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Zukunft der Kindergärten: 10 Punkte-Programm vorgestellt

Neue Ideen, noch mehr Qualität, weniger Kinder – Landrat: Kinderfreundlichkeit heißt Familienfreundlichkeit – Geburtenrückgang wirkt sich aus

Die Kindertagesstätten sind ein Gütezeichen des Kreises Ahrweiler. Das soll so bleiben. Rund um die Kitas werden derzeit neue Ideen entwickelt. Denn langfristig stehen die Einrichtungen vor einer echten Herausforderung, die auch vor dem AW-Kreis nicht Halt macht: dem Geburtenrückgang.

Über den aktuellen Stand und die neuen Perspektiven der Kitas im Kreis Ahrweiler informierte jetzt Landrat Dr. Jürgen Pföhler gemeinsam und Prof. Dr. Stefan Sell vom Fachbereich Betriebs- und Sozialwirtschaft der Fachhochschule RheinAhrCampus in Remagen. Als Ort ihres Gesprächs mit Journalisten hatten sie den Kindergarten St. Anna in Remagen ausgewählt, weil dieser jüngst mit Hilfe des Kreises saniert wurde und – ein Akzent der neuen Perspektiven – ab September altersgemischte Gruppen anbietet, in denen Kinder unter drei und über sechs Jahren betreut werden. Das Programm zu Stand und Perspektiven der Kitas umfasst zehn Punkte.

1. Platzangebot über 100 Prozent
Ein „wirkliches Prunkstück“ sind die Kindergärten nach den Worten Pföhlers allein schon deshalb, weil das Platzangebot kreisweit bei mehr als 100 Prozent liegt. So boten die 63 Kitas im Kreis 2003 insgesamt 5.000 Plätze in 200 Gruppen an, die das Jahr über von 4.400 bis 4.600 Kindern belegt wurden. „Von solchen Quoten können andere Regionen nur träumen“, erklärte Pföhler und blickte in die Zukunft: „Wir wollen in den kommenden Jahren der kinderfreundlichste Kreis in Rheinland-Pfalz werden.“ Die Voraussetzungen dafür seien bestens, wie Pföhler anhand der weiteren Punkte ausführte.

2. Hohe freiwillige Leistungen für die Kindertagesstätten
Für die Kindergärten wende der Kreis seit 2000 jährlich zwischen 5,8 und 6,7 Millionen Euro auf, sagte der Landrat und nannte weitere Fakten: Für die Fachkräfte in den Kitas zahle der Kreis seit 2000 bis Ende 2004 rund 26 Millionen Euro an Personalkosten. Hinzu kämen 1,25 Millionen Euro im gleichen Zeitraum für die Sanierung und Umbauarbeiten an den Gebäuden. „Das sind freiwillige Leistungen, die nur noch ganz wenige Kreise in Rheinland-Pfalz für die Kindertagesstätten übernehmen“, unterstrich Pföhler.

Überhaupt genießen Kinder und Jugendliche nach den Worten des Landrats „absolute Priorität“. Das 30 Millionen Euro schwere Schulbauprogramm des AW-Kreises sei die größte Investition des laufenden Jahrzehnts. Zudem sei Kinderfreundlichkeit ein wichtiger Standortfaktor: „Junge Familien siedeln sich dort an, wo es Arbeitsplätze und günstiges Bauland gibt, wo hinreichend Kindergartenplätze vorhanden sind, wo moderne Schulen stehen. All dies können wir bieten, vor allem im Vergleich zu städtischen Regionen.“


3. Mehr Ganztagsplätze
Kinderfreundlichkeit bedeute zugleich Familienfreundlichkeit. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor allem für berufstätige Eltern werde nachhaltig unterstützt. Bei den Kitas geschehe dies über Ganztagsplätze. Deren Zahl werde sich bis Ende des Jahres gegenüber dem Jahr 2000 fast vervierfacht haben. Kreisweit seien die Ganztagsplätze von 138 (2000) auf 166 (2001), 246 (2002), 321 (2003) bis Januar 2004 auf 427 gestiegen. Zum Jahresende werden es rund 500 sein. „Das sind dann zehn Prozent der Gesamtplätze“, resümierte der Landrat. Ganztagsgruppen sollten überall dort entstehen, wo Bedarf herrsche und wo es die räumliche Situation zulasse.

