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Der Landeskrankenhausplan als neues Argument pro Adenau

Landrat und Bürgermeister für Erhalt der Geburtshilfestation –Landesregierung in der Mitverantwortung – Zuschläge auf Fallpauschalen möglich

In der Diskussion um den Erhalt der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung des Krankenhauses in Adenau hat Landrat Dr. Jürgen Pföhler eine neue Trumpfkarte gezogen. In einem Schreiben an die Mainzer Gesundheitsministerin Malu Dreyer sieht Pföhler zusammen mit Bürgermeister Hermann-Josef Romes und Stadtbürgermeister Bernd Schiffarth die Landesregierung in der Mitverantwortung. Der Schlüssel lautet: Landeskrankenhausplan Rheinland-Pfalz 2003.

Die Gesundheitsministerin selbst habe in dieser Planung hervorgehoben, dass die Landesregierung gemeinsam mit den an der Krankenhausversorgung Beteiligten bestrebt sei, „ein relativ ortsnahes Angebot an Abteilungen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe zu erhalten“. Zudem bekenne sich das Land zum flächendeckenden Angebot an geburtshilflichen Leistungen. Solche Aussagen stünden im Gegensatz zur angekündigten Schließung in Adenau, betonten Dr. Pföhler und die beiden Bürgermeister in ihrem Schreiben an die Ministerin.

Um solchen Fehlentwicklungen gegenzusteuern, sehe der Gesetzgeber ein konkretes Instrument vor, nämlich Zuschläge auf Fallpauschalen. Dazu zitiert Pföhler aus dem Landeskrankenhausplan des Ministeriums: „Um bestimmte Standorte zu erhalten, die zum Beispiel in dünnbesiedelten Gebieten keine auskömmlichen Fallzahlen erreichen können, können Zuschläge auf die Fallpauschalen gewährt werden.“

Exakt diese treffe für Adenau in zwei Punkten zu. Erstens: Nach dem Landesentwicklungsprogramm (LEP III) – Herausgeber: ebenfalls die Landesregierung – handele es sich beim Raum Adenau um einen „dünnbesiedelten Raum in ungünstiger Lage“. Zweitens: Die jährliche Geburtenzahl im Krankenhaus Adenau betrage 240, was unter der Richtzahl von 300 liege, die der Mainzer Krankenhausplan als Mindestzahl für den wirtschaftlichen Betrieb von Geburtsabteilungen nenne. Damit könne das Instrument der Zulagen für Adenau greifen. Einzelheiten zu diesen Fallzulagen würden derzeit erarbeitet und sollen Anfang 2005 vom Land und den an der Krankenhausversorgung Beteiligten umgesetzt werden, so der Landrat und die Bürgermeister weiter.

Dr. Pföhler, der in diesen Tagen gemeinsam mit den beiden Bürgermeistern zu Gesprächen mit den Spitzen der Marienhaus GmbH als Träger und der Krankenhausleitung in Adenau war, nennt gegenüber Ministerin Dreyer weitere Argumente pro Adenau: Die Unruhe der Menschen sei begründet, weil werdende Mütter bei einer Schließung der Geburtsanteilung nach Mayen, Daun oder Bad Neuenahr fahren müssten, was je nach Jahres- und Tageszeit eine Stunde und mehr dauern könne. Bei etwaigen Notfällen oder Komplikationen sei das nicht zu verantworten. Außerdem bedeute die Schließung ein Rückschlag im Kampf gegen die schleichende Aushöhlung des ländlichen Raums.

Adenau sei ein Musterbeispiel für das Problem der ärztlichen Versorgung in der Fläche. Städtische Krankenhäuser hätten durch die höhere Bevölkerungsdichte Standortvorteile. Dr. Pföhler sowie mit ihm Romes und Schiffarth abschließend: „Wenn man jedoch sämtliche Krankenhäuser pauschal nach den selben wirtschaftlichen Maßstäben beurteilt, steht der ländliche Raum stets auf der Verliererseite. Und dann ist die Geburtshilfestation in Adenau erst der Anfang. Das kann von uns allen nicht gewollt sein.“

Bildunterzeile zum FOTO:
Beim jüngsten Gespräch in Adenau (v.l.): Bürgermeister Hermann-Josef Romes, Stadtbürgermeister Bernd Schiffarth, Krankenhausoberin Schwester Esther Rivinius, Heinz-Peter Balke (Kaufmännischer Direktor), Dr. Gunther Lauven (Ärztlicher Direktor), Landrat Dr. Jürgen Pföhler sowie die Leiterin des Kreis-Gesundheitsamtes, Dr. Ute Teichert-Barthel (2.v.r.).


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 29.04.2004

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