verbänden oder betroffenen Handwerksbetrieben eingerechnet. Pföhler: "Der befürchtete Einbruch wurde aber gottseidank verhindert." Im Gegenteil: Betrachte man die Bevölkerungsentwicklung, dann sei klar, „dass der Kreis Ahrweiler sehr attraktiv ist und absolut gesund dasteht“. Der Kreis verbuche seit 1991 (rund 117.000 Einwohner) einen Zuwachs um 13.000 auf derzeit rund 130.000 Menschen. Das bedeute in zehn Jahren einen Nettozuwachs, der in der Größenordnung der gesamten Verbandsgemeinde mit der Stadt Bad Breisig liege.

Ausgleichsprojekte und Mittelstand
sichern und schaffen Arbeitsplätze

Die Ausgleichsprojekte haben nach den Worten Pföhlers maßgeblich dazu beigetragen, Arbeitsplätze im Kreis Ahrweiler zu schaffen und zu sichern. So sei die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, also der Arbeitnehmer, von Juni 1991 (27.695) bis Juni 2001 (28.622) um 927 oder 3,3 Prozent gestiegen. „Darüber hinaus haben wir die Chance, uns mit anderen innovativen Ideen und Projekten als namhaften Standort der Medizintechnik in Rheinland-Pfalz zu etablieren."

Das traditionelle Rückgrat bilde aber nach wie vor der Mittelstand mit seinem gesunden Branchenmix, der den überwiegenden Teil aller Arbeitsplätze schaffe, hob Dr. Pföhler hervor. "Dadurch können konjunkturelle Schwankungen besser aufgefangen werden, als wenn wir von Monopol- oder Großindustriestrukturen abhängig wären." Mit Blick auf Ausbildungs- und Arbeitsplätze sowie die heimische Wirtschaftskraft von morgen müssten die mittelständischen Unternehmen daher nachhaltig unterstützt werden. Auch ohne Bonn-Berlin-Ausgleichsgelder.


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 11.07.2002

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