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„Hexenverfolgung? In meinem Dorf?“

Bürger errichten Gedenkstätte in Pützfeld – Heimatjahrbuch stand Pate – Kreis hilft

Mit doppelter Unterstützung des Kreises Ahrweiler haben Bürger aus Ahrbück und Pützfeld eine Gedenkstätte gegen die Hexenverfolgung errichtet. Zum einen half der Kreis jetzt mit 1.100 Euro aus dem Förderprogramm für den Ländlichen Raum – die Gesamtkosten sind mit rund 3.650 Euro kalkuliert. Zum zweiten stand das Heimatjahrbuch des Kreises Pate bei der Idee.

Der private Initiativkreis mit Maria Ulrich an der Spitze hat die Gedenkstätte in Eigenleistung auf einem Privatgrundstück am Wanderweg von Pützfeld zur Silvesterhütte errichtet. Die Anlage soll an die Hexenverfolgung des 17. Jahrhunderts erinnern, namentlich an Elsa Simons aus Pützfeld, der 1649 der Prozess gemacht wurde. Landrat Dr. Jürgen Pföhler sprach gegenüber dem Initiativkreis um Maria Ulrich von einem „anspruchsvollen Vorhaben, das ein dunkles Kapitel der Geschichte vor allem für die junge Generation aufarbeitet.“

Eine Hinweistafel veranschaulicht die Hexenverfolgung als Teil der Geschichte und nimmt Bezug auf das Buch „Hexenjagd – Hexenverfolgung im Kreis Ahrweiler“ von Gerhard Knoll (Helios Verlag, 2004). Dieses Werk stellte Jürgen Haffke im Heimatjahrbuch 2006 vor (Seite 228). Dort schreibt Haffke: Knoll beleuchte verschiedene Aspekte der Hexenverfolgung und berichte aus lokalen Quellen. Dieser unmittelbare Bezug zum Heimatraum mache die Stärke des Buches aus. „Wer hier zuhause ist, kann sich nicht dem bedrückenden Gefühl, dem fassungslosen und ungläubigen Staunen entziehen, das bei der Lektüre unweigerlich aufkommt. So etwas hat es in meinem Dorf, meiner Stadt gegeben? Verleumdungen der Mitbewohner standen zumeist am Beginn der Verfolgung; fast immer traf es Frauen (rund 80 Prozent); Neid, Missgunst und Vorteilsnahme wurden mit religiösem Eifer im Zeitalter der Gegenreformation kaschiert; Folter gehörte zum Prozessalltag; das Urteil: in der Regel Tod; und die beträchtlichen Prozesskosten hatten die Hinterbliebenen zu tragen.“

Innerhalb des heutigen Kreisgebietes habe es große Unterschiede gegeben, so Haffke in seiner Buchbesprechung weiter: „Das zum Erzstift Köln gehörende Ahrweiler erlebte durch die bischöfliche Duldung der Hexenverfolgung üble Zeiten, während das zum Herzogtum Jülich gehörende Neuenahr davon fast unberührt blieb. Der Herr von Olbrück wütete in seinem Umfeld, der Herr von Landskron nicht, und beider Territorien überschnitten sich.“

FOTO: In Pützfeld erinnert ein Initiativkreis um Maria Ulrich (rechts neben dem Gedenkstein) an die Hexenverfolgung, Landrat Jürgen Pföhler lobt das „anspruchsvolle Vorhaben“.


Hinweis:
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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 18.09.2008

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