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Gesundheitsamt muss Prioritäten verschieben

Zahl der Trinkwasserkontrollen ab 2003 mehr als verzehnfacht – Impf- und Mütterberatung gestrichen

Mit einem drastischen Mehraufwand im Gesundheitswesen sieht sich die Kreisverwaltung Ahrweiler ab Januar 2003 konfrontiert. Durch die neue Trinkwasserverordnung müssen die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes statt bisher rund 200 ab Januar mehr als 2.300 Einrichtungen untersuchen. Die dafür benötigten zusätzlichen Mitarbeiter werden jedoch aus Kostengründen nicht eingestellt. Umschichtungen und die Streichung bisher erbrachter Dienstleistungen, vor allem bei der Impfberatung, sind die Folge.

„Personell und finanziell steht uns das Wasser bis zum Hals“, findet Landrat Dr. Jürgen Pföhler deutliche Worte für die derzeitige Situation in der Kreisverwaltung. Die Trinkwasserverordnung sei „uns von oben aufgedrückt“ worden, ohne dass das Land Rheinland-Pfalz für eine entsprechende Kostenerstattung der Kreise sorge. Im Gegenteil: Mainz habe die Erstattung des Landes für die Personal- und Sachkosten der Kreis-Gesundheitsämter seit 2002 sogar um 15 Prozent gekürzt.

Bei der neuen Trinkwasserregelung handelt es sich um eine EU-Verordnung. Bisher musste das Gesundheitsamt die Trinkwasserqualität des öffentlichen Netzes kontrollieren. Dabei haben die Gesundheitsaufseher die Wasserwerke und deren Leitungssysteme sowie die relativ wenigen Gebäude mit eigenen Trinkwasserbrunnen unter die Lupe genommen. Künftig muss jedoch die Qualität des Trinkwassers am Wasserhahn des Verbrauchers überwacht werden.

Die neue Verordnung sieht vor, dass alle Einrichtungen zu überwachen sind, die Trinkwasser für die Öffentlichkeit bereitstellen. Dabei handelt es sich im Kreis Ahrweiler beispielsweise um Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Altenheime, die gesamte Gastronomie mit Hotels und Gaststätten, Sportstätten und öffentliche Toilettenanlagen. Bei der Überwachung werden Wasserproben und die Hausinstallationen untersucht.

Die Anzahl dieser zu überwachenden Einrichtungen steigt von 200 auf mehr als 2.300. Wie will man diesen Mehraufwand im Kreishaus mit dem gleichen Personal schaffen? Zum einen durch hausinterne Umschichtungen. Und zum zweiten durch die Konzentration auf Pflichtaufgaben, was zur Streichung von freiwilligen Leistungen führt. Zu solchen freiwilligen Leistungen zählen die Impfberatung und die Müttersprechstunden des Gesundheitsamtes.

Die Impfberatung kann vor allem deswegen gestrichen werden, weil sie auch von Haus- und Kinderärzten sowie von Apotheken und Krankenkassen erbracht wird. Fakt ist: Für die Bürger entstehen keine Nachteile, wenn das Gesundheitsamt die Impfberatung und die Impfungen nicht mehr anbietet. Daher entfällt ab Januar die regelmäßige Impfsprechstunde. Die Gelbfieber-Impfstelle wird aus personellen Gründen geschlossen.

In der Mütterberatung wurde bisher eine monatliche Sprechstunde für Mütter mit Babys und Kleinkindern angeboten. Die Resonanz darauf ist in den vergangenen Jahren gesunken. Denn neben den Kinder- und Hausärzten bieten mehrere Institutionen der Familien- und Erwachsenenbildung einschlägige Beratungen an. Landrat Pföhler bedauert die Einschnitte. „Wir müssen hausintern andere Prioritäten setzen. Denn wir haben neue Aufgaben zu bewältigen, für die wir aus finanziellen Gründen kein zusätzliches Personal einstellen können.“


Hinweis:
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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 12.12.2002

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