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Baustelle schafft freien Fluss für Brohltaler Wanderfische

Alte Wehranlage der Klöppelsmühle in Weiler wird renaturiert – Kreis Ahrweiler will Brohlbach bis 2015 in sauberen Zustand versetzen

Die Ahr ist weitgehend renaturiert und von den meisten alten Querbauwerken befreit – jetzt geht es an, besser gesagt in den Brohlbach. Der Kreis Ahrweiler will bis 2015 dafür sorgen, dass auch dieses Fließgewässer ökologisch in einen „guten Zustand“ versetzt wird. Als erste Maßnahme ist die alte Wehranlage „Klöppelsmühle“ in Burgbrohl-Weiler an der Reihe. Dort buddeln Bagger und Bauarbeiter für den Naturschutz.

Der Gewässerschutz steht nach den Worten von Landrat Dr. Jürgen Pföhler „ganz oben auf der Agenda der Naturschutzmaßahmen des Kreises Ahrweiler“. Die Renaturierung der Ahr sei so gut wie abgeschlossen, das Gewässerrandstreifenprojekt Obere Ahr-Hocheifel in der Verbandsgemeinde Adenau laufe bestens und neben dem Rodder Maar gebe es im Brohltal jetzt einen zweiten Schwerpunkt, so der Landrat: der Brohlbach selbst.

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) stellt die Träger der Gewässerunterhaltung vor große Herausforderungen. Im AW-Kreis zählt der Brohlbach zu den Schwerpunktgewässern der WRRL. Von der Mündung in den Rhein in Brohl bis zur Mündung des Brenkbaches in Oberzissen ist der Brohlbach als Gewässer II. Ordnung eingestuft und steht damit in der Unterhaltungslast des Kreises.

Laut WRRL sollen die Gewässer den besagten „guten Zustand“ bis 2015 erreichen. Ein erster wichtiger Schritt ist getan: Der Kreis- und Umweltausschuss hat den Auftrag zur naturnahen Umgestaltung der Klöppelsmühle erteilt. Das definierte Ziel: die Wiederherstellung der biologischen Durchgängigkeit und die Aufwertung der Gewässerstrukturen.

Die alte Wehranlage der Klöppelsmühle ist für die Wassertiere unüberwindbar. Sie blockiert den natürlichen Austausch der Gewässerfauna innerhalb des Brohlbaches. Um die biologische Vernetzung der bisher getrennten Gewässerabschnitte wiederherzustellen, wird die Wehranlage umgebaut, und zwar per naturnaher Bauweise in eine so genannte „Sohlengleite“.

Konkret: Die Absturzhöhe des alten Wehrs, das für die historische Mühle errichtet wurde, beträgt 1,20 Meter – viel zu hoch für Wanderfische wie Lachs, Meerforelle, Aal und Flussneunauge. Der Querklotz wird jetzt abgeflacht, und zwar in 15-Zentimeter-Stufen bis hinunter auf das untere Wasserspiegelniveau. Die Neigung dieser Sohlengleite beträgt 1 : 25, was eine Gleitlänge von 29 Metern ergibt. Innerhalb der Sohlengleite wird eine Niedrigwasserrinne errichtet, die den Gewässerlebewesen auch bei niedrigen Wasserständen einen Auf- und Abstieg ermöglicht. Die Baukosten betragen rund 40.000 Euro. Das Land Rheinland-Pfalz fördert die Maßnahme zu 90 Prozent.

Der Umbau kommt nicht nur den Wanderfischen zugute. Auch die ständig im Brohlbach lebenden Fische – beispielsweise Bachforelle, Groppe und Bachschmerle – sowie Kleintiere wie Insekten, Würmer, Krebs- und Spinnentiere sind dankbar, dass sie ohne Hindernisse in verschiedene Lebensräume vordringen können. Oft vergessen ist auch: Viele heimische Fischarten, unter ihnen Bachforelle, Elritze und Döbel, gehen auf Laichwanderung innerhalb ihrer Fließgewässer.

Bis der Brohlbach den angepeilten guten ökologischen Zustand erreicht hat, bedarf es weiterer Anstrengungen und finanzieller Aufwendungen. Neben der Klöppelsmühle befinden sich noch etliche Sohlschwellen und fünf weitere massive Querbauwerke im Brohlbach, die dessen natürliche Durchgängigkeit unterbinden. Der Kreis Ahrweiler rechnet für die Umsetzung aller Maßnahmen mit bis zu 1,2 Millionen Euro.

Neben dem Brohlbach und der Oberen Ahr-Hocheifel stellt die Ahr weiterhin das Hauptprojekt der Gewässerpflege im AW-Land dar. Zwischen Dorsel und Kripp wurden – gemeinsam mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Koblenz (Regionalstelle Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft, Bodenschutz), die auch die Brohlbach-Maßnahmen fachlich begleitet – beachtliche Erfolge erzielt: 46 alte Wehre, Betonschwellen und sonstige Querbauten in der Ahr wurden abgebaut oder umgestaltet. Lediglich vier Wehre stören noch die biologische Durchgängigkeit der Ahr. Hier ist der Kreis gemeinsam mit dem Land um einvernehmliche Lösungen mit den Wehrinhabern bemüht. – Wer mehr wissen möchte: www.wrrl.rlp.de und www.aktion-blau.de.


Fotos:
Der Querriegel der Klöppelsmühle in Weiler verschwindet, der Brohlbach wird wieder natürlich – und durchlässig.

Baustelle für Brohltaler Wanderfische: die 29 Meter lange, flache und mit einer Rinne versehene Sohlengleite an der Klöppelsmühle in Weiler.


Hinweis:
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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 13.11.2009

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