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Kinder, Schulen und Vereine bleiben das Herzstück des Kreises Ahrweiler

Landrat Dr. Jürgen Pföhler stellte Projekte für 2005 vor – Vereinsförderung massiv erhöht – Millionen für die Mobilität – Neue Ökologie-Vorhaben

Wegen knapper Kassen sind für den Kreis Ahrweiler nach den Worten von Landrat Dr. Jürgen Pföhler „eisernes Sparen“ und „die Konzentration auf die letzten Mittel“ angesagt. Welche Ziele der Kreis anvisiere und welche neuen Ideen auf dem Plan stünden, erklärte Pföhler bei seiner Jahres-Pressekonferenz 2005.

Der promovierte Verwaltungsjurist, der vor fünf Jahren, im Februar 2000, aus dem Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen an die politische Spitze des AW-Kreises trat, nannte drei herausragende Leitprojekt-Bereiche: erstens Schulen und Kindergärten als „das Herzstück unserer Investitionspolitik“, zweitens die Infrastruktur mit Straßenbau und Wirtschaftsförderung, drittens die Förderung von Vereinen und dem Ehrenamt.


Haushalt: Sparkurs eisern fortsetzen

Der AW-Kreis könne sich mit seinem ausgeglichenen Haushalt 2005 – dem einzigen in Rheinland-Pfalz – als Musterschüler bezeichnen. Das Land habe dafür seine „besondere Anerkennung“ ausgesprochen. „Wir werden den notwendigen Sparkurs eisern fortsetzen und uns auf die wichtigsten Leitprojekte konzentrieren“, kündigte Pföhler an.

Beispielsweise werde das Energie-Controlling an den kreiseigenen Gebäuden (elf Schulen und die Kreisverwaltung) konsequent ausgebaut. Nach Auslaufen des Schulbauprogramms werde in der Kreisverwaltung eigens für das Gebäudemanagement eine ganze Stelle geschaffen, um das bestehende Systems zur Reduzierung von Strom, Heizenergie und Wasser zu optimieren. Das Einsparpotenzial an den vier Schulen, die bislang entsprechende Vereinbarungen abgeschlossen haben (Realschule Ahrweiler, Berufsbildende Schule, Rhein-Gymnasium Sinzig und Erich-Klausener-Gymnasium Adenau), liege bereits heute bei insgesamt 30.000 Euro im Jahr.

„An der Schnittstelle von Schulbauprogramm, Ökologie und Sparmaßnahmen“ sieht der Landrat das neue Großvorhaben des Kreises, Photovoltaikanlagen auf allen Dächern der kreiseigenen Schulen sowie der Kreisverwaltung zu installieren. Damit stehe – nach dem Schulbauprogramm und dem Ausbau der Neuen Medien – „der dritte große Investitionsschub an unseren Schulen bevor“. Geplante Investitionen: mehr als vier Millionen Euro. Damit ließen sich Renditen erzielen, die den Kreishaushalt entlasteten und an die Schulen zurückfließen könnten. Kreistag und Aufsichtsbehörden müssten diesem „Vorzeigeprojekt“ noch zustimmen. Mit dem Gesetz über Erneuerbare Energien seien solche Solaranlagen ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich attraktiv.

Der Kreis bereite sich auf die Einführung der kommunalen Doppik vor. Dieses neue Haushaltssystem solle 2007/2008 kommen. Es stelle das Zahlenwerk auf die Buchungsmethoden der freien Wirtschaft um. Der Jahresabschluss bisheriger Prägung sei dann passé – die Jahresbilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung schaffe mehr Transparenz und bessere Steuerungsmöglichkeiten.

