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Landrat Pföhler will DSL für alle

„Hochgeschwindigkeitsnetze und Holperstrecken“ – Drei-Punkte-Programm vorgestellt: Bedarfe bündeln, mit Telekom verhandeln, Wettbewerb nutzen

Mit einer breit angelegten Initiative will Landrat Dr. Jürgen Pföhler die möglichst flächendeckende Versorgung des Kreises Ahrweiler mit DSL vorantreiben. DSL, die breitbandige digitale Internetverbindung über das Telefonnetz, sei ein entscheidender Wirtschafts- und Wachstumsfaktor geworden, so Pföhler, der ein Drei-Punkte-Programm vorschlägt: Erstens soll kreisweit der Bedarf bei Bürgern und Unternehmen ermittelt und gebündelt werden; zweitens will er mit der Telekom-Zentrale verhandeln; drittens soll der Wettbewerb um alternative Breitband-Anbieter forciert werden.

„Digitale Spaltung“

Deutschland „und auch unsere Region“ laufe auf eine „digitale Spaltung“ hinaus, befürchtet Pföhler. Vor allem der ländliche Raum müsse sich „mit schmalbandigen Holperstrecken“ begnügen, während Großstädte Zugang zu Hochgeschwindigkeits-Datennetzen erhielten. Beispiel Bonn: Bis Jahresende 2007 werde das gesamte Stadtgebiet Bonn sogar mit V-DSL, einer Art „Super-Datenautobahn“, vernetzt sein.

Auf der einen Seite High-Tech-Ausrüstung in Großstädten und Ballungsräumen – auf der anderen Seite Schmalspurlösungen im ländlichen Raum: Bei der DSL-Versorgung gleiche der Kreis Ahrweiler einem Flickenteppich mit vielen weißen Stellen, wie Pföhler in einer Pressekonferenz anhand einer Karte demonstrierte. Mehrere Orte einschließlich der dortigen Gewerbegebiete böten nur eine „DSL-light“-Version. Anders der Innovationspark Rheinland in der Grafschaft, der über eine hochwertige DSL-Versorgung verfüge.

Pföhler selbst sei von einer Familie angesprochen worden, die sich wegen ihres fehlenden DSL-Anschlusses an die Telekom gewandt habe. Diese habe der Familie geantwortet: Die Leitungen seien überlastet, erst müsse jemand in der Nachbarschaft seine Leitung kündigen, dann könne die betreffende Familie nachrücken.


Was sagt die Telekom?

Recherchen der Kreis-Wirtschaftsförderer bei der zuständigen Telekom ergaben folgendes Ergebnis: Der Kreis Ahrweiler sei „grundversorgt“, weitere Ausbauplanungen gebe es derzeit nicht. Die Telekom sehe ihren gesetzlichen Versorgungsauftrag als erfüllt an. Da der Konzern dem Ausbau der Infrastruktur ausschließlich Wirtschaftlichkeitsaspekte zugrunde lege, sei die Versorgung der noch vorhandenen „weißen Flecken“ schlichtweg zu teuer. Sofern eine Gemeinde eine bessere Infrastrukturausstattung wolle, müsse sie bei größeren Projekten selber Geld in die Hand nehmen und sich an den Kosten der Telekom beteiligen, etwa bei der technischen Aufrüstung bestehender oder bei der Erstversorgung neuer Gewerbe- oder Wohngebiete. – Soweit die Telekom.

Was für DSL (Digital Subscriber Line) gilt, gilt ähnlich für UMTS (Universal Mobile Telecommunication System), den Mobilfunkstandard der dritten Generation. Bis auf das direkte Umfeld an Autobahnen und wenige weitere Bereiche äußern alle Mobilfunkbetreiber die Auffassung, das flächendeckende UMTS-Angebot sei zu teuer.

„Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes
und des ländlichen Raums“

Weiter der Landrat: „Der schnelle Netzzugang entwickelt sich zu einem Wachstumsfaktor. Breitband ist für das künftige Wirtschaftswachstum sogar unverzichtbar. Einer Studie der Deutschen Breitbandinitiative zufolge erwarten Experten, dass das gesamtwirtschaftliche Wachstum in Deutschland dank breitbandiger Internetzugänge bis 2010 um bis zu 46 Milliarden Euro stärker ausfallen kann. Außerdem könnten dadurch bis zum Jahr 2010 insgesamt 265.000 neue Arbeitsplätze entstehen.“ DSL gehöre zur Lebensqualität der Menschen und zur Standortqualität vor allem der Dörfer.

