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Renaturierung der Ahrmündung befindet sich voll im Fluss

Landrat nennt Projekt „historisch“ – Neue Seitenarme schaffen mehr Platz – Gewässergüte verbessern – Rückzugsraum für Hochwasser

Beim Naturschutz-Großprojekt Ahrmündung ist der erste Bauabschnitt beendet, der zweite und letzte Bauabschnitt beginnt im Sommer. Zeit also für ein Zwischenfazit. Dies zogen Landrat Dr. Jürgen Pföhler sowie Vertreter der Stadt Sinzig und der für Wasserwirtschaft zuständigen Regionalstelle der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Koblenz (SGD) bei einem Ortstermin.

Die kreisweite Gewässerökologie und in diesem Rahmen der Gewässerpflegeplan Ahr sei ein zentrales, langfristig angelegtes Vorhaben beim Naturschutz im Kreis Ahrweiler, sagte Pföhler. Die Arbeiten im Ahr-Mündungsbereich verliefen planmäßig und sollen im Herbst beendet sein, kündigte der Landrat an, der die gesamte Renaturierungsmaßnahme als „historisch“ bezeichnete.

Diese Einschätzung wird durch einen Blick zurück bestätigt. Die Ahr wurde 1855 auf einer Länge von 560 Metern begradigt, sprich in ein Bett gezwängt. Die daraus folgende höhere Fließgeschwindigkeit erhöhte den Druck auf den Damm am Ahr-Unterlauf kurz vor dem Rhein-Ufer. Dieser Damm droht zu brechen. Die Folge: Große Geröllmassen würden in den Rhein geschwemmt und die Schifffahrt behindern, Rückzugsräume der Ahr bei Hochwasser gingen völlig verloren, der Radweg wäre unbenutzbar.

Daher wird der Fluss oberhalb des Naturschutzgebietes „Ahrmündung“ jetzt gebremst. In Höhe des Klärwerkes Sinzig wurden Steinschüttungen, die das Ufer befestigen, zurückgebaut, damit sich der Fluss dort möglichst ungehindert ausbreiten kann. Dies soll Entlastung für das weiter flussabwärts gelegene Areal bringen, weil sich Fließgeschwindigkeit und Wasserdruck im Mündungsbereich reduzieren.

Einzelheiten schilderte der Bauingenieur Josef Groß von der SGD wie folgt: Auf der rechten Vorlandseite, am Prallufer also, erhielt die Ahr zwischen der Kläranlage und dem Naturschutzgebiet durch den Bau von seitlichen Nebenarmen neue Entwicklungsmöglichkeiten. Dies soll es dem Fluss ermöglichen, natürlich zu erodieren, Sedimente abzulagern und so sein Bett sowie die Aue selbst zu gestalten. Die Gewässerstrukturgüte der Ahr werde sich dort erheblich verbessern, so Groß. Außerdem entstehe neuer und natürlicher Rückzugsraum für Hochwasser. Die Gesamtkosten seien mit 300.000 Euro veranschlagt.

Im zweiten Bauabschnitt muss ein Sendemast des SWR verlegt oder aufgegeben werden. Nach jüngster Mitteilung des SWR in Mainz werde der Mast voraussichtlich im August abgebaut, so Groß weiter.

Weil das Gebiet im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert wurde, waren am rechten Ahrufer Kampfmittelsondierungen nötig, bevor die Bagger anrückten. Das Ergebnis war negativ, bei den Bauarbeiten ist also nicht mit Blindgängern zu rechnen. Vor diesen Untersuchungen wurde die Vegetation auf dem rechten Ahrvorland schonend zurückgeschnitten. Altbestände wurden erhalten, Jungbestände und Sträucher so beschnitten, dass sie wieder austriebsfähig sind. Zur Förderung der natürlichen Auenentwicklung wurden standortfremde Gehölze entfernt.

Der Gewässerpflegeplan sieht die Verlegung des Radwegs vor, der unmittelbar am rechten Ufer verläuft. Die Stadt Sinzig habe die neue Radwegetrasse auf dem vorhandenen Wegenetz neu ausgewiesen und ausgeschildert, so dass der Entwicklungsraum der Ahrmündung großräumig umfahren werden könne, berichtete Groß, der abschließend betonte: „Die Maßnahme stellt eine erhebliche ökologische Aufwertung des im gesamten Rheinverlaufs einzigartigen Mündungsbereiches der Ahr dar und erlangte sowohl in der Fachwelt als auch bei Naturinteressierten große Anerkennung.“


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 04.05.2004

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