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Wenn es auf der Seele brennt

Die Notfallseelsorge ergĂ€nzt das Rettungssystem im AW-Kreis – Hilfe fĂŒr die Psyche von Verletzten, Opfern und Angehörigen

„In Extremsituationen brauchen Opfer und deren Angehörige, aber oftmals auch die RettungskrĂ€fte selbst RĂŒckhalt.“ Landrat Dr. JĂŒrgen Pföhler sagt dies mit Blick auf 24 Frauen und MĂ€nner, Pastöre und Gemeindereferenten aus den beiden großen christlichen Konfessionen, die seit September vergangenen Jahres in einem Spezialgebiet im Einsatz sind: als Notfallseelsorger im Kreis Ahrweiler.

Diese Geistlichen sind es, die fĂŒr den „RĂŒckhalt in Extremsituationen“ sorgen sollen. Rund 20 mal waren sie bei UnfĂ€llen draußen, haben RettungskrĂ€fte psychologisch unterstĂŒtzt, haben Hausbesuche abgestattet und die Angehörigen der Opfer und Verstorbenen betreut, auch nach dem Tod von Kindern und SĂ€uglingen oder einem Selbstmord.

Jetzt traf sich der Landrat mit den Geistlichen aus der katholischen und der evangelischen Kirche. Dass Pföhler den seelischen Helfern eigene Einsatzjacken aushĂ€ndigte, war der Ă€ußere Anlass fĂŒr eine Unterredung, die sich mehr mit dem Innen- und Seelenleben von Menschen zu befassen hatte. Die neuen Jacken in leuchtendem Gelb jedenfalls kennzeichnen ihre TrĂ€ger auch bei nĂ€chtlichen KatastrophenschutzeinsĂ€tzen.

Welcher Kerngedanke verbirgt sich hinter der Notfallseelsorge? Neben körperlichen oder materiellen SchĂ€den verursachen UnglĂŒcksfĂ€lle und Katastrophen auch SchĂ€den, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. Doch HausbrĂ€nde, StraßenunfĂ€lle und TodesfĂ€lle brennen sich in die Psyche einzelner Menschen ein. Betroffene tragen die seelischen Narben oft jahrelang mit und in sich. Aus diesem Grund sei das Rettungswesen im Kreis Ahrweiler erweitert und die Notfallseelsorge eingerichtet worden, so Pföhler.

Das Rettungssystem im Kreis Ahrweiler funktioniere ausgezeichnet, bekrĂ€ftigte der Landrat nochmals. Dies gelte fĂŒr die Arbeit der Rettungsdienste, NotĂ€rzte, Polizei, Feuerwehren und anderer Katastrophenschutz-Einheiten, die rund um die Uhr fĂŒr die Allgemeinheit zur VerfĂŒgung stĂŒnden. „Die Notfallseelsorge ergĂ€nzt dieses System aber um ein wichtiges, ein menschliches Element.“ Dr. Pföhler nutzte das GesprĂ€ch mit den Geistlichen auch, um einen ausdrĂŒcklichen Dank auszusprechen: „Mir ist bewusst, dass Sie diesen Dienst trotz all ihrer sonstigen Aufgaben ĂŒbernehmen – und zwar ehrenamtlich und uneigennĂŒtzig. Ein solches Engagement kann man gar nicht genug wĂŒrdigen“.

Vier Personen bilden das Organisationsteam „Notfallseelsorge im Kreis Ahrweiler“: Gemeindereferentin Ingrid Falke aus Bad Breisig, Pastoralreferent Wolfgang Henn aus Remagen-Kripp, Pfarrer Johannes Mann aus Adenau und der Regionalassistent der Region Rhein-Mosel-Ahr im Bistum Trier, Uwe Sengelhoff aus Mayen. Zugeordnet ist dieses Team, wie das gesamte Rettungswesen, der Kreisverwaltung Ahrweiler, genauer gesagt dem dortigen Sachgebiet „Brand-, Katastrophen- und Zivilschutz“.

Unter den „Aufgaben der Notfallseelsorge“ heißt es in der entsprechenden Organisationsregelung fĂŒr den AW-Kreis, die neben Landrat Pföhler auch Superintendent Klaus Schneidewind fĂŒr die Evangelische und Regionaldechant Helmut Schmidt fĂŒr die Katholische Kirche unterzeichnet haben: Notfallseelsorge sei „Erste Hilfe fĂŒr die Seele“ in NotfĂ€llen und Krisensituationen. Als mögliche konkrete TĂ€tigkeiten vor Ort werden genannt: die Begleitung von Verletzten wĂ€hrend der Rettungsmaßnahmen und in Wartezeiten, die Begleitung von unverletzten Beteiligten sowie von Angehörigen der Unfallbeteiligten und das Überbringen von Todesnachrichten gemeinsam mit der Polizei.

Die Einsatzleitung alarmiert die Seelsorger nach eigener Entscheidung. Konkret werden in der Organisationsregelung schwere VerkehrsunfĂ€lle mit PersonenschĂ€den genannt, UnfĂ€lle mit dem Tod von Kindern und Jugendlichen, erfolglose Reanimationen, Suizide und SuizidgefĂ€hrdungen, GewalttĂ€tigkeiten oder der Verlust der Lebensgrundlage, etwa durch BrĂ€nde oder Explosionen. Aber, so der Landrat gegenĂŒber den Notfallseelsorgern: „Wir hoffen natĂŒrlich alle, dass Ihr Einsatz so selten wie möglich erforderlich ist.“

Hinweis an die Zeitungen: Zu diesem Artikel erhalten Sie ein Foto. Bildunterzeile:
Erste Hilfe fĂŒr die Seele und neue Einsatzjacken: Landrat Dr. JĂŒrgen Pföhler und Regionalassistent Uwe Sengelhoff (Mitte v.l.) mit den Notfallseelsorgern; links der stellvertretende Kreisfeuerwehrinspekteur Udo Schumacher.


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 25.07.2002

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