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Ausstellung erläutert umfangreichstes Naturschutzvorhaben im AW-Kreis

Gewässer-Randstreifenprojekt „Obere Ahr-Hocheifel“ hilft Ökologie, Hochwasserschutz, Landwirtschaft und Tourismus

Das umfangreichste Naturschutzvorhaben des Kreises Ahrweiler, das Projekt Obere Ahr-Hocheifel, geht auf Wanderschaft. Eine Ausstellung, die das ökologische Maßnahmenpaket erläutert, wurde jetzt in der Kreisverwaltung in der Ahrweiler Wilhelmstraße eröffnet. Anschließend stehen die Schautafeln im Rathaus der Verbandsgemeinde (VG) Adenau und an weiteren öffentlichen Stellen in der dortigen Region.

Landrat Dr. Jürgen Pföhler, der die Ausstellung vor zwei Dutzend Gästen eröffnete, machte auf die Deutschland-weite Bedeutung des Vorhabens aufmerksam. Daher übernähmen der Bund und das Land Rheinland-Pfalz 90 Prozent der anfallenden Kosten; die restlichen zehn Prozent trage der Kreis. Das Gewässer-Randstreifenprojekt verfolge das Ziel, die Oberahr und sämtliche Zuflüsse einschließlich ihrer Auen zu schützen und in ihrer natürlichen Entwicklung nachhaltig zu sichern. Weitere Vorteile neben der Ökologie entfalten sich nach den Worten Pföhlers beim Hochwasserschutz, der Landwirtschaft und im Tourismus.

Projektleiter Dr. Jochen Mölle nannte Einzelheiten zu dem Vorhaben, das vor gut einem Jahr startete. So umfasst das Kerngebiet nahezu alle im Gebiet der VG Adenau vorkommenden Fließgewässer und Auenbereiche und ist knapp 3.500 Hektar groß. „Derzeit befinden wir uns in der dreijährigen Planungsphase“, erklärte der Diplom-Biologe. Darin werde ein detaillierter Pflege- und Entwicklungsplan erarbeitet, der die Grundlagen für die anschließende Umsetzungsphase schaffe.

„Obere Ahr-Hocheifel“ ist Teil des Bundesförderprogramms „chance.natur“ zur „Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“ und somit nach den Projekten „Mündungsbereich der Ahr“ und „Ahr 2000“ das dritte Großvorhaben dieses Programms.

Die Umsetzungsphase soll 2011 beginnen. Die dann angestrebten Maßnahmen betreffen unter anderem den Grunderwerb, den Wasserbau, die Waldumwandlung oder die Wiederherstellung von Grünland – und das alles nach dem Freiwilligkeitsprinzip. Grundstücksbesitzer können ihre Flächen an den Kreis verkaufen, müssen aber nicht. Entscheidend für den Erfolg der Pläne sind daher Überzeugungsarbeit und Transparenz. Neben der projekteigenen Internetseite www.obere-ahr-hocheifel.de soll die jetzige Wanderausstellung zum Informationsfluss in der Projektregion beitragen.

In Texten, Fotos und Grafiken erläutert die Ausstellung auf neun Tafeln vor allem Ziele, Maßnahmen, positive Nebeneffekte und Rahmenbedingungen des Projektes. Dabei werden die wichtigsten Lebensräume des Kerngebiets vorgestellt. Die Ökologie der Wandertiere in den Bächen kommt zur Sprache, ebenso die Notwendigkeit der Barrierefreiheit oder die negativen Folgen intensiver Auennutzung durch den Menschen.

Am Rande: Das Projekt und die Ausstellung passen zum Motto des Weltwassertags der Vereinten Nationen am 18. März 2009, nämlich „Grenzüberschreitende Gewässer – Wasser ohne Grenzen“. Dabei steht die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zum Schutz der Wasserressourcen und Gewässer im Vordergrund. Die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen setzen diesen Aufruf bereits in die Tat um: bei der Naturschutzarbeit an der Ahr.

Die Webadresse: www.obere-ahr-hocheifel.de, zu finden auch über die Seiten der Kreisverwaltung www.kreis-ahrweiler.de, (unter „Verwaltung online“ sowie „Aktuelles & Presse“).



Gewässer und ihre Randstreifen schützen

Was bezweckt das Vorhaben mit der offiziellen Bezeichnung „Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“, zusammengefasst im „Gewässer-Randstreifenprojekt Obere Ahr-Hocheifel“? Vereinfacht ausgedrückt: Gewässer und ihre Randstreifen schützen und sich naturnah entwickeln lassen. Dazu einige Beispiele.

·Die Bäche und die Ahr erhalten den Platz, den sie für ihren natürlichen Lauf benötigen. Sie können frei mäandrieren, ihr Bett also verändern, verschieben und sich in bestimmten Randstreifen ausbreiten. Somit werden sie im Sinne der Biotopqualität aufgewertet.
·Die ökologische Durchgängigkeit der Gewässer wird wiederhergestellt. Alte Wehre, Betonschwellen, sonstige Querbauten und Verrohrungen werden abgerissen oder umgebaut. Fische und andere Bachorganismen sollen dadurch ungehindert zu ihren Laichplätzen gelangen. Als bekannteste Leitart für die Wanderfische kommt dem Lachs besondere Bedeutung im Naturschutz zu und – als Gourmet-Produkt – für die heimische Gastronomie.
·Sohlbefestigungen, also Betonböden oder eingebaute Steinflächen im Flussbett, sogenannte „Stickungen“, sollen entfernt werden. Die meisten Bachlebewesen leben am und im Gewässergrund.
·Die empfindlichen Quellregionen werden geschützt; sie dienen vielen wandernden Arten als Eiablageplätze.
·Die Landwirte erwarten ebenfalls Vorteile. Sie sind in die Pläne und deren Umsetzung eingebunden, beispielsweise in der Landschaftspflege. Flächen an Gewässern sind vor allem zur Grünlandbeweidung begehrt. Flächenzusammenlegungen und Bewirtschaftungskonzepte sollen den Landwirten bessere Bewirtschaftungsmöglichkeiten bieten.
·In den Flussauen sollen Flächen entstehen, die nach starken Regenfällen Wasser aufnehmen, sogenannte Hochwasser-Retentionsräume. Solche Rückhalteflächen helfen, Hochwasserschäden in Siedlungsflächen und in den großen Flüssen zu verringern.
·Neben den Nutzeffekten Ökologie, Hochwasserschutz und Landwirtschaft hat das Projekt indirekt auch große Bedeutung für den sanften Tourismus. Natürliche Fluss- und Bachauen prägen wesentlich den Erholungs- und Erlebniswert einer Landschaft.


Hinweis:
Sie befinden sich im Pressedienst-Archiv der Kreisverwaltung Ahrweiler. Eine Gewähr für die Aktualität zum Zeitpunkt Ihres Aufrufs kann nicht gegeben werden.

© Kreisverwaltung Ahrweiler - 11.03.2009

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