Angegangen werde jetzt die Neustrukturierung der Kreismusikschule und die Privatisierung der Ahrweiler Verkehrsgesellschaft mbH (AWV). Damit verbunden sei auch die Verwendung von RWE-Aktien, die der Kreis in den beiden Betrieben eingelagert habe. Der Landrat: „Wir müssen schweren Herzens an Dinge herangehen, die uns lange Zeit lieb und teuer waren, die aber nun ganz einfach zu teuer sind. Angesichts der Finanzlage müssen die Kreismusikschule und der AWV auf den Prüfstand.“


Für die Bürger: Vereine fördern, Internet ausbauen

Bürgerfreundlichkeit – ein Dauerthema – werde auch 2005 groß geschrieben. Beispiele: die Weiterentwicklung der Internetseiten des Kreises, die Förderung von Vereinen und dem Ehrenamt sowie verbesserte Öffnungszeiten in der Außenstelle Adenau der Kraftfahrzeugzulassung.

„Beeindruckend“ sei die Resonanz auf das Förderprogramm des Kreises für Vereine und das Ehrenamt. Im Startjahr 2000 habe der Kreis 17.000 Euro zur Verfügung gestellt. Wegen der enormen Nachfrage – 214 Bewilligungen insgesamt – sei das Finanzvolumen kontinuierlich aufgestockt worden: 55.000 Euro in 2001, 66.000 Euro in 2002, 80.000 Euro in 2003 und 2004. Und jetzt, im Haushalt 2005, stünden sage und schreibe 142.000 Euro bereit. Insgesamt habe der Kreis von Pföhlers Amtsantritt im Jahr 2000 bis einschließlich 2005 rund 670.000 Euro für die Vereinsförderung und den Sport bereitgestellt.

„Trotz, nein gerade wegen knapper Kassen ist dieser enorme Betrag sehr gut angelegtes Geld“, erklärte der Landrat und lieferte die Begründung: „Um die Vereine bei ihrer Arbeit zu unterstützen, ist es mit guten Worten und dem Dankeschön-Abend des Sports alleine nicht getan. Bislang mussten wir viele Anträge der Vorjahre schieben und die Vereine vertrösten, weil der Topf schnell leer war.“ Das solle sich jetzt ändern. „Unser Förderprogramm ist eine öffentliche Anschubfinanzierung, die durch das Engagement der ehrenamtlich Tätigen um ein Vielfaches ergänzt und verstärkt wird. Jeden Euro, den wir in unsere Vereine und das Ehrenamt investieren, erhält die Allgemeinheit doppelt und dreifach zurück. Was die Vereine in den Dörfern und Städten leisten, kann der Staat nicht leisten, geschweige denn bezahlen“, so Pföhler. Und: Die Jugendarbeit, die die Vereine leisteten, sei das beste Präventionsprogramm gegen Drogenmissbrauch und Jugendkriminalität.

Welches Potenzial die Kfz-Zulassung mit Blick auf die Bürger birgt, verdeutlichte der Landrat anhand der Daten für 2004. Kreisweit wurden in den vier Stellen rund 67.000 Fahrzeuge zugelassen, abgemeldet oder mit Technikänderungen umgemeldet. Davon entfielen auf die Zentrale in der Ahrweiler Wilhelmstraße 45.560 oder 68 Prozent, auf Sinzig (bei den Caritaswerkstätten) 10.050 (15 Prozent), auf Niederzissen 6.700 (10 Prozent) und auf Adenau 4.690 (7 Prozent). Dr. Pföhler: „Unsere Mitbürger profitieren enorm von dem verbesserten Bürgerservice mit den neuen Kfz-Außenstellen und dem Internet-System der Wunschkennzeichen.“ Hier gelte in idealer Weise der Leitsatz: „Die Verwaltung kommt zum Bürger – und nicht umgekehrt.“

Die Neupräsentation der Internet-Seiten der Kreisverwaltung (www.kreis-ahrweiler.de oder www.kreis.aw-online.de) werde in der ersten Jahreshälfte vorgestellt. Die Seiten würden komplett überarbeitet sowie barrierefrei und damit behindertengerecht gestaltet, so dass auch Menschen mit Sinnes- und Körperbehinderungen das Medium nutzen können.

