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Jahres-Pressekonferenz 2008 von Landrat Dr. Jürgen Pföhler

I. Straffe Organisation und Bürgerfreundlichkeit zugleich

II. Sicherheit für „Ring“ und Rettungswesen

III. Natur und Klima schützen, neue Energieformen nutzen

IV. Krippen für Kinder, Ganztagsangebote für Schüler

V. Die Wirtschaft und den Ländlichen Raum fördern

VI. Verkehr: Meilenstein für Berufspendler und Tourismus



Zwischenbilanz und Zukunftsperspektiven

Eigenbetrieb Gebäudemanagement startet am 1. Januar 2009 – Neues Sicherheitszentrum am Nürburgring – 813 Ganztagsplätze in Kindertagesstätten


Eine Zwischenbilanz und einen Ausblick zu Perspektiven und Projekten des Kreises Ahrweiler hat Landrat Dr. Jürgen Pföhler in seiner Jahres-Pressekonferenz 2008 vorgelegt. Der promovierte Verwaltungsjurist, der bei der Direktwahl am 3. Juni 2007 für weitere acht Jahre an der politischen Spitze des Kreises bestätigt worden ist, sieht es als seine wesentliche Zukunftsaufgabe an, zwei Entwicklungen in Einklang zu bringen: einerseits den steigenden Kostendruck bei knapper Personalkapazität zu bewältigen – und zugleich weitere Akzente für Bürger und Wirtschaftsunternehmen zu setzen.



I. Straffe Organisation und Bürgerfreundlichkeit zugleich

Der Landrat kündigte eine „Effizienz-Offensive“ in der Kreisverwaltung an. Grund: Aus Kostengründen – allein der Jugend- und Sozialbereich schlage 2008 voraussichtlich mit 82 Millionen Euro Ausgaben zu Buche – führten „die restriktive Personalpolitik und schmerzhafte Wiederbesetzungssperren“ dazu, dass die Zahl der Mitarbeiter trotz zunehmender Aufgaben seit Jahren nicht erhöht werde. Was also tun? Dazu nannte Pföhler drei Beispiele:

Erstens der Eigenbetrieb Gebäudemanagement. Der Fahrplan für dieses Novum stehe: Die Vorbereitungen seien im Gange (Betriebssatzung, Wahl eines Werksauschusses durch den Kreistag), angepeilter Starttermin sei der 1. Januar 2009. Das Vorhaben: Alle elf Kreisgebäude (kreiseigene Schulen und Kreisverwaltung plus deren Grundstücke) und die Solarstrom Ahrweiler GmbH samt Personal (Gebäudebewirtschaftung, Hausmeister) und Krediten auslagern und unter einem Dach neu bündeln. Die Vorteile: Entlastung des Kreishaushalts durch Verwendung von Dividendenerlösen aus den RWE-Aktien samt Steuerersparnis, Tilgung von Schulden, die insbesondere durch das Schulbauprogramm entstanden sind, und: mehr Effizienz durch die Konzentration von Zuständigkeiten in einer gestrafften Organisationseinheit, die bislang auf mehrere Abteilungen in der Kreisverwaltung verteilt seien.

In diesem Zusammenhang erwähnte er auch die Einführung der kommunalen Doppik. Dieses neue Haushaltssystem komme ebenfalls zum 1. Januar 2009. Das finanztechnische Großprojekt betreffe den gesamten, derzeit 121 Millionen Euro schweren Kreishaushalt einschließlich der Kreis-Schulen. Das Zahlenwerk werde auf die Buchungsmethoden der freien Wirtschaft umgestellt. Der Jahresabschluss bisheriger Prägung sei dann passé – die Jahresbilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung schaffe mehr Transparenz und bessere Steuerungsmöglichkeiten.

Zweitens: Innerhalb des Dienstbetriebs werde die elektronische Kommunikation weiter ausgebaut. Etwa bei der Kraftfahrzeug-Zulassung, wo die elektronische Übermittlung der Versicherungsdaten beim Kfz- oder dem Versicherungswechsel eingeführt werde. Die bisherige Deckungskarte aus Papier sei bald Vergangenheit. Das elektronische System über eine zentrale Datenbank sei schneller, einfacher, bürgerfreundlicher und sicherer. So werde der Missbrauch von Versicherungsbestätigungen (VB) ausgeschlossen, weil jede VB-Nummer einer Person zugeordnet sei.

