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Gewalt gegen Frauen: Wenn auch die Polizei Hilfe braucht

26 Frauen bilden neues Care-Team – Einsätze bleiben anonym – Lücke zwischen Bürostunden der Beratungsdienste schließen

Was kann die Polizei tun, wenn sie zu einem Einsatz gerufen wird, bei dem der Täter gewalttätig gegen eine Frau wurde oder wenn es Schläge sogar in der Beziehung gab? Meist müssen die Beamten nach ihrer Ermittlungsarbeit die Frau in ihrer Not wieder alleine lassen. Auch für Polizisten war dies bisher eine unbefriedigende Situation.

Wie sich Gewalt gegen Frauen eindämmen lässt und wie man solchen Frauen helfen kann, versucht im Kreis Ahrweiler eine breit angelegte Gesprächsrunde zu klären: der "Runde Tisch gegen Gewalt". Die Zusammenarbeit mit der Polizei bildet ein Schwerpunktthema.

„Selbst wenn die Polizisten gewollt hätten: Eine Frau in den Arm nehmen und sie trösten, das gehört nicht zu den Aufgaben der Polizei, auch die Opfer wollen das nicht unbedingt“, weiß die Gleichstellungsbeauftragte des AW-Kreises, Evelyn Dirks. Abends und am Wochenende sei es besonders schwer, Hilfe zu vermitteln. Daher habe der „Runde Tisch“ ein „Care-Team“ ins Leben gerufen: 26 Frauen bilden dieses Hilfsinstrument; sie agieren in enger Zusammenarbeit mit der Polizei; sie wollen in erster Linie die Lücke schließen, die zwischen den Bürostunden der Beratungsdienste herrscht.

Wie sieht die Praxis aus? Zwei Frauen haben jeweils eine Woche „Dienst“, und zwar von 17 Uhr abends bis 8 Uhr morgens, an Wochenenden und Feiertagen. Am Tatort fragt die Polizei die
betroffene Frau, ob sie eine Betreuung durch dieses Care-Team wünscht. Gemeinsam fahren beide, Polizei und Team, zum Opfer und helfen in der ersten Not. Sie wollen eine stabile Situation schaffen, die es der Frau ermöglicht, die Nacht gesichert und gefestigt zu überstehen und am nächsten Tag eine Beratungsstelle aufzusuchen. Ein Faltblatt in verschiedenen Sprachen nennt solche Stellen.

Die Einsätze finden im geschütztem Raum für alle Beteiligten statt – die geschlagene Frau und das Care-Team. Dies wird durch das neue Polizeiordnungsbehördengesetz (POG) ermöglicht. Die Zuständigkeit für Anordnungen zum Schutz vor Gewalt in engen sozialen Beziehungen wird ausschließlich der Polizei zugewiesen. Die Polizei kann einen Platzverweis, ein Aufenthalts- und Kontaktverbot oder eine Wohnungsverweisung aussprechen, aber auch „Ingewahrsam“ vornehmen.

Dirks: „Mit diesen Änderungen des POG verfügt die Polizei über eine klare gesetzliche Regelung zum Einschreiten bei Gewalt in engen sozialen Beziehungen. Das bringt wirksamen Opferschutz und verbessert den zivilrechtlichen Schutz vor Gewalttaten und Nachstellungen. Damit wird eine Lücke bis zur Anwendung des Gewaltschutzgesetzes geschlossen.“

Dieser Schutz, eine gute Ausbildung durch die Dr. von Ehrenwall`sche Klinik mit Dr. Susanna Smolenski und Erika Sander sowie die ständige Weiterbildung der Care-Team-Frauen mache das Angebot zu einer echten ersten Hilfe, so Dirks. Seit Januar sei das Team bei 15 Einsätzen aktiv gewesen. Die Polizei schätze das Care-Team hoch ein.

Die Einsätze der Frauen bleiben anonym; nur die Polizei und die Opfer kennen die weiblichen Helfer. Die 26 Frauen sind zu einer festen Gemeinschaft geworden. Ein Sommerfest, das die Gleichstellungsbeauftragte ausgerichtet hat, verstärkte das Gruppengefühl weiter. Bei den monatlichen Arbeitstreffen werden Erfahrungen ausgetauscht, Strategien diskutiert und Fortbildungswünsche besprochen. – Das Care-Team sucht noch Helferinnen. Info: Gleichstellungsbeauftragte Evelyn Dirks, Kreisverwaltung Ahrweiler, Wilhelmstraße 24-30, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler, Ruf 02641/975-349, Fax 02641/975-537, evelyn.dirks@kreis-ahrweiler.de.


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 15.07.2004

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