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Wo geistig behinderte Menschen gemeinsam musizieren

Mechthild Kohl von der Kreismusikschule hat ein neues Projekt gestartet

Mit einem Novum wartet die Kreismusikschule Ahrweiler auf: Musikschullehrerin Mechthild Kohl hat eine Musikgruppe für Menschen mit geistiger Behinderung ins Leben gerufen. Sieben Frauen und Männer zwischen 16 und 46 Jahren machen derzeit mit.

„Aus persönlichem Interesse habe ich im Januar 2001 mit dem berufsbegleitenden Lehrgang ´Instrumentalspiel mit Behinderten an Musikschulen´ begonnen“, blickt Kohl zurück. Jetzt hat sie die Fortbildung beendet. Der Lehrgang bot eine Zusatzqualifikation für berufserfahrene Lehrkräfte an Musikschulen. Träger der Fortbildung ist der Verband deutscher Musikschulen (VdM) in Zusammenarbeit mit der „Akademie Remscheid“.

„Dann kam eine Anfrage der Lebenshilfe, Kreisvereinigung Ahrweiler e.V., in Sinzig“, berichtet die Musikschullehrerin aus Burgbrohl weiter. Mit ihren Offenen Hilfen wollte die Sinziger Einrichtung im Rahmen ihrer Freizeit- und Bildungsangebote für Menschen mit geistiger Behinderung eine Musikgruppe mit Jugendlichen und Erwachsenen aufbauen. Der Startschuss fiel im Mai 2001 mit drei Teilnehmern und zunächst auf privater Ebene bei Mechthild Kohl. Im Januar 2002 wurde die Gruppe in die Kreismusikschule aufgenommen.

Die Musikstunde findet 14-tägig im Lebenshilfe-Haus in Sinzig statt. Die Gruppe trifft sich schon vorher mit Betreuerin Sarah Schmitt, die auch selbst an der Musikstunde teilnimmt. Musikexpertin Mechthild Kohl: „Wichtig sind der Spaß und die Freude an Musik und am eigenen Musizieren – ohne jeden Leistungsdruck“. Die Aktion sei nicht zu verwechseln mit Musiktherapie, „wobei sich durchaus Therapeutisches ereignen könne“, ergänzt die Burgbrohlerin.

Zum Einsatz kommen Tischharfe, Keyboard, Metallophon, Konga und kleines Schlagwerk. Eine vereinfachte Notation, teilweise auch gekoppelt mit traditioneller Notation, ermögliche das selbständige Spiel der behinderten Menschen. Kohl: „Durch das Arrangieren verschiedener Musikstücke, die sich die Gruppenmitglieder nach ihren Hörgewohnheiten wünschen, erweitern wir ständig unser Repertoire.“

Neben dem eigenen Musizieren gebe es weitere Aktionsfelder, etwa das beliebte Musik-Ballspiel „Heiße Kartoffel“ oder Tänze wie die „Tanzenden Tücher“, dazu Lieder, Sprechverse, das Ausprobieren klassischer Instrumente oder den Selbstbau von Instrumenten. Und: Beim Sommerfest der Offenen Hilfen im August 2002 ging der erste öffentliche Auftritt der Gruppe über die Bühne.

Für Mechtild Kohl steht fest: „Die Arbeit mit dieser Musikgruppe macht mir viel Freude. Die Mitglieder lernen nicht nur durch mich. Auch ich lerne durch sie und von ihnen – so wie jedes Lehren auch Lernen bedeutet und hierdurch alle Beteiligten gegenseitig bereichert werden.“

Bildunterzeile zum den beiden FOTOS:
Musikschullehrerin Mechtild Kohl [auf beiden Fotos rechts] und Mitglieder ihrer Behinderten-Musikgruppe. Betreuerin Sarah Schmitt [rötlicher Pullover mit weißen Querstreifen] ist in jeder Stunde dabei.


Hinweis:
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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 06.02.2003

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