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Trotz Scheidung: Das Kind hat Recht auf beide Eltern

Arbeitskreis mit Richtern, Rechtsanwälten, Sozialarbeitern und Psychologen aus AW-Kreis- „Umdenken hat begonnen“ – Kindeswohl geht vor Elternrecht

Wenn die Partnerschaft zerbricht, muss die Elternschaft bestehen bleiben. Die Krise zwischen Mann und Frau soll möglichst nicht zur Krise für die gemeinsamen Kinder werden. Zumindest gilt es, das Leid der Kinder abzumildern. Diesen Kerngedanken verfolgt der „Arbeitskreis Trennung und Scheidung“ im Kreis Ahrweiler. Hier treffen sich regelmäßig rund 40 Fachleute – Richter, Rechtsanwälte, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Psychologen –, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

„Zunächst wollten wir die Arbeit und die Arbeitsweise aller Berufsgruppen, die an den Gerichtsverfahren zum Sorge- und zum Umgangsrecht beteiligt sind, besser verstehen lernen“, erklärte der Direktor des Amtsgerichts Sinzig, Reinhold Hergarten, bei der jüngsten Sitzung des Arbeitskreises. Denn bei der Vielzahl von ´Helfern´ – Familienrichtern, Rechtsanwälten, Fachkräften des Kreis-Jugendamtes und der Beratungsstellen, Therapeuten und psychologischen Sachverständigen – sehe meist jeder seinen Einzelauftrag. Richter Hergarten: „Manchmal verstricken sich die Beteiligten untereinander – und verlieren dann die Kinder aus dem Blick“.

Hans-Peter Golly von der Kreisverwaltung, der die Geschäftsführung des Arbeitskreises übernommen hat, stimmt dem zu. „Die Folgen einer Trennung oder Scheidung bedingen sich gegenseitig und lassen sich nicht isoliert – rechtlich, psychologisch oder sozialarbeiterisch – lösen. Gesamtlösungen müssen her.“ Und das erfordert nach den Worten Gollys „einen anderen Blickwinkel und eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen.“

Diese neue Form der Kooperation wächst heran. Dazu dient der Arbeitskreis als Plattform. Sozialarbeiter Golly, der seit Jahren als Mediator bei strittigen Scheidungs- und Trennungsfällen arbeitet: „Vor allem die Anwälte sehen oft nur ihre Mandanten, also den Ehemann oder die Ehefrau. Die schwierige Situation der Kinder hingegen, die ihre beiden Eltern trotz deren Scheidung behalten wollen, gerät dann schnell in den Hintergrund.“

Die Berater des Kreis-Jugendamtes für Trennungen und Scheidungen bemerken jedoch eine „Bewusstseinsänderung“ bei den Anwälten. Direktor Hergarten bestätigt diesen Trend aus seiner Praxis am Sinziger Amtsgericht: „Die Anwälte fassen ihre Schriftsätze jetzt überwiegend noch sachlicher und die Gegenseite weniger verletzend ab. Auch in der mündlichen Verhandlung nehmen sie sich mit Blick auf das Kindeswohl vielfach zurück. Die ersten Früchte unseres Arbeitskreises sind in vielen Gerichtsverfahren zu spüren.“

Kindeswohl geht vor Elternrecht. Diese MaĂźgabe fordert das Kindschaftsrechts-Reformgesetz, das am 1. Juli 1998 in Kraft trat. Das reformierte Gesetz sieht eine gemeinsame Verantwortung beider Eltern nach einer Scheidung vor. Die Neuregelung verlangt ein verantwortlich ausgeĂĽbtes, gemeinsames Sorgerecht, was sich positiv auf die Entwicklung des Kindes auswirken soll.

„Eine Ehescheidung ist für jedes Kind ein tiefer Einschnitt“, weiß Hans-Peter Golly aus seinem Alltag beim Kreis-Jugendamt. Eine Scheidung bedeute Verluste und Schmerzen für das Kind, und für die erwachsenen Partner Kränkungen und seelische Verletzungen. Golly weiter: „Nur dort, wo es gelingt, elterliche Konflikte zu schlichten, können Krisensituationen für die Kinder gemindert oder ganz verhindert werden. Das setzt aber voraus, dass die am Scheidungsverfahren beteiligten Stellen eng zusammenarbeiten.“

Richter Hergarten ist zufrieden mit dem neuen Arbeitskreis im AW-Kreis. Besonders freut es ihn, dass viele Rechtsanwälte mitmachen. „Entscheidend“, so Hergarten, „ist die Forderung an alle beteiligten Berufsgruppen, die Spirale gegenseitiger Verletzungen im Trennungs- und Scheidungsprozess zu durchbrechen. Die künftig getrennt lebende Familie muss bei der Suche nach tragfähigen Lösungen für die künftige Lebensgestaltung unterstützt werden. Und vor allem: Für die Kinder sollen auch nach der Scheidung beide Elternteile erhalten bleiben.“


Hinweis:
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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 20.02.2003

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