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„Es gibt keine Trennung zum emotionalen Nulltarif“

Prof. Uwe Jopt diskutierte mit Arbeitskreis – Hergarten: „Die Kinder nicht aus dem Blick verlieren“ – Golly: „Gesamtlösungen müssen her“

Die „Sicherungsarbeit“ stellt einen Schwerpunkt beim Sorge- und Umgangsrecht gegenüber Kindern dar, deren Eltern sich trennen. Ziel müsse es sein, „möglichst viele Beziehungen und Gewohnheiten der Kinder zu restaurieren und zu sichern, vor allem zu beiden Eltern, zu Geschwistern, Großeltern und sonstigen vertrauten Menschen.“

Das sagte der Psychologe Professor Dr. Uwe Jopt von der Universität Bielefeld beim jüngsten Treffen des Arbeitskreises „Trennung und Scheidung“ im Kreis Ahrweiler. Jopt gilt als bundesweit anerkannter psychologischer Gutachter und Wissenschaftler für Familienangelegenheiten. Als vehementer Verfechter der Kindschaftsrechts-Reform tritt er nachhaltig für das Wohl des Kindes ein.

Mit Blick auf manches Gerichtsverfahren meinte Jopt beim jüngsten Treffen in der Kreisverwaltung: „Die Vorstellung, mit einem einfachen Rechtsstreit ließe sich das Trennungsproblem von Eltern lösen, ist unrealistisch. Solche Gedankenansätze herrschten vielleicht vor 20 oder 30 Jahren vor. Fakt ist: Es gibt keine Trennung zum emotionalen Nulltarif.“ Eine Ehe oder Partnerschaft könne zerbrechen. Die Elternschaft hingegen müsse – im Interesse der Kinder – bestehen bleiben, so Jopt.

Angesprochen und zu einem Vortrag in den Kreis Ahrweiler eingeladen wurde Prof. Jopt von Reinhold Hergarten, dem Direktor des Amtsgerichts Sinzig. Hergarten gehört ebenso zum Arbeitskreis „Trennung und Scheidung“ wie Hans-Peter Golly von der Kreisverwaltung Ahrweiler, der die Geschäftsführung übernommen hat. In diesem Forum treffen sich regelmäßig rund 40 Fachleute wie Richter, Rechtsanwälte, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Psychologen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Hergarten: „Wir wollen die Arbeitsweise aller Berufsgruppen, die an den Gerichtsverfahren zum Sorge- und zum Umgangsrecht beteiligt sind, besser verstehen lernen. Familienrichter, Rechtsanwälte, Fachkräften des Kreis-Jugendamtes und der Beratungsstellen, Therapeuten und psychologische Sachverständige sehen oft nur ihre Einzelaufträge. Manchmal verstricken sich die Beteiligten untereinander – und verlieren dann die Kinder aus dem Blick“. Und Golly fordert, „die Folgen einer Trennung oder Scheidung nicht isoliert – rechtlich, psychologisch oder sozialarbeiterisch – zu lösen.“ Sondern: „Gesamtlösungen müssen her.“

Ein weiteres Argument für „konsensuale Lösungen“ (Hergarten) zielt auf den Unterhaltsvorschuss und damit auf die leeren öffentlichen Kassen ab: Nach einer Studie bezahlen die Unterhaltspflichtigen bei einverständlicher gemeinsamer elterlicher Sorge den fälligen Unterhalt in 77 Prozent der Fälle regelmäßig. In Streitfällen dagegen mit alleiniger elterlicher Sorge nur eines Elternteils fließen die Gelder für den Unterhalt der Kinder nur in 58 Prozent der Fälle regelmäßig.

Der Arbeitskreis im AW-Kreis findet auch ein überregionales Echo. Das Familiengericht Sinzig ist über Direktor Hergarten in das Internetprojekt www.portafamilia.de eingebunden. Dieses Internetportal hat einen der Hauptpreise des Multimediawettbewerbs 2002 des Landes Rheinland-Pfalz gewonnen.

Die Grundlage für den Arbeitskreis bildet der Kerngedanke „Kindeswohl geht vor Elternrecht“. Diese Maßgabe fordert auch das Kindschaftsrechts-Reformgesetz, das am 1. Juli 1998 in Kraft trat. Das reformierte Gesetz sieht die gemeinsame Verantwortung beider Eltern nach einer Scheidung vor. Die Neuregelung verlangt ein verantwortlich ausgeübtes, gemeinsames Sorgerecht, was sich positiv auf die Entwicklung des Kindes auswirken soll.


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 10.04.2003

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