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Handwerksmeister sollen Meister bleiben

Landrat unterstützt Aktion der KHS – Gieraths: „Mittelstandspolitik ist widersprüchlich, unlogisch, fehlerhaft“ – Schoofs: Veränderungen vorgeschlagen

Die Zukunft der Handwerksbetriebe im Kreis Ahrweiler und die aktuelle Diskussion um den Meisterbrief standen im Mittelpunkt der jüngsten Unterredung zwischen Landrat Dr. Jürgen Pföhler und den Spitzen der Kreishandwerkerschaft Ahrweiler (KHS), Kreishandwerksmeister Peter Gieraths und KHS-Geschäftsführer Thomas Schoofs. Vor dem Hintergrund der im Bundestag diskutierten Novelle der Handwerksordnung lautete die einhellige Meinung der drei: Der Meisterbrief sei ein Qualitätsmerkmal und müsse bestehen bleiben.

Daher unterstützt Landrat Pföhler die Aktion der KHS, die mit einem Plakat das „Ja zum Meisterbrief“ fordert. Der Meisterbrief sei ein Instrument des Verbraucherschutzes. „Kunden und Verbraucher werden verunsichert, wenn sie nicht mehr davon ausgehen können, dass ihr Handwerker sein Handwerk beherrscht. Zudem ist nicht mehr, sondern weniger Ausbildung die Folge, wenn der Qualifizierungsgrundsatz für den Großteil der Handwerksberufe nicht mehr gilt“, erklärte der Landrat.

Hintergrund: Das Bundeskabinett hat am 28. Mai beschlossen, die Novelle der Handwerksordnung in den Bundestag einzubringen. Nach dem Regierungsentwurf sollen nur noch die so genannten „gefahrgeneigten Handwerke“ verbleiben. Damit blieben von derzeit 94 Handwerksberufen lediglich 29 übrig. Maler und Lackierer, Friseure, Bäcker und Fleischer würden wie viele andere nicht mehr zu den Handwerkern zählen. Zu deren Ausübung wäre auch kein Meisterbrief mehr notwendig.

„Was da von der Bundesregierung an Plänen zur Novellierung der Handwerksordnung kommt, ist erschreckend“, kritisierte Peter Gieraths den Gesetzgeber. Und Thomas Schoofs erklärte: „Die Bundesregierung will mit diesen Maßnahmen Arbeitsplätze schaffen. Aber das ist ein Trugschluss“. Das Handwerk selbst wolle nicht am status quo festhalten, sondern habe Veränderungen vorgeschlagen. So solle unter anderem der Bestand der Handwerksbetriebe und damit der Arbeits- und Ausbildungsplätze gesichert werden, indem man von dem so genannten Inhaberprinzip abrücke und Investoren die Chance biete, bei Anstellung eines Meisters einen Handwerksbetrieb zu übernehmen.

Außerdem sollen die Berufsabschlüsse „Techniker“ und „Ingenieur“ gleichwertig mit der Meisterprüfung sein, so Schoofs weiter. Ferner würden keine Praxisjahre mehr für Gesellen gefordert. „Dies alles scheint der Bundesregierung jedoch nicht auszureichen“, monierte der Geschäftsführer.

Die von der Bundesregierung in den Vordergrund geschobene Erhöhung der Selbständigenquote auf 25 Prozent wie in Portugal nütze der Volkswirtschaft nicht, waren sich die Gesprächsteilnehmer einig. Dabei handele es sich meist um Ein-Mann-Betriebe, die oft nach wenigen Monaten wieder vom Markt verschwänden und weder Arbeits- noch Ausbildungsplätze schafften. Diese Entwicklung hätte massive Negativauswirkungen auf den ländlich geprägten Kreis Ahrweiler. Wichtig sei vielmehr, das Handwerk als stärkste Wirtschaftskraft im Kreis zu unterstützen.

„Die schlechte Situation im Handwerk ist das Resultat einer Politik, die in den vergangenen Jahren dem Mittelstand das Leben konsequent erschwert hat“, fuhr Gieraths fort. Aus seiner Sicht will die Bundesregierung mit der Novellierung das Handwerk schwächen. Die geplanten Änderungen der Handwerksordnung seien „widersprüchlich, unlogisch und fehlerhaft“. Gieraths: „Was wir brauchen, sind Anreize, um das Handwerk zu stützen, den Meistertitel hervorzuheben und dadurch Ausbildungsplätze zu sichern und den Verbraucherschutz zu wahren.“

Die Obermeister innerhalb der Kreishandwerkerschaft Ahrweiler haben beschlossen, die Abkürzung „me.“ zu nutzen und diese Verwendung allen Mitgliedsbetrieben zu empfehlen. Die Abkürzung „me.“ wurde von der Handwerkskammer Wiesbaden kreiert und durch das Deutsche Patent- und Markenamt geschützt. Mit dieser Abkürzung könne sich jede Handwerksmeisterin und jeder Handwerksmeister der Öffentlichkeit unverwechselbar präsentieren – ähnlich dem „Dr.“ oder „Dipl.-Ing.“ im akademischen Bereich.

Bildunterzeile zum FOTO:
Sagen „Ja zum Meisterbrief“: Kreishandwerksmeister Peter Gieraths (v.l.), Landrat Dr. Jürgen Pföhler und KHS-Geschäftsführer Thomas Schoofs.


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 12.06.2003

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