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Vogelgrippe: Vorbereitung ja, Panik nein

Landrat: ÔÇ×Wir sind ger├╝stetÔÇť ÔÇô Veterin├Ąramt, Gesundheitsamt und Katastrophenschutz kooperieren ÔÇô Rufbereitschaft eingerichtet

Was w├Ąre, wenn sich die Vogelgrippe weiter ausbreitet und auf die hiesige Region ├╝bergreift? ÔÇ×Dann sind wir sofort in der Lage, die n├Âtigen Ma├čnahmen zu ergreifenÔÇť, sagte Landrat Dr. J├╝rgen Pf├Âhler, der in einer Expertenrunde ├╝ber den aktuellen Stand in Sachen Vogelgrippe informierte.

Als Ort f├╝r das Gespr├Ąch hatte er das Gel├Ąnde des Technischen Hilfswerkes (THW) in Sinzig gew├Ąhlt. Grund: Das THW mit seinem Kreisbeauftragten Frank Schulze sei ÔÇ×seit Jahren ein hochkompetenter Partner in Sachen Katastrophenschutz und habe die Betreuung von zwei Desinfektionsanlagen ├╝bernommenÔÇť. Pf├Âhler: ÔÇťBei Gro├č├╝bungen haben wir wertvolle Erfahrungen gesammelt, wir sind fit im Veterin├Ąr- und Gesundheitswesen und im Katastrophenschutz. Wir sind ger├╝stetÔÇť:

Erstens habe der Kreis vor zwei Jahren in Grafschaft-Ringen ein ├ťbungsszenario durchgespielt. Konkret: ÔÇ×Wir waren davon ausgegangen, dass die gesamte Bev├Âlkerung des Kreises Ahrweiler, rund 130.000 Menschen, binnen weniger Tage gegen Pocken geimpft werden m├╝sste.ÔÇť Die ganzt├Ągige Gro├č├╝bung habe wichtige und vor allem praktische Erkenntnisse bei der Zusammenarbeit von Gesundheitsamt, zivilem Bev├Âlkerungsschutz und Rettungsdiensten gebracht. Gleiches sei bei der Gefahrstoffzug-├ťbung der kreiseigenen Katastrophenschutzeinheit, die in die Freiwillige Feuerwehr integriert sei, in Burgbrohl der Fall gewesen.

Zweitens habe der Kreis 2001 aus Anlass der Maul- und Klauenseuche 100 Schutzanz├╝ge angeschafft. Dieser Grundstock werde kontinuierlich auf 300 bis 400 erweitert. Drittens habe der Kreis ebenfalls 2001 zwei mobile Desinfektionsanlagen gekauft.

Ein m├Âgliches ├ťbergreifen der Vogelgrippe auf die Region sei f├╝r die Kreis-Veterin├Ąre ÔÇ×eine neue Variante von bereits bew├Ąhrten StrategienÔÇť, so Pf├Âhler weiter. Beispiele aus der Vergangenheit seien die Schweinepest bei Wildschweinen, die Maul- und Klauenseuche oder Rinder-BSE. ├ähnliche Seuchenausbr├╝che wie die derzeitige Vogelgrippe habe es bereits mehrfach in Europa gegeben.

Der Leiter des Kreis-Veterin├Ąramtes, Dr. Otto Gaudlitz, mahnt zur Vorsicht, warnt aber vor Hysterie. ÔÇ×Wir haben eine erh├Âhte Untersuchungsdichte, die zu einer h├Âheren Erkenntnisdichte f├╝hrtÔÇť, erkl├Ąrte der Amtstierarzt mit Blick auf verbesserte tiermedizinische Kontrollen und Analysen. Die weltweit rund 60 durch das Vogelgrippe-Virus vermuteten Todesf├Ąlle bei Menschen seien fast ausschlie├člich in S├╝dostasien zu registrieren ÔÇô bei entsprechenden Hygienebedingungen, die mit Deutschland nicht zu vergleichen seien. Zum Vergleich: Allein in Deutschland seien im vergangenen Jahr bis zu 20.000 Menschen an der ÔÇ×normalenÔÇť Grippe gestorben.