Drittens wolle die gesamte Verwaltung die eigene Technik noch besser nutzen. Gewohnte Abläufe sollen auf den Prüfstand kommen, noch effizientere Arbeitsweisen getestet werden. Beispiel Feuerwehr-Kreisausbildung: Das Zusammenwirken zwischen Feuerwehr, Schulungskräften und Verwaltung werde internet-gestützt optimiert. Über eine neue Datenbank, zu der auch die Wehrleiter der Städte und Verbandsgemeinden Zugriff haben, sollen unter anderem die Anmeldungen zu Fortbildungen abgewickelt werden. Gewünschter Effekt: Vorhandenes Personal entlasten und für ergänzende Aufgaben einsetzen. Pföhler gibt vor, EDV und modernes Organisationsmanagement zu nutzen, um den gewandelten Aufgaben bei möglichst gleichem Personalstand gerecht zu werden.

Ein weiteres Beispiel aus dem Zeitalter der elektronischen Kommunikation und Datenspeicherung: Die in Ringordnern abgehefteten Akten verschwinden mehr und mehr aus den Kellerregalen und landen im Digitalarchiv. Allein im vergangenen Jahr wurden 2.500 Bauakten, teils noch aus den 1950er Jahren, auf 200.000 Seiten gescannt und im Speichernetzwerk des Kreishauses abgelegt.

Mit den Internet-Seiten „www.kreis-ahrweiler.de“ werden nach den Worten des Landrats „Bürgerservice und Verwaltungseffizienz vereint“. Weil: Die „vorgelagerte Verwaltung“ komme in die heimischen Büros, was auf beiden Seiten Telefonate und Zeit und bei den Bürgern Wege einspare. Der Web-Auftritt biete aktuell exakt 1.066 Fundstellen sowie 95 Formulare und Antragsvordrucke.

Ein anderes Beispiel für Bürgerservice: In den Außenstellen der Kfz-Zulassung würden Wunschkennzeichen-Bildschirme installiert. In Sinzig laufe diese Technik, in Adenau und Niederzissen sei sie für 2008 vorgesehen. Kunden ohne eigenen Internetzugang, die ihr Wunschkennzeichen nicht am heimischen Bildschirm aussuchen könnten, hätten dann diese Möglichkeit neben der zentralen Kfz-Zulassungsstelle in der Kreisverwaltung auch in den drei Außenstellen.

Umgekehrt fordert Pföhler mehr Gerechtigkeit gegenüber der Allgemeinheit. So gehe die Kreisverwaltung bei der Kfz-Zulassung verschärft gegen „Gebührensünder“ vor. Wer bei der Zulassungsstelle Schulden hat, bekommt sein neues Fahrzeug erst dann zugelassen, wenn der die offenen Gebühren begleicht. Pföhler: „Es kann nicht angehen, dass die ehrlichen Gebührenzahler für den Schlendrian einiger weniger mitbezahlen müssen.“ Diese harte Linie wünscht sich Pföhler auch bei Dienstleistungen in anderen Verwaltungsbereichen. Dafür fehle allerdings die gesetzliche Grundlage.



II. Sicherheit für „Ring“ und Rettungswesen

Am Nürburgring soll nach dem Wunsch Pföhlers ein Sicherheitszentrum gebaut werden. Diese Initiative habe er gemeinsam mit Kreisfeuerwehrinspekteur Udo Schumacher, Polizei und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) entwickelt. Bisher seien Polizei, Feuerwehr und DRK an unterschiedlichen Standorten in zum Teil veralteten Gebäuden untergebracht. Das Sicherheitszentrum solle diese Einheiten in einem Haus konzentrieren. Auch das schaffe mehr Effizienz, kürze Kommunikationswege und dazu noch höhere Sicherheitsstandards. Staatssekretär Roger Lewentz vom Mainzer Innenministerium habe im Grundsatz bereits Grünes Licht gegeben. Gewünschte Fertigstellung: zur Eröffnung der Erlebnisregion 2009.

