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Kreis stellt Weichen für die Zukunft der Kindertagesstätten

Neue Bedarfsplanung gestartet – Landrat: „Wir wollen ein Höchstmaß an Familienfreundlichkeit“ – 600 Ganztagsplätze – Zahl der Kinder sinkt um 30 Prozent

Mit einer breit angelegten und langfristigen Planung stellt der Kreis Ahrweiler die Weichen für die Zukunft der Kindertagesstätten. Eine Veranstaltung, zu der Fachkräfte aus allen Einrichtungen im Kreis sowie Kita-Träger von Kommunen und Kirchen eingeladen waren, bildete den Auftakt. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet. Ziel ist eine möglichst präzise Bedarfsplanung.

„Wir stehen vor großen Umbrüchen und stellen uns neuen Herausforderungen“, erklärte Landrat Dr. Jürgen Pföhler vor 130 Teilnehmern an der Fachhochschule Remagen. Die FH war als Ort für den Startschuss bewusst gewählt. Professor Dr. Stefan Sell vom Institut für Bildungs- und Sozialmanagement (ibus) mit seinen Kolleginnen Dr. Dörte Weltzien und der Diplom-Sozialpädagogin Sonja Hees übernehmen den wissenschaftlichen Part der neuen kreisweiten Kindertagesstätten-Bedarfsplanung. Damit habe der Kreis einen „ausgewiesenen, bundesweit anerkannten Experten gewonnen“, betonte Pföhler. Mit dem Studiengang, der sich speziell an das Kindergartenpersonal richte, stehe das Sell-Team in Deutschland an der Spitze einer interessanten Entwicklung.

Für Klaus Kniel, den Fachbereichsleiter für Jugend, Soziales und Gesundheit in der Kreisverwaltung, steht fest: „Bei den Kindergärten hat es noch keinen Zeitraum gegeben, der so viele Veränderungen bringt wie die nächsten fünf Jahre.“ Er plädierte für „eine eigenständige, frühzeitige und professionelle Planung“. Grund: „Wer sich nicht bewegt, der wird bewegt.“ Grundlage für die Bedarfsplanung sei zunächst eine detaillierte Datenerhebung von Prof. Sell.

Welche Änderungen konkret anstehen, fasste Dr. Pföhler so zusammen: „Deutlich sinkende Kinderzahlen auch im AW-Kreis mit der Folge, dass Ressourcen an Plätzen und Personal frei werden; die Sparbeschlüsse des Bistums Trier und deren Auswirkungen auf die kirchlichen und kommunalen Kitas; die angespannte Haushaltslage des Kreises und der Kommunen; und zwei Gesetzesneuerungen.“

Diese beiden Gesetze seien: erstens das Tagesbetreuungs-Ausbaugesetz, mit dem der Bund die Kinderbetreuung in den Kommunen intensivieren wolle; zweitens die geplante Novellierung des Kindertagesstättengesetzes Rheinland-Pfalz, das im Entwurf vorliege und das den Rechtsanspruch für Zweijährige auf einen Kita-Platz ab 2010 festlege. Bereits ab 1.1.2006 würden die Regelkindergärten für Zweijährige geöffnet.

Fazit für Pföhler: „Das alles erfordert Kraftanstrengungen, die wir nur gemeinsam meistern können: Kreis, Kommunen und Träger – mit der Unterstützung von Prof. Sell und seinem Team.“ Der Landrat ist optimistisch: „Wir wollen ein Höchstmaß an Familienfreundlichkeit. Dazu leisten wir seit Jahren Vorarbeit und legen die Messlatte bewusst hoch.“

Diese Aussagen belegte der Landrat mit Fakten. Zum Beispiel zum Platzangebot: Dies liege kreisweit bei 115 Prozent; es gebe also mehr Kita-Plätze als Kinder. Beispiel Ganztagsplätze: 138 im Jahr 2000 und aktuell 600 bedeuteten einen „enormen Anstieg“. Beispiel altersgemischte Gruppen für Kinder unter drei und – zur Nachmittagsbetreuung – über sechs Jahren, die bereits als Standard anzusehen seien. Gleiches gelte für flexible Öffnungszeiten, die in Absprache mit den Eltern festzulegen seien. Und: Ein Modellprojekt teste die Frühförderung und verzahne zwei Kitas (Hönningen und Ahrbrück) mit der Grundschule (Ahrbrück).

Der Landrat: „Wir fangen nicht bei Null an, sondern haben bereits wichtige Weichen gestellt.“ An den Kindertagesstätten werde deutlich, was sich mit neuen Ideen und Optimismus erreichen lasse: Mit dem Zuwachs von Angebotsvielfalt und Qualität (z.B. mehr altersgemischten Gruppen, mehr Ganztagsgruppen) könne man in manchen Bereichen den Rückgang an Quantität (Schließung von Gruppen oder ganzer Tagesstätten wegen rückläufiger Kinderzahlen) teilweise ausgleichen.

Fest stehe dennoch: Es werde zur Schließung von Gruppen kommen. Das verlange bereits die Entwicklung der Kinderzahlen. Seien im Kiga-Jahr 2004/2005 kreisweit noch 4.464 Mädchen und Jungen registriert gewesen, so würden für 2008/2009 rund 3.100 prognostiziert. Das entspreche einem Rückgang von 30 Prozent.

Foto:
An der Spitze der Entwicklung: Klaus Kniel (v.l.), Dr. Jürgen Pföhler, Jugendamtsleiterin Siglinde Hornbach-Beckers, Sonja Hees, Dr. Dörte Weltzien und Professor Dr. Stefan Sell vor Experten aus Kindergärten und deren Trägern.

Grafik:
Die Zahl der Kindergartenkinder im AW-Kreis sinkt bis 2008/2009 um 30 Prozent.


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 14.10.2005

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