Zur konkreten Situation im Kreisgebiet: Von den rund 75.000 Gefl├╝geltieren, fast ausschlie├člich H├╝hnern, bef├Ąnden sich 66.000 H├╝hner in sechs kommerziellen Haltungen, sprich Wirtschaftsbetrieben; diese Tiere seien komplett in St├Ąllen untergebracht. Folge: Das in diesen Tagen verf├╝gte bundesweite Freilaufverbot sei f├╝r diese Tiere ohnehin nicht relevant. Was zahllose Beratungsgespr├Ąche im Veterin├Ąramt hervorrufe, seien die restlichen rund 9.000 Tiere von etwa 400 gemeldeten Hobbyhaltern im AW-Kreis. Die Hauptnachricht an diese Hobbyhalte laute: neben dem Freilaufverbot eine monatliche Untersuchung des Tierarztes sowie Blutproben.

Dr. Gaudlitz weiter: ÔÇ×Wir haben die Organisatoren von Forst, Jagd, Fischereiwesen und dem Naturschutzbund gebeten, in ihren Bereichen Beobachtungen vorzunehmen und uns zu melden. Zudem wird die Stallpflicht f├╝r Gefl├╝gel kontrolliert. Wer sich nicht daran h├Ąlt, riskiert Strafen bis 25.000 Euro.ÔÇť In den ersten 24 Stunden nach der Stallverordnung seien 50 Betriebe kontrolliert worden. Ergebnis: 49 waren o.k., einer war weder gemeldet noch befanden sich die Tiere in einem Stall; den Besitzer erwartet ein Bu├čgeldverfahren.

W├Ąren Massent├Âtungen von Gefl├╝gel in den Betrieben erforderlich, st├╝nden das Gesundheitsamt und der Katastrophenschutz den Tiermedizinern zur Seite. ÔÇ×Dann muss das Umfeld der Betriebe definiert und gesch├╝tzt werdenÔÇť, erkl├Ąrte Gesundheitsamts-Leiterin Dr. Ute Teichert-Barthel. Konkret: Die Menschen, die mit den Gefl├╝gelbetrieben in Kontakt stehen, w├╝rden mit Schutzkleidung ausger├╝stet und gegen Grippe geimpft. Ziel sei es, zu verhindern, dass ein Mensch gleichzeitig an der Vogelgrippe und der ÔÇ×normalenÔÇť Grippe erkrankt, wodurch ein neues Virus entstehen k├Ânnte. Die Amts├Ąrztin warnt vor ├╝berzogenen Bef├╝rchtungen wegen des Vogelgrippevirus. Bisher sei das Virus vom Subtyp H5N1 auf Menschen nur bei sehr engem Kontakt zu Gefl├╝gel ├╝bertragbar. Die Gefahr gelte daher als sehr gering.

Technische Hilfe k├Ąme in erster Linie vom THW und den Freiwilligen Feuerwehren, die die Desinfektion und Entsorgung der Tierk├Ârper ├╝bernehmen w├╝rden. Werner Willems, in der Kreisverwaltung Abteilungsleiter Ordnung und Verkehr: ÔÇ×Wichtig w├Ąren dann die beiden mobilen Desinfektionsanlagen, die der Kreis finanziert hat und die das THW aufbaut.ÔÇť ├ähnlich einer Waschstra├če, werden alle Transportfahrzeuge vollst├Ąndig mit Desinfektionsfl├╝ssigkeit bespr├╝ht; die Fl├╝ssigkeit wird in einer isolierenden Gro├čwanne aufgefangen.

Mehrere Rufbereitschaften wurden eingerichtet:
Mainzer Umweltministerium: Ruf 0160/7468301, Fax: 06131/16-4608, E-Mail: RP-Hygiene@muf.rlp.de, au├čerdem Ruf 06131/16-2996; Info-Telefon f├╝r Gefl├╝gelhalter: Ruf 0261/9149-111; Kreis-Veterin├Ąramt: Ruf 0170-6253461.


Zust├Ąndigkeiten und Ma├čnahmen: Veterin├Ąrwesen

Welche Ma├čnahmen ergreift wer wann bei der Tierseuche? Dazu eine ├ťbersicht in Stichworten. Wichtig: Eine Impfung der Tiere gegen die Gefl├╝gelpest (avi├Ąre Influenza) ist nicht m├Âglich.

1. Der EU-Krisenstab ÔÇ×TierseucheÔÇť in Br├╝ssel wird bei ├╝berregionalen Tierseuchen aktiv. Das ist bei der Gefl├╝gelpest der Fall. Er erl├Ąsst EU-Entscheidungen, die unmittelbar gelten.

