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Dr. Jochen Mölle managt das große Gewässer-Randstreifenprojekt

„Obere Ahr-Hocheifel“ bringt Vorteile für Natur, Landwirtschaft, Hochwasserschutz und Tourismus – Eigentümer von Bachgrundstücken angesprochen

Dr. Jochen Mölle hat seine Arbeit als Leiter des Gewässer-Randstreifenprojekts Obere Ahr-Hocheifel aufgenommen. Dabei handelt es sich um ein auf zehn Jahre angelegtes ökologisches Großvorhaben, das der Kreis Ahrweiler auf den Weg gebracht hat. Die Oberahr und sämtliche Zuflüsse sollen erhalten und ihre natürliche Entwicklung dauerhaft gesichert werden. Weitere Vorteile neben der Ökologie liegen beim Hochwasserschutz, der Landnutzung und im Tourismus.

Der 44-jährige Diplom-Biologe Mölle hat im Kreis Euskirchen mehrere Naturschutzprojekte geleitet, speziell mit Fließgewässern. „Daher passt er exakt in unser Anforderungsprofil“, betonte Landrat Dr. Jürgen Pföhler, der den neuen Mann gemeinsam mit dem Abteilungsleiter für Umwelt und Strukturentwicklung in der Kreisverwaltung, Willi Beu, begrüßte.

Mölle, der aus Andernach stammt und in Bonn wohnt, wird alle Abläufe dieses Großprojektes koordinieren. In der dreijährigen Planungsphase (2008 bis 2010) werden die Grundlagen erfasst und Umsetzungsmöglichkeiten für konkrete Maßnahmen entwickelt. Anschließend geht es in die siebenjährige Umsetzungsphase (2011 bis 2017). Dabei stehen unter anderem Bodenordnungsverfahren an, bei denen Flächen zusammengelegt werden sollen, um die Bewirtschaftung zu optimieren.

Die Eckpunkte der Planungsphase liegen in der Zusammenarbeit mit Planungsbüros und in der Öffentlichkeitsarbeit. Mölle: „Es ist sehr wichtig, an Grundstückseigentümer und Landnutzer sowie die Ansprechpartner von Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und Tourismus heranzutreten. Die Leute sollen merken, dass wir mit ihnen zusammenarbeiten, und wissen, dass wir das Geld zum Vorteil aller nutzen können.“ Das Gesamtprojekt sei mit zehn Millionen Euro veranschlagt. „Darin stecken große Chancen“, weiß Mölle. Weil nahezu alle Fließgewässer und deren Auen in der Verbandsgemeinde Adenau in die Planung einflössen, richte sich das Vorhaben an alle Eigentümer und Bewirtschafter von Grundstücken an einem Bach. Wichtig: „Für die Grundstückseigentümer entstehen keinerlei Kosten“, so Mölle.

Das Kerngebiet umfasst rund 3.000 Hektar, die Länge aller Gewässerläufe beträgt 320 Kilometer. Die Förderung des 10-Millionen-Euro-Projekts liegt bei 90 Prozent: 68 Prozent durch den Bund, 22 Prozent durch das Land Rheinland-Pfalz. Zehn Prozent, also eine Million Euro, trägt der Kreis über den Zeitraum von zehn Jahren. Die Gelder fließen schwerpunktmäßig in Renaturierungsmaßnahmen und den Kauf von gewässernahen Grundstücken.

Hermann-Josef Romes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Adenau, erklärte: „Mit diesem Projekt kommen wir dem Ziel der langfristigen Offenhaltung der Gewässer-Talauen durch gezielte Bündelung von Kompensationsmaßnahmen ein großes Stück näher. Überdies vermitteln wir der Landwirtschaft die Chance zu ökonomisch günstigeren Bewirtschaftungsbedingungen.“

Das „Gewässer-Randstreifenprojekt Obere Ahr-Hocheifel“ ist Teil eines Programms des Bundes mit der Bezeichnung „Naturschutz-Großprojekte zur Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“. Die angepeilten Ziele für den Raum Adenau in Stichworten: Gewässer und ihre Randstreifen erhalten und der naturnahen Entwicklung überlassen; Rückhalteflächen für Hochwasser schaffen, um Hochwasserschäden in Siedlungsflächen und in den großen Flüssen zu verringern; Biotope vernetzen; die Durchgängigkeit der Bäche wiederherstellen, indem alte Wehre, Betonschwellen und Verrohrungen verschwinden und wandernde Tierarten ungehindert zu ihren Laichplätzen gelangen können; Quellbereiche schützen.

Die Landwirte sind und werden in die Planungen eingebunden. Viele Flächen in den Auen sind vor allem zur Grünlandnutzung begehrt. Das freiwillige Flurbereinigungsverfahren bietet Landwirten die Möglichkeit, bessere Bewirtschaftungsmöglichkeiten zu schaffen. Neben den Nutzeffekten für Ökologie, Hochwasserschutz und Landwirtschaft hat das Projekt auch große Bedeutung für den sanften Tourismus: Natürliche Fluss- und Bachauen prägen wesentlich den Erholungs- und Erlebniswert einer Landschaft.

FOTO: Der Naturschutzexperte Dr. Jochen Mölle (v.l.) mit Willi Beu und Dr. Jürgen Pföhler.


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 14.03.2008

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