Auch kleine und mittelständische Unternehmen brauchten Anschluss an das Breitband-Internet, um sich künftig am Markt zu behaupten. Die breitbandige Kommunikation sei sogar ein entscheidender Faktor bei der Standortwahl eines Unternehmens. „Auch im Kreis Ahrweiler gibt es viele Unternehmen, die nach neuester Technik verlangen“, so Pföhler. „Es geht also um die Zukunftsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandortes und des ländlichen Raums.“

Schritt 1: Bedarfe ermitteln und bündeln

Was tun? Schritt 1 muss laut Pföhler sein, dass die Bedarfe in den einzelnen Kommunen ermittelt und gebündelt werden. Die Stadt Remagen habe dies vorgemacht. Die DSL-Ausstattung eines Gewerbegebietes sei für jede Kommune wichtig, um neue Firmen anzusiedeln und bestehende zu halten. Einzelne Gemeinden, insbesondere kleine Orte, seien aber nicht stark genug, um genügend Druck auf die Telekom auszuüben. Daher will Pföhler zusammen mit den Bürgermeistern in den kommenden Monaten den Bedarf für den gesamten Kreis ermitteln. Dabei gehe es in erster Linie um zwei Fragen: Wo gibt es null DSL-Versorgung? Und wo gibt es sie in mangelnder Qualität?

Schritt 2: „Telekommunikationsregion“ Bonn

Der AW-Kreis sei Teil der Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler. Zur Erinnerung: Als Folge des Regierungsumzugs bestand zwischen dieser Region und der Telekom ein Kooperationsvertrag. „Es kann nicht sein, dass der Kreis Ahrweiler als Bestandteil der Telekommunikationsregion Bonn und in Steinwurfnähe zu einem der größten Global Player der IT-Branche dermaßen DSL-unterversorgt ist“, moniert der Landrat. Jetzt kündigt er neue, direkte Gespräche und Verhandlungen mit der Telekom-Zentrale an. Mit „größeren Verhandlungspaketen“, die sich aus der kreisweiten Bedarfserhebung ergäben – Pföhler geht von mehreren Tausend Anschlusswünschen aus –, verfüge man über eine weitaus bessere Position gegenüber der Telekom.



Schritt 3: Wettbewerb und alternative Anbieter

Der eco-Verband der deutschen Internetwirtschaft sagt: „Es gibt für jeden Standort in Deutschland eine umsetzbare und funktionierende Alternative zu T-DSL, auf die Unternehmen, Kommunen und Verbraucher innerhalb kürzester Zeit zugreifen können. So lässt sich der schnelle Internet-Zugang beispielsweise via Satellit, Richtfunk, WiMAX, über eine SDSL-Standleitung oder einfach über den herkömmlichen Stromanschluss realisieren.“

Dass Konkurrenz für neue Impulse sorgt, belegt Dr. Pföhler am Beispiel der Ortsgemeinde Barweiler. Dort habe der Funk-Anbieter InSysCo einen Funkmast errichtet und biete einen Breitbandzugang über Richtfunk/WLAN an. Unabhängig von der Diskussion im Ort über die Errichtung des Sendemastes steht für den Landrat fest: Die Telekom habe sich angesichts aufkommender Konkurrenz bewegt und sehe sich plötzlich in der Lage, 105 ihrer 190 Kunden in Barweiler einen DSL-Anschluss anzubieten.

Informationsveranstaltungen für interessierten Kommunen, Städte und Gemeinden, Unternehmen und Bürger könnten das Bewusstsein dafür schärfen, dass breitbandiges Internet nicht ausschließlich mit T-DSL (Telekom-DSL) gleichzusetzen sei. Der Landrat: „Es gibt Alternativen. Und die müssen wir voll in die Waagschale werfen, falls die Telekom nicht mitmacht.“


Hinweis:
Sie befinden sich im Pressedienst-Archiv der Kreisverwaltung Ahrweiler. Eine Gewähr für die Aktualität zum Zeitpunkt Ihres Aufrufs kann nicht gegeben werden.

© Kreisverwaltung Ahrweiler - 27.04.2007

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