4. Altersgemischte Gruppen
Ein weiterer Akzent sei die Einrichtung von altersgemischten Gruppen für Kinder unter drei und – zur Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern – über sechs Jahren. Diese Gruppen machten auch pädagogisch Sinn, weil kleine Kinder mit größeren zusammen seien. Solche Gruppen seien eine sich neu etablierende Betreuungsform, die außerdem dazu dienen, Kindergärten trotz sinkender Kinderzahlen wohnortnah zu erhalten.

5. Kooperation mit Eltern
Qualitativ gute Kindertagesstätten wie im AW-Kreis seien das Ergebnis einer Gemeinschaftsleistung von Trägern, Fachpersonal, Eltern und Jugendamt. Es gebe eine Reihe von bedarfsorientierten und mit den Eltern abgestimmte Lösungen. Diese ermöglichten beispielsweise Teilzeitbeschäftigungen von Eltern. Das „Unkelbacher Modell“ etwa sehe Regelöffnungszeiten nach Absprache mit den Eltern zwischen 7.15 und 14.15 Uhr vor. An diesem Modell – und damit am Bedarf der Eltern – orientierten sich zahlreiche weitere Kitas im Kreis. Der Kreiselternausschuss für die Kindertagesstätten sei im Jugendhilfeausschuss vertreten. Auf diese Weise bleibe der Informationsfluss auch auf der offiziellen Ebene gewährleistet, so Pföhler.

6. Nachmittagsbetreuung als Alternative der Jugendarbeit
Bei der wohnortnahen Nachmittagsbetreuung habe es – neben den Ganztags- und den altersgemischten Gruppen – bereits in der Vergangenheit wichtige Alternativen gegeben, die unter Federführung der Jugendarbeit eingerichtet wurden, beispielsweise die drei Betreuungsprojekte
 „Schule aus – Jugendhaus“ in Sinzig (Haus der offenen Tür)
 BAUWEIA in Adenau („BAU“ = „Beratung, Anlauf, Unterstützung“ im Gebäude der Alten Post)
 „Spaß und Lernen“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler (Haus der Jugend).

7. Modellprojekt bei Eingliederungshilfe: Frühe Förderung
Neue Wege gehe der Kreis auch bei der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche. Die stärkere Vernetzung von Jugendhilfe, Gesundheitsamt, Schule und Kindergärten laufe in einem Modellprojekt in der Verbandsgemeinde Altenahr. Konkret: Bislang wurden Störungen von Aktivität, Aufmerksamkeit und der Entwicklung der Kinder meist in den Grundschulen diagnostiziert. Jetzt soll ein verstärktes Augenmerk auf die frühe Förderung gelegt werden, und dies wohnortnah unter Einbindung der Kindergärten. Angedacht seien gruppentherapeutische Angebote statt Einzeltherapien.

8. Fachberatung für Kindertagesstätten
Der Kreis habe im Jugendamt eigens eine Stelle zur Fachberatung der Kitas eingerichtet. Ein Sozialpädagoge berate Träger und Erzieher in den kommunalen Kindertagesstätten und bespreche dort neue Konzepte, Fortbildungen und Organisatorisches. Auch hier tue Ahrweiler mehr als andere: Die Einstellung der Kita-Fachkraft sowie die flächendeckenden Zuschüsse für die hauptamtlichen Jugendpfleger in den acht Städten und Verbandsgemeinden seien in Rheinland-Pfalz eine Rarität.

