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Die Einkommen der Obstbauern sollen nicht verhageln

Landrat Dr. Pföhler auf Rundreise in Sachen Landwirtschaft und Weinbau – Folien, Netze und das Landespflegegesetz – Polnische Aushilfskräfte benötigt

Über aktuelle Probleme und Perspektiven der Landwirtschaft informierte sich Landrat Dr. Jürgen Pföhler jetzt bei einer ganztägigen Rundreise zu Betrieben im Kreis Ahrweiler. Im Mittelpunkt der Betriebsbesichtigungen, zu der Pföhler vom Bauern- und Winzerverband eingeladen wurde, standen die Zulässigkeit von Überdachungen in Obstbaubetrieben, die Bedeutung polnischer Aushilfskräfte sowie die landwirtschaftliche Selbstvermarktung als zusätzliches wirtschaftliches Standbein der Bauern.

Eine „vernünftige Lösung“ wurde nach den Worten des Landrats, der sich auch in Zukunft für die Belange der Bauern und Winzer einsetzen möchte, beim Sonderproblem der Kulturschutzein-richtungen in Obstbaubetrieben gefunden. Um ihre Kulturen wie Himbeeren oder Süßkirchen vor Hagel, übermäßigem Regen und Vögeln zu schützen und marktfähige Produkte zu ernten, brin-gen Obstbauern verstärkt Folien und Netze an. Diesen Trend galt es mit dem Landespflegege-setz in Einklang zu bringen.

Am Beispiel des Obsthofes Bruno Müller in Grafschaft-Oeverich, einem von vier Betrieben, die der Landrat mit den Agrar-Experten besuchte, wurden diese Schutzmaßnahmen erörtert. Im Vorfeld hatte die Kreisverwaltung gemeinsam mit der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt Bad Neuenahr-Ahrweiler (SLVA) eine Regelung gefunden. Wenn nämlich der Betrieb bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt, wird dies der guten fachlichen Praxis zugeordnet und erlaubt.

Die wesentlichen Eckpunkte: Vogelschutznetze und Schutzfolien dürfen nur zeitlich begrenzt vor der Ernte und an einzelnen Betriebsflächen angebracht werden. Tragende Teile der Konstruktio-nen müssen aus Material bestehen, das sich farblich der Landschaft anpasst. Dr. Pföhler: „Sol-che modernen Anbautechniken ermöglichen es, einerseits Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft weitgehend zu vermeiden und andererseits Ernteschäden vorzubeugen und damit die Gefahr von Einkommensverlusten der Obstbauern zu reduzieren“. Bruno Müller, der seine Him-beeren bis nach Saudi-Arabien vermarktet, zeigte sich mit der gefundenen Lösung zufrieden.

Außerdem stellte Müller die Bedeutung polnischer Aushilfskräfte im Obstanbau heraus. Derzeit seien rund 60 Personen – überwiegend Frauen aus Polen – auf seinem Margaretenhof in Oeve-rich beschäftigt. Für die Mitglieder der Landwirtschafts-Rundreise bestätigte sich damit die Erfah-rung, die auch aus dem Weinbau bekannt ist: dass nämlich für solche Tätigkeiten keine oder kaum Kräfte auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu finden sind.

Begleitet wurde der Landrat von Hans Boes als Vorsitzendem des Kreis-Bauern- und Winzerver-bandes Ahrweiler, seinem Stellvertreter Ernst Bender und Horst Gies als Geschäftsführer, Di-rektor Wolfgang Frisch und Hans-Josef Weber von der SLVA sowie Mitarbeitern der Kreisver-waltung Ahrweiler. „Wichtige Standbeine für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum“ sah Pföhler in zwei Betrieben in der Verbandsgemeinde Adenau. Der private Landhandel von Ewald Gillig in Antweiler verkauft landwirtschaftliche Hilfsgüter wie Dünge- oder Futtermittel an die Bau-ern und vermarktet umgekehrt deren Produkte.

In Müsch betreibt der Landwirt Heinz-Josef Leif eine Wildsammelstelle sowie demnächst eine Metzgerei und als landwirtschaftlicher Selbstvermarkter einen Hofladen. Die Kreisverwaltung hat diese Wildsammelstelle im Rahmen der Schweinepestbekämpfung als eine von dreien im Kreis-gebiet gemietet; die beiden anderen befinden sich in Hochacht und Bad Bodendorf. In den dorti-gen Kühlhäusern müssen Jäger das erlegte Schwarzwild zwischenlagern und auf Schweinepest untersuchen lassen. „Jedes erlegte Stück Schwarzwild aus dem Kreis Ahrweiler wird eingehend untersucht, bevor es zum Vermarkten freigegeben wird“, betonte der Leiter des Kreis-Veterinäramtes, Dr. Otto Gaudlitz.

Zurück in der Kreisstadt, stellte Ernst Bender als Präsident des Weinbauverbandes den Reisen-den in Sachen Landwirtschaft und Weinbau das erweiterte und renovierte Lagergebäude der Ahr-Winzer eG in Bad Neuenahr-Ahrweiler vor. Dort verfügt die Vereinigte Ahrwinzer eG über eine Lagerkapazität von 1,1 Millionen Litern. Abgerundet wurde der Tag mit einer Probe exklusiver Rotweine aus dem Sortiment der Ahrwinzer, die Bender seinen Gästen kredenzte.

Hinweis an die Zeitungen: Zu diesem Artikel erhalten Sie ein Foto. Bildunterzeile:
Durch den Kreis tourte Landrat Dr. Jürgen Pföhler (2.v.l.), um sich aus erster Hand über Fragen der Landwirtschaft zu informieren. Mit dabei unter anderem: Horst Gies (l.), Obstbauer Bruno Müller (4. v.l.) mit Gattin und daneben v.l. Wolfgang Frisch, Hans Boes, Dr. Otto Gaudlitz, Hans-Josef Weber und Ernst Bender.


Hinweis:
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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 10.10.2002

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