Der Digitalfunk im Rettungswesen werde konkret. 2008 sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, für 2009 sei die Erprobung vorgesehen. Start in Rheinland-Pfalz sei der Norden des Landes. Alle mit Sicherheitsaufgaben betrauten Behörden und Organisationen in Deutschland würden mit einem abhörsicheren, komplett neuen Funknetz ausgestattet.

Zwei Nachrichten zum überörtlichen Brand- und Katastrophenschutz: Das Feuerwehr-Investitionsprogramm des Kreises Ahrweiler sehe 2008 einen Zuschuss für das neue Tanklöschfahrzeug „TLF 20/40“ im Brohltal vor (Anschaffungskosten 143.000 Euro). An der Rheinschiene gebe es ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen. Das neue Drehleiterfahrzeug sei eine Gemeinschaftsanschaffung von Remagen, Sinzig und Bad Breisig, die der Kreis mit 130.000 Euro bezuschusse (offizielle Übergabe am 5. April 2008).



III. Natur und Klima schützen, neue Energieformen nutzen

Der Kreis Ahrweiler arbeite weiter energisch an dem Vorhaben, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Pföhler: „Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit schließen sich bei uns nicht aus. Im Gegenteil.“

Das nächste ökologische Großvorhaben im Kreis Ahrweiler, das Gewässer-Randstreifenprojekt in der Verbandsgemeinde Adenau, starte 2008. Der Pflege- und Entwicklungsplan werde bis 2010 erstellt. Das angepeilte Ziel: die Oberahr, sämtliche Zuflüsse und ihre Randstreifen schützen und sich naturnah entwickeln lassen. Die Vorteile lägen beim Natur- und Landschaftsschutz, dem Hochwasserschutz, der Landwirtschaft und im Tourismus.

Das Vorhaben mit bundesweiter Bedeutung sei frühzeitig angesetzt und die Fördermittel damit langfristig gesichert worden. Das Kerngebiet umfasse 3.000 Hektar, die Länge aller Gewässerläufe betrage 320 Kilometer. Das Gesamtpaket sei mit rund zehn Millionen Euro veranschlagt. Die Förderung liegt bei 90 Prozent: 68 Prozent durch den Bund, 22 Prozent durch das Land Rheinland-Pfalz. Zehn Prozent, rund eine Million Euro, trage der Kreis über einen Zeitraum von zehn Jahren, also rund 100.000 Euro im Jahr. Die Gelder flössen schwerpunktmäßig in Renaturierungsmaßnahmen und den Kauf von gewässernahen Grundstücken.

Zwei „Dauerbrenner“ im Naturschutz seien das Rodder Maar (weitere Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen auf den neu gekauften Flächen, um die biologische Artenvielfalt zu steigern) und die Renaturierung der Ahr mit dem Rückbau alter Querbauten. Die Ahr werde wieder durchlässig gemacht, damit Wanderfische ihre Laichplätze erreichen können. 2008 stehe eine größere Baumaßnahme in Dorsel an. Anschließend gebe es bis zur Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen noch vier kleinere Baustellen.

Mit dem vom Kreis initiierten Biomasse-Masterplan sei ein wichtiger Leitfaden gelegt. Die Machbarkeitsstudie des Instituts für angewandtes Stoffstrom-Management (IfaS) mit Referenzprojekten befinde sich in der Endabstimmung. Die Aufgabe des Kreises sei es, mit Hilfe von IfaS Potenziale für die Biomasse zu entdecken. Bei der Umsetzung seien dann die Akteure in Land- und Forstwirtschaft sowie der gewerblichen Wirtschaft gefordert. Das dortige Interesse sei derzeit offenbar begrenzt, weil die Preise für Biomasseprodukte auf dem Agrarmarkt höher seien als auf dem Biomassemarkt. Der Kreis wolle die Biomasse jedenfalls nach vorne bringen. So werde derzeit geprüft, ob der Kreis am aktuellen Wettbewerb „Bioenergie-Regionen“ des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz teilnehme.