Der verbesserte Bürgerservice gelte auch für einen Großteil der rund 9.000 ausländischen Bürger im Kreisgebiet. Mit dem neuen Zuwanderungsgesetz kümmere sich die Kreisverwaltung um die Arbeitsgenehmigungen (diese waren bisher bei der Agentur für Arbeit zu stellen) und die Aufenthaltserlaubnisse. Auch dies erspare den Bürgern Behördengänge und sorge für Dienstleistungen aus einer Hand.

Für den Brand- und Katastrophenschutz habe der Kreis seit seinem Amtsantritt im Jahr 2000 bis 2004 rund 1,2 Millionen Euro investiert. 2005 stünden weitere Neuanschaffungen auf dem Plan, etwa Ausbildungsgeräte für den Gefahrstoffzug des Kreises, vor allem aber ein neues Tanklöschfahrzeug für 240.000 Euro, das für den überörtlichen Brandschutz bei der Feuerwehr in Bad Neuenahr stationiert werde. Der neue Feuerwehrbedarfsplan werde erstellt; dieser registriere alle technischen Geräte des Kreises und lege den Investitionsplan für die kommenden zehn Jahre fest.



Schulen: Bauprogramm im Endspurt, alle Klassenräume vernetzt

Das 30 Millionen Euro schwere Schulbauprogramm gehe 2005 in den Endspurt. Derzeit liefen vier Projekte:
·Rhein-Gymnasium Sinzig: Erweiterungsgebäude um vier Klassenräume, Kosten: 1,1 Millionen Euro;
·Berufsbildende Schule Bad Neuenahr-Ahrweiler: Erweiterungsgebäude um sieben Klassenräume und drei EDV-Labore (2,3 Mio €);
·Janusz-Korczak-Schule Sinzig: Ereiterung um drei Klassenräume und einen Gymnastikbereich (1,2 Mio €);
·Don-Bosco- und Levana-Schule (Schulzentrum Bachem): Erweiterung um zwei Klassen- und einen Therapieraum (430.000 €).

Die Arbeiten an der Don-Bosco- und der Levana-Schule seien weitgehend beendet. Die Arbeiten an Rhein-Gymnasium, BBS und Korczak-Schule lägen im Zeitplan, so dass die neuen Gebäude zum Schuljahrsbeginn 2005/2006 bezugsfertig seien.

Der Schwerpunkt bei den „Neuen Medien in Schulen“ liege 2005 im Aufbau eines VPN (Virtuelles Privates Netz), eines geschützten und sicheren Zusammenschlusses mehrerer Computernetze zwischen den Schulsekretariaten und der Kreisverwaltung via Internet. Mit VPN könnten die Schulen schnell und direkt auf ihre Daten im Kreisverwaltungsnetz zugreifen. In den elf Kreisschulen seien derzeit 650 vernetzte PCs installiert. Und: Alle rund 400 Klassenräume seien vernetzt.

Auch die Ganztagsschulen seien weiter auf dem Vormarsch. Zum Schuljahr 2005/2006 werde mit der Erich-Kästner-Hauptschule in Bad Neuenahr-Ahrweiler die fünfte Schule im Kreisgebiet den Ganztagsbetrieb in neuer Form aufnehmen. Generell meinte Pföhler zu diesem Thema: „Wenn Schulen und Eltern die Ganztagsschule wünschen, werden wir das als Schulträger unterstützen.“


Kindertagesstätten: freundlich für Familien

Vor neue Herausforderungen stehen Kreis und Kommunen nach den Worten des Landrats vor allem im Bereich Soziales und Jugend. Bei den Kindertagesstätten lege der Kreis die Messlatte bewusst hoch: „Wir wollen in den nächsten fünf bis zehn Jahren der kinderfreundlichste Kreis in Rheinland-Pfalz sein. Wichtige Weichen für „ein Höchstmaß an Familienfreundlichkeit“ seien bereits gestellt: In den vergangenen zehn Jahren habe der Kreis für die Kindergärten 55 Millionen Euro aufgewendet.

