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Museum erforscht Sinziger Fliesen

Keramik anno 1895 auch im Kreishaus – Unterlagen an Agnes Menacher

„Sinziger Platten“ und „Fliesen der Agrob“ sind Begriffe, die weit über die Grenzen des Kreises Ahrweiler ausstrahlen, weil sie für weltweit bekannte Markenprodukte stehen. Das Museum Schloss Sinzig mit ihrer Leiterin Agnes Menacher widmet sich derzeit verstärkt der Erforschung und Dokumentation dieser Keramik. Das Kreisarchiv in der Kreisverwaltung unterstützt das Projekt.

In mehr als 80 Länder exportiert werden die Fliesen und Platten der Marken Agrob, Buchtal, Jasba und Meissen-Fliesen der Firma Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG. Sie zählt so zu den bedeutendsten Unternehmen der keramischen Industrie. 1890 wurde die Firma gegründet. Heute zählt sie weltweit rund 1.750 Mitarbeiter. Das Werk in Sinzig gehört zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region.

Die Anfänge der Fabrikation von Mosaik- und Wandplatten in der Barbarossastadt reicht zurück ins Jahr 1870. Neben der 1869 in Mettlach von der Firma Villeroy und Boch gegründeten Plattenfabrik entstand in Sinzig die große „Mosaik-Platten und Thonwaaren-Fabrik“ von Ferdinand Frings u. Co. – in der Bevölkerung meist bekannt unter den Namen „Mosaikfabrik“, „Plattenfabrik“ und, seit 1958, Agrob.

In zahlreichen privaten und öffentlichen Gebäuden der Region liegen die Platten, die eindrucksvoll die Vielfalt und Qualität der „Fliesen aus Sinzig“ belegen. So auch im denkmalgeschützten Altgebäude der Kreisverwaltung in der Ahrweiler Wilhelmstraße aus dem Jahr 1894. Besucher bewundern die kunstvollen Böden im Erdgeschoss des historischen Kreishauses, in dem sich bereits damals Büros und der Sitzungssaal befanden. Die Muster erinnern an orientalische Teppiche und römische Mosaike.

Die Fliesen im Kreishaus wurden um 1895 verlegt. Nach den im Kreisarchiv überlieferten Unterlagen aus der Bauzeit betrug der Preis pro Quadratmeter 13,14 Mark. Für den gesamten Flur mit 106,94 Quadratmeter waren das rund 1.400 Mark.

Im Kreisarchiv befindet sich der Erläuterungsbericht des Architekten Kroth zur Innenausstattung. Darin heißt es: „Die Kassenräume, nämlich Wartezimmer, Kassenzimmer und Zimmer des Rendanten sollen mit eichenen Riemen oder ganz einfachem Parkettboden belegt werden, die übrigen Räume erhalten Fußböden von schwedischen Brettern mit Feder und Nute. Flur und Corridor im Erdgeschoss werden mit Sinziger Plättchen belegt. Die innere Ausstattung wird einfach bürgerlich gehalten. Die Baukosten (Innenausbau) belaufen sich auf rund 40.000 Mark.“.

Dass qualitätsvolle, haltbare und solide Ware aus der Sinziger Fabrik geliefert wurde, zeigt sich bis heute, nachdem rund 115 Jahre unzählige Besucher und Mitarbeiter der Kreisverwaltung diesen Boden täglich begangen haben. Dennoch befindet sich der Belag in einem guten Zustand.

Das Museum Schloss Sinzig nimmt Hinweise, Informationen und Unterlagen zur Sinziger Mosaik- und Wandplattenfabrik dankbar entgegen. Ansprechpartnerin ist Museumsleiterin Agnes Menacher, Ruf 02642/3406.

FOTOS: An orientalische Teppiche und römische Mosaike erinnern die Fliesen-Muster im historischen Kreishaus in der Ahrweiler Wilhelmstraße.


Hinweis:
Sie befinden sich im Pressedienst-Archiv der Kreisverwaltung Ahrweiler. Eine Gewähr für die Aktualität zum Zeitpunkt Ihres Aufrufs kann nicht gegeben werden.

© Kreisverwaltung Ahrweiler - 25.04.2008

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