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Die „sehr guten Beziehungen zwischen Kreis und Kirchen“ bekräftigt

Vierstündiges Gespräch zwischen Landrat und Spitzen der beiden Konfessionen – Kostendruck gestiegen – Weihbischof: „Verschiedenste Kräfte zerren an Jugendlichen“ – Ehrenamt: Immer weniger Leute schleppen immer mehr

Die Kindertagesstätten, die Jugendarbeit, die Altenhilfe und das Ehrenamt standen im Mittelpunkt einer neuen Gesprächsrunde, zu der Landrat Dr. Jürgen Pföhler die regionalen Spitzen der katholischen und der evangelischen Kirche eingeladen hatte.

Der Kreis Ahrweiler und die Kommunen tragen nach den Worten des Landrats „gemeinsam mit den Kirchen eine große Verantwortung für die Menschen, vor allem im sozialen Sektor“. In der vierstündigen Unterredung mit rund 20 Teilnehmern hob Dr. Pföhler die „traditionell sehr guten Beziehungen zwischen dem Kreis Ahrweiler und den Kirchen“ hervor. Aktuell und in Zukunft gehe es vor allem darum, „die Klammer zwischen der ständig sinkenden Finanzausstattung auf der einen und den zunehmenden Aufgaben im Sozialsektor auf der anderen Seite in den Griff zu bekommen.“ Pföhler: „Dazu brauchen wir gemeinsame Gespräche und gegenseitiges Verständnis.“

Diese Auffassung teilten die regionalen Spitzen der beiden großen Kirchen, die an der jüngsten Unterredung im Ahrweiler Kreishaus teilnahmen: der Weihbischof des Bistums Trier, Leo Schwarz, sowie Regionaldekan Helmut Schmidt von der Region Rhein Mosel Ahr für die katholische Kirche sowie Superintendent Klaus Schneidewind vom Evangelischen Kirchenkreis Koblenz. Schneidewind beispielsweise sagte, die engen materiellen Vorgaben dürften nicht zur Politikschelte und zu immensen Forderungen führen, zu deren Einlösung niemand in der Lage sei. Vielmehr wünsche er sich die Kooperation auch zwischen Kirche und Politik.

Die Einzelthemen: Bei den Kindertagesstätten sei und bleibe die katholische Kirche ein „verlässlicher Partner“, hieß es aus dem Bischöflichen Generalvikariat Trier. Das eigene Angebot solle sich am Bedarf orientieren. So gelte es mehr Ganztagesplätze zu schaffen. Die Umsetzung gestalte sich jedoch teilweise schwierig.

Landrat Pföhler wies in diesem Zusammenhang nochmals darauf hin, dass im AW-Kreis für jedes Kindergartenkind ein Kiga-Platz zur Verfügung stehe. Wichtig sei, auch auf allein erziehende Elternteile und Berufstätige einzugehen. Im AW-Kreis gibt es 63 Kindertagesstätten; davon befinden sich 31 in kirchlicher Trägerschaft.

Aus Sicht der Kirchen führen ausländische Kinder teilweise zu Problemen. Vielfach hätten Kinder aus bestimmten Kulturkreisen nicht den Zugang zu Entwicklungen in Kindergärten oder blieben ganz zu Hause. Die konfessionellen Kindertagesstätten suchten daher das Gespräch mit ausländischen Eltern, hieß es dazu. Der Fachbereichsleiter für Jugend, Soziales und Gesundheit in der Kreisverwaltung, Klaus Kniel, wies auf die – im Gegensatz zum Trend in Rheinland-Pfalz – steigenden Bevölkerungszahlen bei den unter 18-Jährigen im AW-Kreis hin. Dies verschaffe dem Kreis vielfältige Aufgaben vor allem bei Kindergärten und Schulen.

Das Trägermodell „Kindergarten gGmbH“ (gemeinnützige GmbH) des Bistums Trier sieht vor, Kindergärten in katholischer Trägerschaft organisatorisch zu bündeln und eine zentrale Geschäftsführung zu installieren. Diese Form habe sich bewährt, erklärten Vertreter des Bistums. Regionaldekan Schmidt nannte die wesentlichen Ziele der Kita gGmbH´s: wirtschaftlicher arbeiten, flexibel kooperieren, mehr Mitspracherechte durchzusetzen. Die Entscheidung über eine gGmbH solle weiterhin bei den Kirchengemeinden bleiben.

Auf die Überversorgung mit Alten- und Pflegeheimen im Kreis Ahrweiler wies Landrat Dr. Pföhler hin. Entsprechende Bemessungszahlen würden fortgeschrieben, um jeweils aktuelle Entscheidungsgrundlagen zu schaffen. Weihbischof Schwarz sieht bei der ambulanten Pflege „sehr hohe Anforderungen an die Sozialstationen“. Für die Kranken verbleibe oft nur ein begrenzter Zeitaufwand.

Der Druck der Kostenträger auf die Sozialstationen sei enorm gewachsen, wurde weiter berichtet. Die vorgegebenen Pauschalzeiten für die Pflege reichten oft nicht aus. Kooperationen mit anderen Hilfsorganisationen seien eine Möglichkeit, diesem Trend zu begegnen. Kein solches soziales System könne kostendeckend arbeiten, hieß es übereinstimmend. Das Bewusstsein für die Sozialausgaben müsse jedoch geschärft werden. Für Superintendent Schneidewind gewinnen in diesem Zusammenhang das Ehrenamt sowie Nachbarschafts- und Verwandtenhilfe an Bedeutung. Für solche Hilfsformen müssten ebenfalls Strukturen aufgebaut werden.

Zur Jugendarbeit: Weihbischof Schwarz möchte „junge Leute verstärkt in den Blick der Kirche nehmen“. Es zerrten jedoch „verschiedenste Kräfte an den Jugendlichen“, so dass sich die Kirche die Frage stellen müsse, ob sie auf dem richtigen Weg sei und ob die Zusammenarbeit mit jungen Menschen ausreiche. In jeder Stadt und Verbandsgemeinde des AW-Kreises sei ein hauptamtlicher Jugendpfleger tätig, der vom Kreis mitfinanziert werde, ergänzte Kniel. Beide Seiten, Kreis und Kirchen, äußerten sich lobend über die gute Kooperation zwischen kommunalen und kirchlichen Jugendarbeitern.

Beim Ehrenamt müssen nach Ansicht von Weihbischof Schwarz „immer weniger Leute immer mehr schleppen“. Die Tendenz in der Gesellschaft sei „individualistisch“. Nach Ansicht von Landrat Pföhler kann die Förderung des Ehrenamtes und der Vereine, die einen politischen Schwerpunkt im AW-Kreis darstelle, hier wichtige Schrittmacherdienste leisten.

Bildunterzeile zum FOTO:
Runder Tisch im Kreishaus: Superintendent Klaus Schneidewind (vorne von rechts), Landrat Dr. Jürgen Pföhler und Weihbischof Leo Schwarz beim Gespräch zwischen dem Kreis Ahrweiler und den Kirchen. [Foto sitzend]

Vertreter von Kreis und Kirchen im Gespräch, hier mit Landrat Dr. Jürgen Pföhler (4.v.l.), Superintendent Klaus Schneidewind (5.v.l.) und Weihbischof Leo Schwarz (7.v.l.). [Foto stehend]


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 06.02.2003

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