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Englisch in Kindergärten: Der Funke soll überspringen

Große Resonanz in beiden Modell-Kindergärten – Landrat: „Kinder spielerisch mit der Welt- und Internetsprache Englisch vertraut machen“

Das zeitlich befristete und vom Kreis Ahrweiler finanzierte Modellprojekt „Englisch in Kindergärten“ ist ausgelaufen, soll aber – so der Wunsch von Landrat Dr. Jürgen Pföhler – auf freiwilliger Basis und als Eigeninitiative weiterlaufen. Pföhlers Fazit des Modellversuchs, der zwei Jahre lang in zwei Kindergärten lief: „Die Initialzündung hat voll funktioniert – der Funke soll jetzt weiter überspringen.“

Konkrete Zahlen belegen die Einschätzung des Landrats: Im Kindergarten Berg-Freisheim nahmen nach dem Modell-Start im August 2000 zunächst 39 Kinder zwischen vier und sechs Jahren an den spielerischen Englisch-Stunden teil. „Die Kinder waren von Anfang an mit viel Freude und großem Eifer bei der Sache“, berichtete Cheryl Jungmann, die das Englisch-Spielen leitete.

Im Kindergartenjahr 2001/2002 erhöhte sich die Zahl der kleinen Teilnehmer in Berg-Freisheim auf 45. Die Folge: Um eine Überbelastung der vier Gruppen zu vermeiden, spielte Jungmann in sechs statt vier Gruppen, wobei sich die Zeiteinheiten an zwei Vormittagen etwas reduzierten. In Remagen-Unkelbach, dem zweiten Modell-Kiga fürs Englische im Kreis Ahrweiler, sahen die Resultate ähnlich aus: 42 Kinder im Alter zwischen vier und sechs in vier Gruppen beim Start, später 50 Kids in sechs Gruppen.

Wie kam es zu diesem landesweit beachteten Modellversuch im Kreis Ahrweiler? „Kinder frühzeitig und auf spielerische Weise mit der Welt-und Internetsprache Englisch vertraut machen“ – dieses Vorhaben hatte Jürgen Pföhler als damals neuer Landrat ins Leben gerufen. Das Angebot war zeitlich befristet, für die Kinder freiwillig und für die Eltern kostenlos.

Dr. Pföhler ist nach wie vor überzeugt: "Wir müssen alles daran setzen, unseren Kindern so früh wie möglich zukunftsweisende Bildungs-und damit auch spätere Berufschancen zu eröffnen. Warum sollen unsere Kinder nicht die Möglichkeit haben, spielend an Englisch herangeführt zu werden, anstatt es später mühsam zu büffeln? Kinder, die zweisprachig aufwachsen, sind zu beneiden."

Das Projekt stand auf mehreren und fundierten Beinen: Der Kreis Ahrweiler übernahm die Kosten, die sich abschließend auf 33.000 Euro beliefen. Professorin Dr. Gisela Schmid-Schönbein, die an der Universität Koblenz-Landau die Didaktik des Englischen unterrichtet und als ausgewiesene Expertin für den Erwerb von Fremdsprachen im Kindesalter gilt, hat den Modellversuch wissenschaftlich begleitet; von ihr stammt auch das pädagogische Grundgerüst, das Lehrbuch "Mopsy and me – Englisch in Kindergarten und Grundschule".

Die zuständige Aufsichtsbeamtin für die Grund- und Hauptschulen im Kreis Ahrweiler, Regierungsschuldirektorin Christel Sennlaub, hatte schnell grünes Licht gegeben. So sollen die Kindergarten-Kenntnisse helfen, das Englische bereits frühzeitig in der Grundschule einzuführen. Und: Mit der Engländerin Cheryl Jungmann wurde eine fachliche versierte Betreuerin gefunden; sie wohnt im Kreis Ahrweiler, ist ausgebildete Fremdsprachenkorrespondentin, Mutter zweier Kinder, die zweisprachig aufwachsen, und beschäftigt sich seit langem mit dem Thema Englisch in Kindergärten.

„Der Modellversuch hätte es verdient, fortgeführt zu werden“, bilanziert der Landrat jetzt, bedauert jedoch zugleich: „Für den Kreis Ahrweiler ist es finanziell nicht möglich, solche Angebote flächendeckend in allen 63 Kindertagesstätten zu unterbreiten.“ Pföhler erhofft sich von dem Pilotprojekt "eine Initialzündung, damit das Englische in Kindergärten und Grundschulen des Kreises Ahrweiler verstärkt Einzug hält.“ Dazu plädiert er für Eigeninitiativen vor Ort. Die Kreisverwaltung sei gerne mit Ratschlägen behilflich.

Ansätze für solche Eigeninitiativen bestehen bereits: In Berg haben sich der Elternausschuss und die Kiga-Leitung darauf verständigt, dass eine Lehrerin der Grundschule Berg-Freisheim die Vorschulkinder an einem Nachmittag in der Woche unterrichtet. In Remagen bietet die dortige Volkshochschule eine Fortführung im Kiga Unkelbach an. In beiden Fällen zahlen die Eltern die Frühförderung ihrer Kinder. In der Grundschule Remagen-Oberwinter wird Englisch jetzt bereits ab der 1. Klasse gelehrt.

Der Landrat, der jüngst beide Modell-Kindergärten besuchte, abschließend: „In Berg und Unkelbach haben wir gesehen, was machbar ist. Englisch in Kindergärten sollte auch in anderen Tagesstätten möglich sein. Kinder, die heute zweisprachig aufwachsen, ernten morgen die Früchte.“

Fruchtbar ist das frühe Englisch-Lernen übrigens auch für die eigene Muttersprache. Professorin Schmid-Schönbein hat festgestellt, dass die Kinder mit Neugierde und Interesse auf eine erste Fremdsprache reagieren, und zwar "eher amüsiert als befremdet". Kinder fassten eine Fremdsprache "intuitiv und emotional" auf. Die jeweilige Lehrkraft vermittle den Kindern den Sinn der Worte durch Betonung, Mimik und Gestik – ohne Lesen und Schreiben. Und: Wenn sich Kinder
mit einer Fremdsprache beschäftigen, habe dies auch positive Auswirkungen auf das Erlernen der deutschen Sprache. Dies sei wissenschaftlich belegt, so Schmid-Schönbein.

Hinweis an die Zeitungen: Zu diesem Artikel erhalten Sie zwei Fotos. Bildunterzeilen:

[Kiga Unkelbach, Außenaufnahme]: Englisch im Kindergarten macht sichtlich Spaß: Kinder in Unkelbach mit Landrat Dr. Jürgen Pföhler (v.l.), Kiga-Leiterin Doris Schmidt-Berg, der früheren Kiga-Leiterin Hildegard Eichstätter und Remagens Bürgermeiser Herbert Georgi.

[Kiga Berg, Innenaufnahme]: Englisch im Kindergarten macht sichtlich Spaß: Kinder in Berg mit Ortsbürgermeister Erwin Kessel (v.l.), Kiga-Leiterin Beate Kündgen, Landrat Dr. Jürgen Pföhler
sowie Cheryl Jungmann.


Hinweis:
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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 14.11.2002

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