Gut angelaufen sei das Energie-Portal im Internet. Damit habe der AW-Kreis einen weiteren Akzent zum Themenfeld Klimaschutz, erneuerbare Energien, Energien aus nachwachsenden Rohstoffen und Energiesparen gesetzt (www.kreis-ahrweiler.de). Vorläufermaßnahmen seien das große Solarstromprojekt, bei dem die Dächer der Kreis-Schulen und der Kreisverwaltung mit 7.000 Quadratmetern Fotovoltaikflächen ausgestattet worden seien, das Biomasse-Projekt und der verstärkte Einsatz von ökologischen Heiztechniken. Das kreiseigene Energieportal werde ständig ausgebaut und spreche die breite Öffentlichkeit an, vor allem Bauherren und Hauseigentümer, die ihre Wohnung und Heizung modernisieren möchten.

Die Erwartungen an das Fotovoltaikprojekt hätten sich auch im zweiten vollen Betriebsjahr 2007 komplett erfüllt. Die Dächer der kreiseigenen Schulen und der Kreisverwaltung seien mit Solaranlagen zur umweltfreundlichen Stromerzeugung aus Sonnenenergie ausgestattet. Die Erlöse der beiden ersten Vollbetriebsjahre lägen bei deutlich mehr als 500.000 Euro. Die Einnahmen aus der Solarstrom Ahrweiler GmbH flössen in den Kreishaushalt und kämen damit auch den Schulen zugute. Die Solarstrom GmbH werde ein Eckpfeiler des im Aufbau befindlichen Eigenbetriebs Gebäudemanagement. Dies wiederum führe zu einer noch engeren Verzahnung zwischen dem Fotovoltaikprojekt und den Kreis-Schulen.

Die ökologische Sanierung der Kreis-Schulen gehe weiter. Die Strategie basiere auf einem Drei-Säulen-Konzept beim Gebäudemanagement: dem klassischen Energiesparen, Solardächern und alternativen Heizformen. Bereits fertige beziehungsweise für 2008 geplante Maßnahmen: Erdwärme-Heizung in der Nürburgringschule Wimbach, Holzhackschnitzelheizung am Schulzentrum Bachem (mit der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler) und neue Energieversorgung an der Janusz-Korczak-Schule Sinzig. Außerdem: die Sanierung der Realschule Ahrweiler und des Rhein-Gymnasiums Sinzig.

Beim Abfallwirtschaftsbetrieb, der 2008 die Gebühren zum Teil deutlich gesenkt habe, stünden zwei wesentliche Punkte an: die Neubesetzung der Werkleiterstelle (im Frühjahr) und die Erweiterung des stark frequentierten Abfallwirtschaftszentrums „Auf dem Scheid“ bei Niederzissen (AWZ). Dort seien – ganz im Sinne einer ökologisch ausgerichteten Abfallwirtschaft – der Wertstoffhof, der Platz zur Grünkompostierung und die Annahmestellen für Problemabfälle zu klein geworden, es fehlten Lagerflächen für Container, die Verkehrsführung auf dem Gelände solle verbessert werden. Das AWZ sei derzeit 2,5 Hektar groß, weitere rund 0,5 Hektar sollen den benötigten Platz schaffen. Außerdem werde sich der AWB verstärkt mit den Themen Biomasse und Energiehof befassen.



IV. Krippen für Kinder, Ganztagsangebote für Schüler

Einer der wichtigsten politischen Schwerpunkte seien die Kindertagesstätten. „Die Fortschritte im Kreis Ahrweiler sind mit Fakten belegbar“, sagte der Landrat und nannte aktuelle Zahlen: 813 Ganztagsplätze flächendeckend in allen acht Kommunen, 13 Krippengruppen in elf Kitas für unter Dreijährige – beides mit steigender Tendenz für die Zukunft. Knapp zwölf Prozent der unter Dreijährigen würden betreut, dies sei eine höhere Quote als der rheinland-pfälzische Landesdurchschnitt.

Der Kindertagesstätten-Bedarfsplan, der die Richtschnur für die nächsten Jahre ziehe, sei neu erstellt worden. Der demografische Wandel – weniger Kinder auch im Kreis Ahrweiler – führe zu frei werdenden Platz- und Personalkapazitäten, aber auch zur Chance, neue und qualitativ hochwertige Angebote aus- und aufzubauen.

