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Der Vertrag zur Abfallentsorgung bis 2020 ist in trockenen Tüchern

Landrat Dr. Pföhler und Herhof-Geschäftsführer unterzeichneten Kontrakt – Auftragsvolumen 46,5 Millionen Euro – Trockenstabilat-Anlage im Westerwald statt eigener Deponie

Der Vertrag, der die Zukunft der Abfallentsorgung im Kreis Ahrweiler für die Jahre 2005 bis 2020 regelt, ist unterschrieben. Landrat Dr. Jürgen Pföhler und die beiden Geschäftsführer der Firma Herhof Umwelttechnik GmbH aus Solms-Niederbiel (Hessen), Hermann Hofmann und Herbert Girg, unterzeichneten den Kontrakt jetzt im Ahrweiler Kreishaus.

„Damit ist ein historischer Schritt in der Abfallwirtschaft des Kreises Ahrweiler besiegelt“, unterstrich Dr. Pföhler den „enormen Stellenwert dieses Vertragswerkes“, hinter dem sich ein Auftragsvolumen von 46,5 Millionen Euro verbirgt. Maßgeblich sei auch, dass der Kreis Ahrweiler keine eigene Deponie in unmittelbarer Nähe des Abfallwirtschaftszentrums „Auf dem Scheid“ bei Niederzissen bauen werde. Die Option zum Bau einer eigenen Deponie hatte sich der Kreistag bis Juni 2001 offen gelassen.

Ab Juni 2005 wird der Restmüll aus dem AW-Land nach Rennerod im benachbarten Westerwaldkreis transportiert und dort nach dem so genannten mechanisch-biologischen Stabilisierungsverfahren in der Trockenstabilat-Anlage behandelt und verarbeitet. Die entsprechende Auftragsvergabe an die Firma Herhof hatte der Kreistag des AW-Kreises im Sommer dieses Jahres mit überwältigender Mehrheit beschlossen. 30 Kreis-Parlamentarier stimmten für den entsprechenden Beschlussvorschlag des Abfallwirtschaftsbetriebs Kreis Ahrweiler (AWB), drei waren dagegen. Herhof hatte von acht Bieterfirmen das günstigste Angebot abgegeben und war damit als Sieger aus der EU-weiten Ausschreibung des AWB hervorgegangen.

Bei der Vertragsunterzeichnung hat die Firma Herhof zudem eine Vertragserfüllungsbürgschaft von 2,3 Millionen Euro zugunsten des Kreises Ahrweiler vorgelegt. Diese Bürgschaft dient als Sicherheit für die Erfüllung sämtlicher Verpflichtungen aus dem Vertrag.

Das Trockenstabilat-Verfahren sei wissenschaftlich fundiert und technisch ausgereift, die Firma Herhof ein international renommiertes Unternehmen, sagte Dr. Pföhler bei der Vertragsunterzeichnung. Die ökologische Leistungsfähigkeit des Trockenstabilatverfahrens der Firma Herhof sei vom Bundesumweltministerium und dem Bundesgesetzgeber gesetzlich anerkannt worden. Außerdem sei der hessische Unternehmer Hermann Hofmann für die Entwicklung des Trockenstabilat-Verfahrens mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden, erinnerte der Landrat.

Vor einigen Wochen habe der Kreistag „die Weichen für die wichtigste Entscheidung unserer Abfallwirtschaft in den nächsten Jahrzehnten gestellt", meinte Dr. Pföhler weiter. Im Herhof-Verfahren sieht der Landrat "die wirtschaftlichste Lösung mit den modernsten umwelttechnischen Standards."

Die Laufzeit des Vertrags mit Herhof beträgt 15,5 Jahre und endet am 31. Dezember 2020. Am 1. Juni 2005 müssen Restabfälle nach den Vorschriften zur umweltverträglichen Ablagerung von Siedlungsabfällen und der bundesweiten Technischen Anleitung Siedlungsabfall (TASi) entsorgt werden. Diese schreibt vor, dass sämtliche Abfälle vor der Ablagerung einem Vorbehandlungsverfahren zu unterziehen sind, so dass dann eine Deponierung im herkömmlichen Sinn ohnehin nicht mehr zulässig ist.

In dem vollautomatischen Trockenstabilat-Verfahren wird der Restmüll mehrere Tage in so genannten Rotteboxen getrocknet, anschließend zerkleinert und von Metallen, Batterien, Kunststoffen, Keramik und Porzellan befreit, die sich trotz getrennter Entsorgungssysteme vereinzelt im Restmüll befinden. In den Stahlbehältern fressen Mikroorganismen die organischen Bestandteile auf. Übrig bleibt etwa die Hälfte des ursprünglichen Mülls, nämlich eine staubtrockene Mischung aus Plastik, Papier, Textilien, Holz und biologischem Material. Dieses Trockenstabilat hat einen der Braunkohle vergleichbaren hohen Brennwert. Abnehmer sind beispielsweise Heizkraftwerke und die Zementindustrie, in denen das Stabilat als Brennstoff eingesetzt wird. Außerdem kann das Stabilat zur Herstellung von Methanol verwendet werden.

Der im AW-Kreis anfallende Haus-, Gewerbe- und Sperrmüll wird ab 2005 von den Umladestationen "Auf dem Scheid" bei Niederzissen und Leimbach bei Adenau nach Rennerod transportiert. Nicht zur Trockenstabilat-Anlage gelangen Leichtverpackungen mit dem Grünen Punkt, die über die gelbe Wertstofftonne verwertet werden, sowie Problemabfälle, Altpapier, Altglas, Biomüll, Grünabfälle, Korken, Altkleider und Elektroschrott, für die im Kreis Ahrweiler getrennte Entsorgungswege angeboten werden.


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 26.09.2002

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