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Dorferneuerung, Einzelhandelskonzept, Ökokonto und Biogas-Anlagen

Dem ländlichen Raum Chancen bieten – Landrat lud Bürgermeister zu Dienstbesprechung ein – Margret Birnfeld referierte

„Welche Zukunftsperspektiven hat unser ländlicher Raum?“ Diese Frage stellte Landrat Dr. Jürgen Pföhler in den Mittelpunkt der jüngsten Dienstbesprechung mit den haupt- und ehrenamtlichen Bürgermeistern im Kreis Ahrweiler. In Referaten und Diskussionsbeiträgen kamen neue wirtschaftliche Standbeine der Landwirtschaft, der regionale Einzelhandel, die Dorferneuerung, das Ökokonto und Erneuerbare Energien zur Sprache.

„Chefsache“ seien die Arbeitsbereiche Dorferneuerung und ländlicher Raum in der Kreisverwaltung Ahrweiler, sagte der Landrat gegenüber den Ortsbürgermeistern, die seiner Einladung nach Dümpelfeld gefolgt waren. Um entsprechende Projekte in die Tat umsetzen zu können, sei mit der Diplom-Geografin Margret Birnfeld eigens eine neue Fachkraft im Kreishaus eingestellt worden.

Die Zukunft des ländlichen Raumes sei eine „Dauer- und eine Gemeinschaftsaufgabe von Gemeinden, Verbandsgemeinden, dem Kreis sowie den Bürgerinnen und Bürgern“, unterstrich Pföhler und ergänzte: „Nur wenn sich die Menschen mit ihrer Region identifizieren und ihre Kreativität einbringen, lassen sich Konzepte und Maßnahmen erfolgreich umsetzen.“

Solche Konzepte wurden anschließend vorgestellt. Die Versorgung des ländlichen Raumes mit Einkaufsmöglichkeiten erläuterte Dr. Christoph von Rothkirch aus Düsseldorf. Er beschrieb unter anderem den Trend zur Konzentration des Einzelhandels auf immer weniger, aber größere Geschäfte, die oftmals an „nicht integrierten Standorten“, sprich außerhalb der Dorf- und Stadtkerne, entstünden. Im Einzelnen stellte Rothkirch das von seinem Unternehmen erarbeitete regionale Einzelhandels- und Zentrenkonzept für die Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler mit Blick auf den ländlichen Raum vor.

Aus einem anderen Blickwinkel leuchtete Margret Birnfeld den ländlichen Raum aus. Im Mittelpunkt ihrer Ausführungen: das Ökokonto. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Form der Flächenbevorratung für den Ausgleich von Eingriffen im Rahmen der Bauleitplanung. Konkret: Wenn eine Kommune ein neues Bebauungsgebiet ausweisen möchte, muss sie im Sinne des Natur- und Landschaftsschutzes Ausgleichsflächen schaffen.

Die Kreisverwaltung beabsichtigt jetzt, gemeinsam mit den Städten und Verbandsgemeinden, dem Kulturamt Mayen und dem Landespflegebeirat ein kreisweites Ökokonto zu erstellen. Dabei werden Flächen nach landespflegerischen Grundsätzen entwickelt, so dass sie eine ökologische Aufwertung erfahren. Die so erwirtschaftete Punktezahl wird auf eben diesem Ökokonto gutgeschrieben und bei Bedarf, wenn etwa ein Eingriff durch Bebauung erfolgt, entsprechend „verbucht“.

Birnfeld, die sich in ihrem Studium auf die Schwerpunkte Ökologie und Umwelt konzentrierte, nannte vier wesentliche Vorteile dieses Ökokontos.
Erstens: Die Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigten sich, weil Ausgleichsflächen nicht erst mühsam gesucht werden müssten; somit sei das Ökokonto auch ein Instrument der Wirtschaftsförderung, das die Ansiedlung von Unternehmen erleichtere.
Zweitens: Die zeitliche Entzerrung erweitere den Handlungsspielraum der Gemeinden beim Erwerb der Flächen. Die Verhandlungen über Nutzung oder Ankauf von Flächen könnten ohne Zeitdruck ablaufen.
Drittens: Bei einer großflächigen Konzeption für das gesamte Kreisgebiet – im Gegensatz zu einer Konzeption für einzelne Gemeinden – sei es möglich, einen Austausch zwischen den Gemeinden zu erzielen und die Fortentwicklung der Wirtschaft zu steuern.
Viertens: Als Maßnahmenträger des Ökokontos biete sich eine Einkommensalternative für die Landwirtschaft an. Träger könnten aber auch Vereine oder Verbände sein. Das Ökokonto solle auch bewirken, dass die Kulturlandschaft als Magnet für den Tourismus erhalten und gepflegt werde.

Für die Gemeinden ergeben sich die folgenden Aufgabenstellungen: Zum ersten müssen die Flächen gemeinsam mit der Kreisverwaltung ermittelt werden. Zum zweiten geht es um den Erwerb oder die langfristige Pacht der Flächen. Zum dritten müssen die Gemeinden die Bewirtschaftung der Ausgleichsflächen über einen mittelfristigen Zeitraum von 25 Jahren sicherstellen. Möglich ist dies beispielsweise durch Pachtverträge mit Landwirten, eigene Pflegemaßnahmen oder Patenschaften, die an Organisationen wie Jugendgruppen, Naturschutzverbände oder andere Gruppen vergeben werden.

Eine weitere Einkommensalternative für Landwirte kam ebenfalls zur Sprache: die Produktion von Energie aus nicht-fossilen Brennstoffen. Ein nachwachsender Rohstoff, aus dem sich Energie gewinnen lässt, fällt in der Landwirtschaft regelmäßig und in großen Mengen an: Gülle. Der Staat garantiert durch das Gesetz über Erneuerbare Energien, solche Stromversorgungsanlagen 20 Jahre zu fördern. In diesen Biogas-Anlagen wird Gülle vergärt und das entstehende Gas verbrannt, wobei Strom und Wärme erzeugt werden. Erfahrungswerte zeigen, dass sich eine reine Güllevergärung ab einer Anlagengröße von 100 bis 120 Großvieheinheiten lohnt. Im AW-Kreis gibt es mehrere Höfe dieser Größe.

Hinweis an die Zeitungen: Zu diesem Artikel erhalten Sie ein Foto. Bildunterzeile:
Gruppenbild mit Landrat: die Bürgermeister aus dem Kreis Ahrweiler bei der Dienstbesprechung in Dümpelfeld.


Hinweis:
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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 08.11.2002

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