Die Folge: Das Platzangebot liege seit Jahren bei über 100 Prozent, es gebe kreisweit also mehr Kindergartenplätze als Kinder. Mehr als 500 Ganztagsplätze verbesserten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für berufstätige Eltern. Das angepeilte Ziel laute: ein flächendeckender, bedarfsgerechter und kontinuierlicher Ausbau der Ganztagsplätze.

Auch die Zahl der altersgemischten Gruppen für Kinder unter drei und – zur Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern – über sechs Jahren soll bedarfsgerecht erhöht werden. Gleiches gelte für flexible Öffnungszeiten in den Kitas, die in Absprache mit den Eltern festzulegen seien.

Zu den aktuellen Plänen der Mainzer Landesregierung, das entsprechende Bundesgesetz (Tagesbetreuungs-Ausbaugesetz, TAG) umzusetzen und ab 2010 den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz bereits für Kinder unter drei Jahren zu verankern, meinte Pföhler: „Das ist sehr begrüßenswert. Wir haben dafür seit gut einem Jahr die Weichen gestellt, auch ohne Rechtsanspruch. Überall dort, wo ein entsprechender Bedarf besteht und die Belegung des Kindergartens dies zulässt, bieten wir bereits altersgemische Gruppen unter drei und über sechs Jahren an. Insofern rennt das Land bei uns offene Türen ein. So gab es bereits im Mai 2004 elf Kindertagesstätten, die 74 Kinder in Altersmischung aufgenommen haben.“ Beispiele seien Bad Bodendorf, Barweiler, Burgbrohl, Wassenach und Kalenborn. Dieser Ausbau gehe ständig weiter. Prominentestes Beispiel für die Aufnahme von Kleinkindern sei die Tagseinrichtung an der Fachhochschule Remagen.

Zum Punkt Sprachförderung und Schulvorbereitung der Landesregierung sagte Pföhler: „Auch hier gilt, dass wir im Kreis Ahrweiler bereits vor zwei Jahren die Weichen für die Umsetzung gestellt haben. Auf Antrag der CDU-Fraktion hat der Kreistag bereits 2003 beschlossen, Projekte zur besseren Verzahnung von Kindertagesstätten und Grundschulen zu entwickeln.“ Dies werde derzeit in einem Modellprojekt mit zwei Kitas (Hönningen und Ahrbrück) sowie der Grundschule Ahrbrück unter Federführung des Kreis-Jugendamtes umgesetzt. Entscheidend für den Erfolg alle dieser Initiativen sei letztlich, ob und inwieweit Mainz sich an den Kosten beteilige.

In den Kindertagesstätten mache sich der demografische Wandel als erstes bemerkbar. Pföhler: „Die sinkende Bevölkerungszahl und die Verschiebung der Altersstruktur machen auch vor dem Kreis Ahrweiler nicht Halt. In den nächsten Jahrzehnten ist nicht nur das Sozialversicherungssystem in Deutschland von einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung betroffen. Die Auswirkungen werden in allen Bereichen des Lebens zu spüren sein.“

Dieser Herausforderung stelle sich der Kreis – mit neuen Ideen und mit Optimismus. Am Beispiel der Kindertagesstätten lasse sich verdeutlichen: Mit dem Zuwachs an Qualität (mehr altersgemischten Gruppen, mehr Ganztagsgruppen) könne man in manchen Bereichen den Rückgang an Quantität (drohende Schließung von Gruppen oder ganzen Tagesstätten wegen rückläufiger Kinderzahlen) teilweise ausgleichen.

Dazu bilanzierte der Landrat: „Familienfreundlichkeit dient in jedem Fall der Standortsicherung für den Kreis und die Kommunen. Die Attraktivität eines Wohnstandortes für junge Familien hängt maßgeblich ab von Angebot an Kindertagesstätten und Schulen. Und da sind wir bestens gestellt.“ Voraussetzung aber sei: Der Kreis könne Impulse geben – die Umsetzung aber müsse vor Ort erfolgen.



