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Anteil von Migrantinnen in Frauenhäusern besonders hoch

„Runder Tisch Kreis Ahrweiler gegen Gewalt“ will Zugang zu Hilfsangeboten erleichtern

Beim Problemthema Gewalt gegen Frauen besteht bei Migrantinnen ein Gegensatz: Einerseits nutzen Frauen mit ausländischen Wurzeln seltener als deutsche Frauen vorbeugende Hilfsangebote. Dagegen fällt ihr Anteil bei der Nachsorge deutlich höher aus. Der „Runde Tisch Kreis Ahrweiler gegen Gewalt“ hat diesen Punkt bei seinem jüngsten Workshop beleuchtet.

Referentin Sabine Kriechhammer-Yagmur vom Bundesverband Paritätisches Bildungswerk in Frankfurt/Main erklärte: „Bundesweit sind Migrantinnen selten Nutzerinnen präventiver Angebote, etwa von Familienberatungsstellen. Gleichzeitig ist ihr Anteil in nachsorgenden Angeboten wie etwa Frauenhäusern besonders hoch.“ Das trifft auch für den Kreis Ahrweiler zu. Rund 40 Prozent der Bewohnerinnen des Frauenhauses haben Migrationshintergrund. Bei der Interventionsstelle, die Frauen nach einem Polizeieinsatz anspricht, sind es sogar 60 Prozent.

Im Mittelpunkt des Runden Tisches stand jetzt die Frage: Wie lassen sich Hilfsangebote so ausrichten, dass sie von allen Personenkreisen – also auch von Frauen mit Migrationshintergrund – angenommen werden können. Was in der Theorie einfach scheint, stellt sich in der Praxis oft als herausfordernd dar. Kulturelle, sprachliche und rechtliche Hürden bei der Suche nach Hilfe müssen berücksichtigt werden.

Die Mitglieder des Runden Tisches tauschten sich darüber aus, dass nicht nur bei der Struktur der Angebote – Infomaterial, Hilfseinrichtungen – überlegt werden muss, wie eine interkulturelle Öffnung gelingen kann. Vor allem auf der persönlichen und fachlichen Ebene gehe es darum, Kommunikationsprobleme und Unsicherheiten zu überwinden, die sich aus verschiedenen Sprachen und unterschiedlichen Bewertungen ergeben. Praktische Übungen im Verlauf des Workshops machten schnell deutlich, wie eng persönliche Kultur und Bewertungen miteinander verbunden sind.

Der Runde Tisch Kreis Ahrweiler wird sich über den Workshop hinaus mit dem Thema beschäftigen. Das angepeilte, gemeinsame Ziel: Migrantinnen den Zugang zu Hilfsangeboten erleichtern.

Am Runden Tisch arbeiten Polizei, Frauenhaus, Notrufe, Jugendamt, Kinderschutzbund, Weißer Ring, Amtsgerichte, Fachkliniken, Gleichstellungsbeauftragte, Kommunalpolitikerinnen und Beratungsstellen zusammen. Landesweit arbeiten Runde Tische im Rahmen des rheinland-pfälzischen Interventionsprojektes gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen.

Informationen zum Runden Tisch Kreis Ahrweiler gibt Rita Cackovic, Gleichstellungsbeauftragte Kreis Ahrweiler, Ruf 02641.975-349, E-Mail rita.cackovic@kreis-ahrweiler.de.

Foto: Sabine Kriechhammer-Yagmur (vorne) und Rita Cackovic (4.v.r.) mit Vertreterinnen und einem Vertreter des „Runden Tisches Kreis Ahrweiler“.


Hinweis:
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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 02.07.2010

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