Mit Blick auf die Elternbeiträge sagte Pföhler, der Kreis springe finanziell weiter in die Bresche, damit die Beiträge nicht erhöht werden müssten. Von 2006 bis einschließlich 2008 nehme der Kreis 1,2 Millionen Euro in die Hand, um die Eltern zu entlasten. Der Landrat: „Das ist einer von vielen Beiträgen für einen kinderfreundlichen Kreis Ahrweiler.“ Seit 1. September 2007 laufe die stufenweise Absenkung der Elternbeiträge, ab 1. September 2009 seien durch das neue Kindertagesstättengesetz des Landes Rheinland-Pfalz alle Kinder ab dem dritten Lebensjahr vollständig befreit. Ab September 2010 entfielen auch die Elternbeiträge für die Zweijährigen.

Neben den Finanzhilfen des Kreises ging er auf ein inhaltliches Konzept ein: Das Modellprojekt der Kitas Hönningen und Ahrbrück mit der Grundschule Ahrbrück zur Frühförderung von Kindern und ihren Familien werde auf weitere Schulen in der Verbandsgemeinde Altenahr ausgeweitet.

Ein neuer, gemeinsamer Schwerpunkt des Jugendamtes und des Gesundheitsamtes werde die Einrichtung eines Kinderschutzdienstes. Grundlage sei das rheinland-pfälzische Kinderschutzgesetz, dessen Entwurf dem Mainzer Landtag vorliege und das am 1. März 2008 in Kraft treten soll. Hintergrund: Vernachlässigungen und Misshandlungen von Kindern nähmen offenbar zu. Insbesondere junge Eltern mit kleinen Kindern hätten Probleme im Erziehungs- und Familienalltag. Der Staat habe einen Schutzauftrag. Ziel des neuen Gesetzes, dessen Einzelmaßnahmen noch geklärt würden, sei die Förderung des Kindeswohls und der Kindergesundheit durch die möglichst frühzeitige, niedrigschwellige und bedarfsgerechte Unterstützung der Eltern. Konkretes Beispiel: Eltern, die ihre Kinder nicht zu Vorsorgeuntersuchungen bringen, mit Nachdruck ansprechen.

Als erstes Gymnasium im Kreis werde das Are-Gymnasium mit Unterstützung des Kreises als Schulträger „G8GTS“, also Ganztagsschule mit verkürzter Schulzeit von acht Jahren Gymnasium. „Wenn weitere Kreis-Schulen dies wünschen, werden wir diese ebenfalls unterstützen“, kündigte er an. Außerdem werde die Burgweg-Schule in Burgbrohl Ganztagsschule in Angebotsform.

Zum Are-Gymnasium: Die hohen Anmeldezahlen für die G8GTS zeigten, dass die neue Schulform im AW-Kreis auf großes Interesse stoße. „Mit mehr als 1.100 Schülern platzt das Are aus allen Nähten. Für die dortige Ganztagsschule werden nochmals erhebliche Investitionen von Kreis und Land in neue Klassenräume und die Mensa erforderlich.“

Neu und zu klären sei die Trägerschaft der anvisierten „Realschulen plus“. Die derzeitige Lage: Träger der Hauptschulen und der Regionalen Schulen seien die Städte beziehungsweise Verbandsgemeinden – Träger der Realschulen und Gymnasien in der Regel der Kreis. Wenn das Land Rheinland-Pfalz, wie angekündigt, die Haupt- und die Realschulen zur „Realschule plus“ zusammenlegen wolle, müsse die Trägerschaft geklärt werden. Diese Entscheidung aus Mainz stehe noch aus.

Für das Mehrgenerationenhaus in Bad Neuenahr-Ahrweiler seien die Bundesmittel bewilligt. Der Kreis unterstütze das Projekt und plane insgesamt 200.000 Euro in den Haushalten 2009 und 2010 ein.