Behindertenförderplan: Die Ersten im Land

Mit dem Behindertenförderplan, der im Juli im Kreistag verabschiedet werden soll, mache der Kreis erneut überregional von sich reden. „Wir sind die Ersten in Rheinland-Pfalz, die einen solch umfassenden Hilfeplan für alle Gruppen von behinderten Menschen aufstellen“, unterstrich Pföhler. Die Richtschnur laute: Behinderte Menschen, vom Kind bis zum Senior sowie von der psychischen bis zur Sinnesbehinderung (Taube, Stumme, Blinde), sollen bedarfsorientiert und flächendeckend integriert werden. Der Förderplan sehe eine Prioritätenliste für die nächsten Jahre vor. Beispiele: Wo ist die Integration eines behinderten Kindes im Regelkindergarten sinnvoll und möglich? Wann können erwachsene Behinderte differenzierte Hilfsangebote wie beim betreuten Wohnen im gewohnten Lebensumfeld erhalten, ohne dass eine Heimunterbringung nötig wird? Das Projekt „Hilfe nach Maß“ setze die individuelle Hilfeplanung um und stelle den Bedarf des Einzelnen in den Vordergrund.


Wirtschaft fördern, Dörfer beleben

Die Wirtschaftsförderung werde weiter ausgebaut. Das Genehmigungsmanagement der Kreisverwaltung, das den Unternehmen Behördengänge erspare, sei inzwischen eines der wichtigsten Instrumente der Wirtschaftsförderung. Diese Einschätzung bestätigten Firmenchefs und Investoren immer wieder.

Zentralprojekte für 2005 seien der Innovationspark Rheinland (IPR) in Grafschaft (Pföhler: „Unser Premiumstandort mit 22 Hektar voll erschlossener Gewerbeflächen und eigenem Autobahnanschluss“) sowie das Innovations- und Gründerzentrum (IGZ) Sinzig. In der März-Sitzung des Kreistags gebe es dazu aktuelle Informationen. Angesichts der wirtschaftlichen Gesamtlage in Deutschland sei bei der Firmenansiedlung „ein langer Atem“ gefragt. So rechne das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium beim IPR mit einer Vermarktungsphase von 10 bis 15 Jahren.

Die Messe-Offensive werde trotz knapper Mittel fortgesetzt. Die Kreis-Wirtschaftsförderer seien 2005 auf allen wichtigen Großmessen präsent (Hannover-Messe, Expo-Real, Inter-Geo, Exponet, Medica, Biotechnica sowie MIPIM, einer Immobilienfachmesse in Cannes).

Der Neubau des Arp-Museums in Remagen-Rolandseck nach den Plänen des Stararchitekten Richard Meier sei in seiner Dimension mit dem Bau des Nürburgrings in den zwanziger Jahren vergleichbar. Das „Weltklasse-Museum“ werde der Tourismusregion Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler, die jährlich mehr als 20 Millionen Besucher zu verzeichnen habe, neue wirtschaftliche Impulse bringen. Die Rohbauarbeiten sollen im März beginnen, die Fertigstellung sei für Ende 2006 vorgesehen. Ausdrücklich lobte der Landrat den Architekten Richard Meier sowie das Mainzer Finanz- und Bauministerium, die „mustergültige, gemeinsame Arbeit leisten“.

Die „Erlebnisregion Nürburgring“, ein Ferien- und Businesszentrum für 200 Millionen Euro, lasse nachhaltige Impulse für die Eifel erwarten, die weit über den Tourismus hinausgingen. In diesem Jahr würden potenzielle Investoren und Betreiber vorentscheidend identifiziert; wenn alles gut gehe, fänden 2007 die ersten Spatenstiche statt. Bis Sommer 2005 stehe das Konzept für die Indoor-Attraktion.

