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Musterbetrieb fordert ermäßigte Mehrwertsteuer für Mineralwässer

Tönissteiner Sprudel: Landrat auf Firmenbesuch – Verpackungsverordnung kritisiert

Als „mittelständisches Musterunternehmen im Kreis Ahrweiler“ hat Landrat Dr. Jürgen Pföhler den Brohltaler Getränkehersteller „Tönissteiner“ bezeichnet. Mit weitsichtiger Geschäftsplanung und erfolgreicher Marktbeobachtung behaupte das Familienunternehmen seine Marktposition als größte deutsche Mineralbrunnen-Exportmarke, sagte der Landrat bei seinem jüngsten Firmenbesuch.

Die Geschäftsführung der Tönissteiner Sprudel GmbH mit Diplom-Ingenieur Tilman Kerstiens und Diplom-Betriebswirt Klaus Körner nutzte den Landrats-Besuch für einen politischen Meinungsaustausch, an dem auch die Bürgermeister Bernd Weidenbach (Verbandsgemeinde Bad Breisig) und Hermann Höfer (VG Brohltal) sowie Ortsbürgermeisterin Christel Ripoll (Brohl-Lützing) teilnahmen. Dabei kamen auch die derzeitigen allgemeinen Absatzprobleme der Brunnenbranche zur Sprache. Zwei Punkte standen in der Kritik: die Verpackungsverordnung und der Mehrwertsteuersatz für Mineralwässer.

Tilman Kerstiens: „Die Verpackungsverordnung führt unter anderem dazu, dass die Discounter den Marken-Mineralbrunnen einen spürbaren Anteil ihres Absatzes wegnehmen, obendrein zu nicht nachvollziehbaren Preisen. Nicht der Umsatz allein ist der wichtigste Faktor. Vielmehr muss die Rendite stimmen, damit Investitionen für eine sichere Zukunft des Unternehmens und zum Erhalt der Arbeitsplätze getätigt werden können.“

Das Einwegpfand und die zahlreichen Insellösungen hätten Einwegartikel forciert, so Kerstiens weiter. Die Verbraucher könnten Pfand- und Mehrwegflaschen nicht mehr unterscheiden. Verbraucher erhielten die Illusion, dass sie mit der bepfandeten Einwegflasche ein umweltverträgliches Produkt kauften, was aber nachweislich nicht den Tatsachen entspreche. Die Verpackungsverordnung habe der Branche großen Schaden zugefügt, weil die Discounter eine zusätzliche Einnahmequelle durch Pfandgeld von 25 Cent pro nicht zurückgegebener Einwegflasche erhielten. „Und dies ist staatlich legitimiert und gefördert“, kritisierte Kerstiens und verwies auf die anstehende Novelle der Verordnung.

Klaus Körner ging auf die Mehrwertsteuer ein und forderte, dass die neue Bundesregierung auch natürliches Mineralwasser in den Ermäßigungskatalog für den reduzierten Mehrwertsteuersatz aufnehmen soll. „Während Nahrungsmittel und Getränke wie Kaffee oder Tee mit sieben Prozent versteuert werden, müssen wir Mineralwasserhersteller den vollen Steuersatz von 16 Prozent und ab 2007 von 19 Prozent einkalkulieren.“ Körner weiter: „Die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für das Grundnahrungsmittel Mineralwasser wäre ein Beitrag zur gesunden Ernährung und damit zur Gesundheitsprävention.“ Bei der Einführung der Mehrwertsteuer vor mehr als 40 Jahren sei dieses gesundheitspolitische Thema noch nicht aktuell gewesen.

Tönissteiner gilt als renommiertes Familienunternehmen und zählt zu den großen Premium-Marken der Brunnenbranche. Drei moderne Hochleistungs-Abfüllanlagen produzieren jährlich 150 Millionen Flaschen Mineralwasser und Mineralbrunnen-Erfrischungsgetränke. 88 Prozent der Kunden holen ihre Produkte mit eigenen Fahrzeugen am Brunnen ab. Deutschlands größter Export-Mineralbrunnen liefert ein Viertel seines Absatzes in die Beneluxstaaten, nach Spanien und Japan. Das 1891 von Dr. Carl Kerstiens erworbene und in vierter Generation geführte Unternehmen beschäftigt 120 Mitarbeiter.

FOTO: Im Gespräch bei Tönissteiner: Bernd Weidenbach (v.l.). Dr. Jürgen Pföhler, Tilman Kerstiens, Klaus Körner und Hermann Höfer.


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 17.02.2006

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