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Dampflok unter Denkmalschutz

Brohltal-Eisenbahn: Erstmalig in Rheinland-Pfalz – Landrat: „Touristische Attraktion und kulturhistorisches Glanzstück“

Die schwere Mallet-Dampflokomotive „11sm“ der Brohltal-Eisenbahngesellschaft steht jetzt unter Denkmalschutz. Landrat Dr. Jürgen Pföhler hat den Unterschutzstellungsbescheid an die Interessengemeinschaft Brohltal-Schmalspureisenbahn e.V. (IBS) unter dem Vorsitz von Joachim Hillenbrand ausgehändigt. „Wir sind stolz auf eine touristische Attraktion und ein kulturhistorisches Glanzstück“, sagte Pföhler in Brohl-Lützing. Es handele sich um das erste bewegliche technische Kulturdenkmal in Rheinland-Pfalz.

An Erhaltung und Pflege der historischen Lok bestehe „aus technisch-geschichtlich-wissenschaftlichen Gründen ein öffentliches Interesse“, heißt es in der Begründung zur Unterschutzstellung. Der Zug fördere das geschichtliche Bewusstseins und die Heimatverbundenheit.

Weiter heißt es: Die Tenderlokomotive 11sm ist die letzte heute erhaltene Dampflokomotive der alten Brohltalbahn. Die Lok wurde 1906 von der Firma Humboldt unter der Fabriknummer 348 in Köln-Kalk gebaut. Ursprünglich besaß die Brohltalbahn drei baugleiche Dampflokomotiven. Sie wurden zwischen 1904 und 1965 auf der Strecke der Brohltalbahn zwischen Brohl, Oberzissen und Kempenich eingesetzt, bis Diesellokomotiven sie ablösten.

Mit 48 Tonnen ist sie eine schwere und sehr leistungsfähige Nassdampf-Tenderlok. Der Kohlenvorrat wurde in der Lokomotive transportiert. Ebenso führte sie einen Wasservorrat von fünf Kubikmetern mit. Die Lok diente dem Gütertransport von Baustoffen aus der Eifelregion, überwiegend der Abfuhr von Steinen und Erden des vulkanischen Brohltals, sowie dem Personenverkehr.

In ihren wesentlichen Baugruppen – Kessel, Fahrwerk und äußerer Erscheinung – entspricht sie weitgehend ihrem Auslieferungszustand. Die Bremsanlage wurde in den 1930er Jahren mit einer zusätzlichen Druckluftbremse nachgerüstet – eine technische Veränderung, die heute noch deutlich sichtbar ist. Die Lok weist als Besonderheit eine in den 30er Jahren angebaute Regelspurpufferbohle auf, die die Beförderung von Normalspurgüterwagen auf dem Dreischienengleis (Spurweiten 1000 und 1435 Millimeter) zum Brohler Rheinhafen ermöglicht. Druckluftbremse und Regelspurpufferbohle bedingten sich gegenseitig, um den Verkehr auf dem Dreischienengleis zu ermöglichen.

Die Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte (DGEG) erwarb sie 1968 und stellte sie in deren Museum in Viernheim aus. Als das Museum 1989 schloss, erhielt die IBS die Lok zunächst leihweise, bis sie diese 1999 ankaufen konnte.

Die Lok 11sm repräsentiert in ihrer Bauart den schmalspurigen Verkehr vor schweren Zügen auf den Steigungsstrecken der Mittelgebirge. Die Bauart Mallet war an der Wende zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert prägend, weil bei dem Konstruktionsprinzip eine Energieeinsparung durch eine doppelte Dampfdehnung in zwei Zylindergruppen (Hoch- und Niederdruckteil) erreicht wurde. „Die schwere Vierzylinderverbundmaschine 11sm, Fabrik-Nr. 348, stellt ein Zeugnis des geistigen Schaffens sowie des technischen Wirkens zu Beginn des 20. Jahrhunderts dar“, so der Unterschutzstellungsbescheid.

FOTO: Die Lok, der Landrat und die Mitglieder der IBS in Brohl-Lützing.


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 25.10.2006

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