Die Neuordnung der kreisweiten Tourismusorganisation sei mit der neuen „Ahr Rhein Eifel, Tourismus & Service GmbH“ („ARE“) geschafft. Es sei ein Novum in der Geschichte des Kreises Ahrweiler, dass sich der Kreis, alle acht Kommunen und die Privatwirtschaft zu einer solchen Gesellschaft zusammenschlössen, betonte Dr. Pföhler. Er sprach von einer „guten Ausgangsbasis“, die bereits bei der Gründung der TSG im Sommer 2000 „erklärtes Ziel“ des Kreistags gewesen sei. Nur wer kooperiere, werde überregional wahrgenommen. Die neue Organisation ermögliche die Konzentration auf überregionales Marketing.

Neues auch zum Thema „Zukunft Dorf“. Der diesjährige „Unser Dorf“-Wettbewerb werde um den Aspekt „kinder- und jugendfreundliche Dorferneueurung“ erweitert. Auch mit Blick auf den demografischen Wandel werde dies zur Attraktivierung des ländlichen Raums beitragen.

Eine weitere Idee vereine die Aspekte Wirtschaftsförderung, Dorferneuerung und Tourismus unter einem Dach: Ein Architekturprojekt wolle historische Bautraditionen aufgreifen in einer modernen Architektursprache umsetzen – und zwar gegen die „Globalisierung der Dörfer“; wenn insbesondere Neubaugebiete in der Eifel genau so aussähen wie in Norddeutschland, dann gehe damit die regionale Identität verloren. Die Fachhochschule Koblenz sei mit im Boot. Die Ziele: positive Gestaltung der Ortsbilder und der Ortskerne durch „Neues Bauen im Bestand“, Aufträge für Handwerksbetriebe, Identitäts- und Imagegewinne der Dörfer.


6,3 Millionen Euro für Kreisstraßen, ÖPNV und Radwege

Der Kreis sorge auch 2005 mit dem Ausbau der Infrastruktur für die Mobilität der Bürger und Unternehmen. Unerlässlich sei der Straßenbau, weil ein Flächenkreis leistungsfähige Verkehrsverbindungen brauche. Insgesamt flössen alleine 2005 mehr als 6,3 Millionen Euro in den Öffentlichen Personen-Nahverkehr einschließlich Schülerbeförderung (5 Mio €), Kreisstraßen (1,3 Mio €) und Radwege (60.000 €).

Der Kreis habe seine Gelder für Kreisstraßen in diesem Jahr um 370.000 Euro erhöht. Für zehn Baumaßnahmen, die 2005 beginnen, und vier, die abgeschlossen werden, stünden 1,3 Millionen Euro bereit. Dabei handle es sich um die Kreisstraßen in Bauler, Bröhlingen, Marthel, Pomster, Antweiler sowie zwischen Reifferscheid und Winnerath (alle Verbandsgemeinde Adenau), ferner in Ahrbrück, Kempenich-Engeln, Sinzig-Franken, zwischen Krälingen und Kreuzberg sowie bei Lind und Kirchdaun.

Damit komme der Kreis seinen Verpflichtungen nach und behalte seine Investitionslinie bei. Gleiches erwartet Pföhler von Mainz und Berlin für die Landes- und Bundesstraßen. Vorrangig seien, neben dem Bau der Eifelautobahn A1 mit einer Anschlussstelle für Adenau, die Ortsumgehungen in Bad Neuenahr, zwischen Ehlingen und Bad Bodendorf, in der Ortslage Bad Bodendorf sowie zur Fortführung der Ortsumgehung Altenahr (Lingenbergtunnel).