Der langfristig angelegte Teilhabeplan für Menschen mit Behinderungen und psychischen Beeinträchtigungen werde weiter umgesetzt. Im Zentrum stünden der Ausbau des Betreuten Wohnens und anderer geeigneter Wohnformen, die Schaffung von behindertengerechten Arbeitsplätzen, die Frühförderung und integrative Angebote in Schulen und Kindertagesstätten. Aktuelle Projekte seien der Bau des Appartementhauses mit Beratungs- und Begegnungszentrum für behinderte Menschen in Sinzig (Eröffnung im Laufe des Jahres) und das aus der Kleider- und Möbelkammer hervorgegangene Sozialkaufhaus LISA in Bad Breisig mit entsprechenden Arbeitsplätzen. Im Kreisgebiet bezögen mehrere Hundert Menschen verschiedenste Leistungen der Eingliederungshilfe – Tendenz steigend. Der Teilhabeplan verfolge zwei wesentliche Ziele: erstens den Betroffenen keine standardisierte, sondern „Hilfe nach Maß“ zu geben, zweitens die auch hier steigenden Kosten in den Griff zu bekommen.



V. Die Wirtschaft und den Ländlichen Raum fördern

Als aktuelle Schwerpunkte der Wirtschaftsförderung nannte Pföhler:
·das Baugenehmigungs-Management, das 2008 mit den Bauarbeiten für den „Nürburgring 2009“ und die neue Erlebnisregion ein Großprojekt mitbetreue. Als Lotsen durch die diversen Genehmigungsverfahren seien die Kreis-Wirtschaftsförderer eine feste Anlaufstation (Neudeutsch: one-stop-agency), um Bauaufsicht, Unternehmen, Architekten und Fachbehörden an einen Tisch zu bringen, damit Planungen und Bauarbeiten reibungslos und schnell ablaufen. Imposant: Alleine 2007 hätten die Wirtschaftsförderer Bauvorhaben mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 30 Millionen Euro gemanagt – ohne die Maßnahmen am Nürburgring.
·die Teilnahmen am Landesprojekt Gesundheitsinitiative Rheinland-Pfalz (überregional) und am Forum Gesunde Unternehmen (regional im AW-Kreis);
·die überregionale Vermarktung des Innovationsparks Rheinland an der A 61, für die der Kreis der Gemeinde Grafschaft dieses Jahr weitere 100.000 Euro bereitstelle;
·die Präsentationen auf internationalen Leitmessen.
·Interessant: Die Wirtschaftsförderer begleiteten eine Diplomarbeit am RheinAhrCampus in Remagen, in der die Potenziale des Kreises auf dem Logistikmarkt ausgelotet würden. Denkansätze reichten beispielsweise vom Hochregallager über den Internetvertrieb bis zum konventionellen Transportwesen.

Die Kooperation innerhalb der Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler lebe weiter. Beispiele seien die gemeinsamen Messeauftritte der Wirtschaftsförderer sowie der Regionale Arbeitskreis (rak), in dem alle 28 Städte, Gemeinden und Verbandsgemeinden in Aufgabenfeldern der räumlichen Planung zusammenarbeiten. Die Geschäftsstelle des „rak“ sei ab 2008 für zwei Jahre turnusmäßig in der Kreisverwaltung Ahrweiler angesiedelt. Auch durch die Kompletteinbindung des AW-Kreises in den Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) wachse die Region weiter zusammen.

Binnen eines Jahres nach seinem Start im Januar 2007 sei das neue, kreiseigene Förderprogramm Ländlicher Raum „bei vielen Vereinen, Bürgerinitiativen und Gemeinden nicht mehr wegzudenken“. Der zunächst mit 55.000 Euro ausgestattete Fördertopf sei wegen der Flut von Anträgen im Laufe des Jahres auf 100.000 Euro erhöht worden. 36 Maßnahmen seien bewilligt worden, die eine Investitionssumme von 500.000 Euro angestoßen hätten – zum Vorteil auch für Mittelstand und Handwerk. 2008 stünden erneut 50.000 Euro bereit, vier Projekte seien bereits bewilligt: für Wirft (Umfeldgestaltung der Kapelle), Lind (2. Bauabschnitt des Drei-Dörfer-Naturerlebniswegs), Trierscheid (Gehwege an Ortseingängen) und für die Oberahrtaler Sportfreunde, die am Sportplatz Antweiler die Außenanlagen erneuern.

