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Neues Gewässer-Randstreifenprojekt hat bundesweite Bedeutung

Obere Ahr-Hocheifel: Vorteile für Ökologie, Hochwasserschutz, Landwirtschaft und Tourismus – Gesamtpaket für 10 Millionen Euro – 90 Prozent Förderung

Der Kreis Ahrweiler hat ein weiteres ökologisches Großvorhaben auf den Weg gebracht. Es handelt sich um das Gewässer-Randstreifenprojekt, das in der Verbandsgemeinde Adenau umgesetzt wird. Die Oberahr und sämtliche Zuflüsse sollen geschützt und ihre natürliche Entwicklung nachhaltig gesichert werden. Weitere Vorteile neben der Ökologie liegen beim Hochwasserschutz, der Landwirtschaft und im Tourismus.

Landrat Dr. Jürgen Pföhler: „Wir haben das Projekt frühzeitig angesetzt und die Fördermittel damit langfristig gesichert. So intensiv und umfangreich wie wir haben das nur ganz wenige Landkreise in Rheinland-Pfalz auf die Beine gestellt. Das Vorhaben hat sogar Deutschland-weite Bedeutung, so dass der Bund es fördert.“

Das Kerngebiet umfasst rund 3.000 Hektar, die Länge aller Gewässerläufe beträgt 320 Kilometer. Das Gesamtpaket ist mit rund zehn Millionen Euro veranschlagt. Die Förderung liegt bei 90 Prozent: 68 Prozent durch den Bund, 22 Prozent durch das Land Rheinland-Pfalz. Die verbleibenden zehn Prozent der Kosten, rund eine Million Euro, trägt der Kreis über einen Zeitraum von zehn Jahren, also rund 100.000 Euro im Jahr. Die Gelder fließen schwerpunktmäßig in Renaturierungsmaßnahmen und den Kauf von gewässernahen Grundstücken.

Auftaktveranstaltung in Dümpelfeld

Jetzt wurden die Bewilligungsbescheide offiziell übergeben. Zu diesem Anlass, der zugleich die Auftaktveranstaltung für das Vorhaben markierte, hatte sich hochrangiger Besuch nach Dümpelfeld angekündigt, dem Landrat Pföhler herzlich für die Unterstützung „bei diesem Projekt der Premiumklasse“ dankte: der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Margit Conrad, dem Vizepräsidenten des Bundesamtes für Naturschutz, Rudolf Ley, und Ministerialdirigentin Dr. Elsa Nickel aus dem Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz.

Hermann-Josef Romes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Adenau, sagte: „Mit diesem Projekt kommen wir dem Ziel der langfristigen Offenhaltung der Gewässer-Talauen durch gezielte Bündelung von Kompensationsmaßnahmen ein großes Stück näher. Überdies vermitteln wir der Landwirtschaft die Chance zu ökonomisch günstigeren Bewirtschaftungsbedingungen.“


„Natur und Landschaft mit
gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“

Was bezweckt das Vorhaben mit der offiziellen Bezeichnung „Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“, zusammengefasst im „Gewässer-Randstreifenprojekt Obere Ahr-Hocheifel“? Vereinfacht ausgedrückt: Gewässer und ihre Randstreifen schützen und sich naturnah entwickeln lassen. Dazu einige Beispiele.

Rückhalteflächen für Hochwasser

In den Flussauen sollen Flächen entstehen, die nach starken Regenfällen Wasser aufnehmen, so genannte Hochwasser-Retentionsräume. Solche Rückhalteflächen helfen, Hochwasserschäden in Siedlungsflächen und in den großen Flüssen zu verringern.

Die Bäche und die Ahr erhalten den Platz, den sie für ihren natürlichen Lauf benötigen. Sie können frei mäandrieren, ihr Bett also verändern, verschieben und sich in bestimmten Randstreifen ausbreiten. Somit werden sie im Sinne der Biotopvernetzung aufgewertet.

Die Durchgängigkeit wird wiederhergestellt. Alte Wehre, Betonschwellen und sonstige Querbauten werden abgerissen. Wanderfische sollen dadurch ungehindert zu ihren Laichplätzen gelangen, Flusskrebse und weitere Kleinlebewesen geeignete Bedingungen vorfinden. Als bekannteste Leitart für Wanderfische kommt dem Lachs besondere Bedeutung im Naturschutz zu und – als Gourmet-Produkt – für die heimische Gastronomie.

Verrohrungen werden ebenso zurückgebaut wie Sohlbefestigungen, also Betonböden oder eingebaute Steinflächen im Flussbett, so genannte „Stickungen“. Quellbereiche werden geschützt, biotopentwickelnde Maßnahmen zum Artenschutz forciert.

Ökologisches Potenzial in VG Adenau

Ein großes Renaturierungsvorhaben dieser Art ist im AW-Kreis bereits erfolgreich abgeschlossen: die Ahrmündung zwischen Sinzig und Kripp. Hier kann sich der Fluss wieder frei und naturnah entwickeln. Das neue Projekt konzentriert sich auf die Verbandsgemeinde Adenau und deren gesamtes Gewässersystem mit Oberahr und ihren Nebenflüssen. Grund: In dieser stark ländlich geprägten Region ist das ökologische Potenzial für ein solches Vorhaben vorhanden.

Pföhler weiter: „Über den naturschutzfachlichen Ansatz hinaus lassen sich Querbezüge zu Fischereiwirtschaft und Tourismus herstellen. Denn intakte naturnahe Gewässer können der Garant für eine naturverträgliche und gleichzeitig nachhaltig wirtschaftliche Nutzung sein.

Vorteile für Landwirte

Die Landwirte erwarten Vorteile. Sie wurden und werden in die Pläne und deren Umsetzung eingebunden, beispielsweise in der Landschaftspflege. Flächen an Gewässern sind vor allem zur Grünlandbeweidung begehrt. Ein freiwilliges Flurbereinigungsverfahren bietet Landwirten die Möglichkeit, bessere Bewirtschaftungsmöglichkeiten zu schaffen.

Mit den Fördergeldern werden die Unterhaltungspflichtigen der Gewässer durch die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union bis 2015 verpflichtet, für einen guten ökologischen Zustand der Gewässer und ihrer Randstreifen zu sorgen. Die Unterhaltungspflichtigen – das sind der Kreis Ahrweiler für die Ahr, Adenauer Bach, Trierer Bach und Nohner Bach (Gewässer II. Ordnung) und die VG Adenau für Gilgenbach, Wirftbach und Herschbach sowie weitere kleine Bäche III. Ordnung.

Neben den Nutzeffekten Ökologie, Hochwasserschutz und Landwirtschaft hat das Projekt auch große Bedeutung für den sanften Tourismus. Natürliche Fluss- und Bachauen prägen wesentlich den Erholungs- und Erlebniswert einer Landschaft. Solche Effekte zeigen sich bei einem weiteren Beispiel des Gewässerschutzes im AW-Land: beim renaturierten Rodder Maar im Brohltal.


Hinweis:
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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 28.11.2007

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