9. Fachhochschule gibt neue Impulse
Zu Professor Sell: Er wurde von der rheinland-pfälzischen Landesregierung beauftragt, einen bundesweit modellhaften berufsbegleitenden Fernstudiengang „Bildungs- und Sozialmanagement“ für das Leitungspersonal von Kindertageseinrichtungen zu entwickeln. Dieser neue Studiengang an der FH Remagen werde Erzieherinnen und Erziehern neue berufliche Perspektiven eröffnen. Das FH-Studium solle einen Qualifizierungsschub in den Kitas bringen, wie die beiden Minister Ahnen und Zöllner betonten hätten, sagte der Professor.

Sell weiter: „Damit zeigt sich erneut, dass die FH nicht nur regional, sondern auch darüber hinaus neue Akzente setzt. Die Hochschule beteiligt sich zudem konkret an dem Ziel, Kinderfreundlichkeit an die erste Stelle zu setzen: Für die stark wachsende Zahl an Studierenden in Remagen wird nun eine eigene Kindertagesstätte direkt am neuen Studentenwohnheim errichtet.“ Damit werde es ab dem kommenden Wintersemester ein auf den Bedarf der studierenden Mütter und Väter optimal abgestimmtes Angebot gerade im Bereich der Krippenplätze geben. „Keine Studierende mit Kind wird in Zukunft mehr ihr Studium abbrechen müssen. Zugleich werden wir als Hochschulstandort deutlich attraktiver. Auch im neuen Wohnheim gibt es Wohnungen für Alleinerziehende mit Kind“, unterstrich Sell. Damit leiste die FH ihren Beitrag, damit der Kreis Ahrweiler noch attraktiver für junge Familien als Arbeits- und Wohnstandort werde.

10. Weniger Kindergarten-Kinder ab 2006/2007?
Ganztagsplätze, altersgemischte Gruppen und weitere Initiativen seien mit Synergieeffekten verbunden, die trotz rückläufiger Kinderzahlen familienfreundliche und bedarfsgerechte Angebote ermöglichen und zugleich die Kitas in ihrer Substanz erhalten. Darin zeigten sich Dr. Pföhler und Prof. Sell einig. Der Geburtenrückgang und der Trend zur Ein-Kind-Familie sei in fast ganz Europa festzustellen. Auch der AW-Kreis bleibe davon nicht verschont. Pföhler: „Die Schülerzahlen an unseren weiterführenden Schulen steigen bis 2009; diesem Trend haben wir mit dem Schulbauprogramm Rechnung getragen. Heute sind unsere Kindergärten noch ausgelastet. Aber ab 2006/2007 machen sich die rückläufigen Kinderzahlen bemerkbar. Dann brauchen wir Kreativität und neue Ideen.“

Die Prognosen des Statistischen Landesamtes zeigen: Die Zahl der Drei- bis Sechsjährigen im Kreis Ahrweiler sinkt von 4.100 im Jahr 2000 auf einen Stand zwischen 3.300 und 3.400 in 2015. Für das Jahr 2030 kommen die Statistiker auf Werte zwischen 3.000 und 3.200 Kindern zwischen drei und sechs Jahren. Pföhler: „Das sind die voraussichtlichen Fakten.“

Der von den Statistikern vorhergesagte Geburtenrückgang müsse zumindest mittelfristig aber keineswegs als unveränderbar angesehen werden, so Sell und Pföhler. Investitionen in die Kinder- und Familienfreundlichkeit könnten diesen Trend aufhalten. Die Entwicklung der jüngsten Vergangenheit belege dies: Von 1990 bis 2002 stieg die Zahl der AW-Gesamtbevölkerung um zwölf Prozent, während die der Minderjährigen (bis 18 Jahre) um knapp 19 Prozent anwuchs. Im Vergleich zu vielen anderen Regionen sei das eine erfreuliche Tendenz. Das langfristige Ziel müsse lauten, mit den künftig frei werdenden Ressourcen an Plätzen und Personal das Versorgungsangebot so zu entwickeln, dass ein flächendeckendes, bedarfsgerechtes Angebot vorgehalten wird.


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 12.05.2004

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