2. Nationales Krisenzentrum: Die Federf├╝hrung liegt beim Bundesministerium f├╝r Verbraucherschutz, Ern├Ąhrung und Landwirtschaft in Bonn. Nationales Referenzzentrum ist das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems, das die politischen Entscheidungstr├Ąger ber├Ąt (www.fli.bund.de)

3. Das Bundesministerium f├╝r Verbraucherschutz (BMVEL) hat auf Grund vorausgehender EU-Entscheidungen eine Eilverordnung zum Freilaufverbot f├╝r Gefl├╝gel erlassen und steuert die nationalen Ma├čnahmen im dortigen nationalen Krisenzentrum Tierseuchen.

4. Tierhalter und Tier├Ąrzte sind zur Anzeige der Tierseuche verpflichtet. Dies ergibt sich aus dem Tierseuchengesetz und der Gefl├╝gelpestverordnung. Die Kreisverwaltung ist f├╝r die auf ihrem Gebiet notwendigen Ma├čnahmen zust├Ąndige Beh├Ârde.

5. Der Kreis erl├Ąsst beim Erstverdacht auf Grund der Gefl├╝gelpestverordnung Ma├čnahmen wie Betriebssperren (Personen, Tiere, Waren) und Vermarktungsverbote, bis Untersuchungsergebnisse vorliegen. Die Diagnostik und Probenentnahmen in den Best├Ąnden obliegt den Amtstier├Ąrzten.

6. Bei positivem Untersuchungsergebnis gilt der Ausbruch der Gefl├╝gelpest als amtlich festgestellt. Es kommt zur T├Âtung des gesamten Gefl├╝gelbestandes, also aller kranken und seuchenverd├Ąchtigen Tiere und deren unsch├Ądliche Beseitigung in der Tierk├Ârperbeseitigungsanstalt Rivenich sowie Reinigungs -und Desinfektionsma├čnahmen. Ziel ist die schnellstm├Âgliche und sichere Eliminierung des Erregers. (Eine Not- oder Schutzimpfung ist derzeit nicht m├Âglich und daher verboten). Gleiches gilt f├╝r s├Ąmtliche Tierprodukte, z.B. H├╝hnereier, die auf dem Betrieb vorhanden sind.

Es wird ein regionales Zentrum in der Kreisverwaltung gebildet, das sich unter Beteiligung von Kollegen aus Nachbarkreisen um alle weiteren Ma├čnahmen k├╝mmert. Die Einbindung weiterer Kreise wurde aus der Erkenntnis notwendig, dass die vielf├Ąltigen dem Erstausbruch folgenden Ma├čnahmen bei hochansteckenden Tierseuchen oftmals nicht mit Vor-Ort-Personal zu leisten sind. Zu diesem Zweck wurde mit den Kreisen Mayen-Koblenz, Cochem-Zell, Rhein-Hunsr├╝ck-Kreis und Ahrweiler eine Unterst├╝tzungsvereinbarung getroffen (Regionale Vereinbarung vom 01.07.2004 ). Das lokale Zentrum wird am Ort des Erstausbruchs eingerichtet. Die Einsatzsteuerung erfolgt bei Seuchenausbr├╝chen in den genannten Kreisen dann von diesem Zentrum aus.

7. Parallel zu diesen Ma├čnahmen im Seuchengeh├Âft/-bestand finden gezielte Umgebungsuntersuchungen in ausgewiesenen Sperrgebieten (3 Kilometer-Radius) und Beobachtungsgebieten (10 km Radius) statt, in denen Verbringungs-/ Vermarktungsverbote f├╝r ansteckungsf├Ąhige Tiere besteht. Zugleich werden Kontaktbetriebe (Personen und Tierverkehr, Futtermittellieferungen usw.) ermittelt, in denen dann gegebenenfalls weitere Ma├čnahmen angeordnet werden.

8. Das Landesuntersuchungsamt (LUA) in Koblenz steuert notwendige Ma├čnahmen in Kenntnis ├╝berregionaler Entwicklungen und informiert laufend das Landeskrisenzentrum beim Mainzer Ministerium f├╝r Umwelt (MUF) . Das MUF informiert das nationale Tierseuchenkrisenzentrum beim BMVEL in Bonn. Von dort wird dem st├Ąndigen Veterin├Ąrausschuss beim EU-Krisenzentrum berichtet. Die EU erl├Ąsst je nach Lageentwicklungen weitere Entscheidungen, die unmittelbar national umgesetzt werden m├╝ssen, z.B. weitere Import- oder Verbringungsverbote, Untersuchungsverpflichtungen usw.