Der Ausbau der Radwege, die wichtige Mosaiksteine der Gesundheits- und Fitnessregion Kreis Ahrweiler seien, laufe weiter. Bei der Strecke zwischen Fuchshofen und Dorsel freute er sich, „die einmalige Förderung von 1,2 Millionen Euro aus dem Bonn-Berlin-Ausgleich ausgehandelt zu haben“. Die Arbeiten für dieses Teilstück begännen in Kürze und sollen Ende 2006 fertig sein.

Wichtig für den gesamten Ahrradweg mit lückenlosen Verbindungen von der Quelle bis zur Mündung sei auch das Teilstück zwischen Laach und Altenahr, zu dem das Planfeststellungsverfahren eingeleitet sei. Pföhler sieht die Finanzierung jedoch noch nicht endgültig gesichert. Daher appellierte er an Bund und Land, ihre Beiträge zu leisten.

Beim Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) bilde der Nahverkehrsplan den Rahmen, der die Angebote festigen und verbessern soll. Hauptziele seien ein langfristig attraktiver ÖPNV auf der Basis eines an der Nachfrage orientierten und finanzierbaren Verkehrsangebotes. Weitere Fahrgastpotenziale böten vor allem die Verkehrsverbünde Rhein-Mosel (VRM) und Rhein-Sieg (VRS), denen der Kreis Ahrweiler angehöre. Die wichtige Direktverbindung der Ahrtalbahn nach Bonn ohne Umsteigen in Remagen sei durch den zusätzlichen Halt in Oberwinter aufgewertet worden. Zur Kostendimension des ÖPNV einschließlich der Schülerbeförderung nannte der Landrat die Gesamtzahl für den AW-Kreis von 2000 bis 2005: 33 Millionen Euro.

Der VRM sei erfolgreich, was gestiegene Fahrgastzahlen und Verkehrsleistungen belegten. Sorge bereitet dem Landrat allerdings, dass einige Verkehrsunternehmen den Verbund gekündigt haben, um neue Verhandlungen zu führen, deren Ausgang offen sei. Auslöser seien Kürzungen der Bundesregierung. „Wenn das Land diese Zuschusskürzung beim Nahverkehr nach unten durchreicht, gehören der ländliche Raum und die Umwelt zu den Verlierern“, befürchtet Pföhler.

Für Natur und Umwelt

Naturschutz und Landespflege – auch in Zukunft ein Themenschwerpunkt des Kreises Ahrweiler. Mit 23 Naturschutzgebieten auf einer Gesamtfläche von 20 Quadratkilometern oder drei Prozent der Kreisfläche sowie zahlreichen Landschaftsschutz- und Natura-2000-Gebieten (94 Prozent der Kreisfläche) liege der AW-Kreis ohnehin deutlich über dem Landesdurchschnitt.

Weitere Ökologie-Vorgaben für 2005 in Stichworten: Weiterentwicklung der Kalkmagerrasen in Dorsel (Schaf- und Ziegenbeweidung) und des Rodder Maares bei Niederzissen (Entwicklung der neu gekauften fünf Hektar Flächen für ökologische Zwecke), Renaturierung des Bruchwaldes in Kempenich (Öffnung monotoner Waldflächen) sowie Umsetzung der „Natura 2000“ mit FFH- und Vogelschutzgebieten (Mitwirkung des Kreises bei den Managementplänen zur Festlegung der einzelnen Ziele und Maßnahmen).

Beim Gewässerpflegeplan Ahr sei die Renaturierung der Wehre in Mayschoss, Altenahr und Kreuzberg als Fischaufstiege geplant. Im Naturschutzgebiet Ahrmündung seien die Bauarbeiten abgeschlossen. Geplant sei der Kauf weiterer gewässernaher Grundstücke, auf denen sich die Natur weiterentwickeln kann. In die Renaturierung der Ahr seien bereits 700.000 Euro investiert worden, weitere 700.000 Euro folgten in den kommenden Jahren.

Für die Sanierung der Naturschutz-Jugendherberge Altenahr habe der Kreis für 2005 und 2006 insgesamt 250.000 Euro eingeplant.


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 18.02.2005

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