Ein weiterer Akzent des Kreis-Bauamtes liege in der Dorferneuerung. Die Ausstellung zu den Regionalen Baukulturen habe große Resonanz erfahren, für 2008 sei der zweite Broschürenband über regionaltypisches Bauen im AW-Land vorgesehen.

Längst etabliert und hoch begehrt seien die beiden anderen Förderprogramme, mit denen der Kreis ebenfalls das bürgerschaftliche Engagement unterstütze: das Programm für Vereine und Ehrenamt sowie das zur Seniorenförderung.



VI. Verkehr: Meilenstein für Berufspendler und Tourismus

Die Einbindung des gesamten Kreises Ahrweiler in den Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) sei ein „Meilenstein in doppelter Hinsicht“. Erstens bringe dies konkrete Vorteile vor allem für die Berufspendler. Zweitens „rücken wir noch enger an die Großregion Köln-Bonn heran – zum Nutzen unserer Tourismusbranche“.

Die Grenzen im Linienverkehr zwischen dem VRS und dem AW-Kreis fielen ab 15. Juni 2008 – die Tinte unter den Verträgen sei gerade trocken. Alle AW-Bürger könnten dann die VRS-Tarife nutzen. Im Gegenzug könnten drei Millionen Menschen aus Nordrhein-Westfalen mit Bahn und Bus zu den VRS-Konditionen nach AW reisen. Was mit dem VRM-Tarif (Verkehrsverbund Rhein-Mosel) bereits seit 2002 in Richtung Koblenz möglich sei, werde bald bis weit über Köln hinaus verwirklicht.

Auf weiterhin hohem Niveau halte der Kreis die Investitionen in seine Kreisstraßen. 2008 seien zwei Millionen Euro für Baumaßnahmen, Unterhaltung und Entwässerung eingeplant. Neue Baumaßnahmen: K 5 Eichenbach bis Einmündung der Landesstraße L 73, K 19 Wimbach-Kottenborn, K 31 Berg-Freisheim, K 47 Stützwandsanierung in Bad Breisig, K 48 Waldorf-Oberbreisig (1. Bauabschnitt von Waldorf bis Wallers), K 52 Büschhöfe-Niederdürenbach. – Fortführung bzw. Abschluss laufender Baumaßnahmen: K 5 Ortsdurchfahrt Eichenbach, K 19 Ortsdurchfahrt Kottenborn, K 34 Holzweiler-Vettelhoven einschließlich Geh- und Radweg; K 39 Kirchdaun bis L 80 ("Deutsches Eck").

Bei den Radwegen nannte Pföhler drei Schwerpunkte für 2008: den Weiterbau bzw. die Weiterplanung der Lückenschlüsse zwischen Mayschoß und Altenahr, zwischen Fuchshofen und Schuld sowie in Ahrbrück, außerdem den Rad-Aktionstag von Blankenheim bis Altenahr (1. Juni).

Der abschließende Ausblick des Landrats galt „den zahlreichen und verschiedenartigen Veranstaltungen“, die 2008 im AW-Land auf dem Programm stünden. Die Gesamtpalette reiche von einem touristischen Großereignis bis zu einer gezielten Aktion für eine bestimmte Zielgruppe: Rheinland-Pfalz-Tag in Bad Neuenahr-Ahrweiler (13.-15. Juni), Dreck-weg-Tag mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb (8. März) und eine interessante Aktion der Gleichstellungsbeauftragten Evelyn Dirks mit der Autorin des ersten Bilderbuches in Deutschland über das Technische Hilfswerk mit dem Ziel, Mädchen für das technische Ehrenamt zu gewinnen (Ausstellungseröffnung des Bilderbuches am 11. April im Kreishaus).


Hinweis:
Sie befinden sich im Pressedienst-Archiv der Kreisverwaltung Ahrweiler. Eine Gewähr für die Aktualität zum Zeitpunkt Ihres Aufrufs kann nicht gegeben werden.

© Kreisverwaltung Ahrweiler - 22.02.2008

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