9. Werden bei der Untersuchung aller in den in ausgewiesenen Sperr- und Beobachtungsgebieten vorhandenen Gefl├╝gelhaltungen keine weiteren Seuchenf├Ąlle festgestellt, werden die Bek├Ąmpfungsma├čnahmen aufgehoben.

10. Bei angeordneten T├Âtungen werden die Tierbesitzer entsch├Ądigt. Grundlage ist der gemeine Wert des Tieres. Liebhabereien werden nicht ber├╝cksichtigt. Die Tierbesitzer sind zur Duldung der Ma├čnahmen und zur aktiven Mithilfe verpflichtet. Kosten f├╝r Reinigungen und Desinfektionen tr├Ągt der Tierbesitzer. Die amtlich angeordneten Untersuchungen bezahlt das Land.


Gefl├╝gel als Nahrungsmittel: keine Gefahr

F├╝r Menschen, die keinen direkten Kontakt mit infiziertem Gefl├╝gel haben, ist die Vogelgrippe ungef├Ąhrlich. Gleiches gilt f├╝r das Verspeisen von Gefl├╝gel. Lediglich Gef├╝gelhalter m├╝ssen strenge Schutzma├čnahmen ergreifen.

Die Krankheit ist f├╝r Hausgefl├╝gel hochansteckend. Bei H├╝hnern und Puten k├Ânnen binnen weniger Tage alle Tiere eines Bestandes erkranken und sterben. Die wirtschaftlichen Verluste sind entsprechend hoch. Das Virus bef├Ąllt alle Gefl├╝gelarten. Bei H├╝hnern und Puten werden die h├Âchsten Erkrankungs- und Sterberaten beobachtet. Wasserv├Âgel erkranken seltener und weniger schwer.

Menschen k├Ânnen sich mit dem Erreger anstecken. Infektionsquelle sind kranke oder an Gefl├╝gelpest verendete Tiere sowie deren Ausscheidungen, insbesondere der Kot. Wer damit Kontakt hat, muss Augen, Mund und Nase vor einer Infektion durch virushaltige Tr├Âpfchen oder Staub sch├╝tzen. Eine Ansteckung f├╝hrt meist zu milden grippe├Ąhnlichen Symptomen, bei mangelhafter Hygiene kann es in Ausnahmef├Ąllen zu Todesf├Ąllen f├╝hren. Das Virus kann nicht von Mensch zu Mensch ├╝bertragen werden.

Zubereitete Nahrungsmittel vom Gefl├╝gel stellen keine Gefahr dar. Au├čerdem ist Influenzavirus hitzeempfindlich und wird beim Kochen sicher zerst├Ârt.

Um einer Virusverschleppung vorzubeugen, muss die Staubentwicklung im Stall verhindert werden. Das Betreuungspersonal darf den Stall nur nach Schuh- und Kleidungswechsel sowie gr├╝ndlicher Reinigung und Desinfektion verlassen. Alle Materialien und Ger├Ąte m├╝ssen gr├╝ndlich gereinigt und fachgerecht desinfiziert werden.

Um der Entstehung der Gefl├╝gelpest vorzubeugen, sollte Hausgefl├╝gel keinen Kontakt mit wilden Wasserv├Âgeln haben. Bei Freilandhaltung sind entsprechende Schutzma├čnahmen zu treffen, zumindest darf die F├╝tterung nicht im Freien erfolgen, um keine Wildv├Âgel anzulocken. Au├čerdem sollten H├╝hner und Puten nicht mit Wassergefl├╝gel zusammen gehalten werden. Menschen m├╝ssen einen ungesch├╝tzten Kontakt mit erkrankten Tieren durch geeignete Schutzkleidung, Schutzhandschuhe, Mundschutz und Schutzbrille vermeiden.

In Europa waren die letzten Seuchenausbr├╝che 1999/2000 in Italien und 2003 in den Niederlanden, Belgien und Deutschland. Seit Ende 2003 grassiert die Gefl├╝gelpest in elf L├Ąndern S├╝dostasiens.


Hinweis:
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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 26.10.2005

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