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Archäologen beleuchten Römer in der Region neu

Kreis zeigt Ausstellung „Eisenschmelzer im römischen Ahrtal“ - Landrat: „Wir demonstrieren unser kulturelles Erbe“ - Bürgermeister: „Exzellente Funde“

Filigran aus Knochen geschnitzte Haarnadeln, das Bruchstück eines gläsernen Armreifs, eine tönerne Kinderrassel, ein Teller aus Bronze, Fensterglas. Diese antiken Exponate gehören zur archäologischen Ausstellung „Eisenschmelzer im römischen Ahrtal", die bis 3. Mai in der Kreisverwaltung Ahrweiler zu sehen ist.

Besagte Gegenstände stammen aus den Ausgrabungen in der römischen Siedlung „An den Maaren" im Stadtwald zwischen Ahrweiler und Ramersbach. Diese und zahlreiche weitere Funde veranlassten das Landesmuseum Koblenz 2012, eine aktuelle Sonderaustellung zu zeigen. Zum Dank an die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler und den Kreis Ahrweiler, die die Ausgrabungen des Fördervereins für Archäologie und Museumskultur Bad Neuenahr-Ahrweiler (FAM) unterstützt haben, können die Funde jetzt in der Wilhelmstraße bestaunt werden.

„Wir demonstrieren unser kulturelles Erbe", sagte Landrat Dr. Jürgen Pföhler den Gästen der Ausstellungseröffnung, unter ihnen Dr. Dr. Axel von Berg (Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz), FAM-Vorsitzende Eva-Maria Kreuter, Dr. Eveline Saal (Konzeption der Ausstellung), Bernd Walther (Projektleiter Archäologie des FAM) und Dr. Hubertus Ritzdorf, Leiter des Museums Römervilla.

"Diese exzellenten Funde unterstreichen das Bild, das unseren Gästen im Museum Römervilla von unserer römischen Vergangenheit vermittelt wird", sagte Bürgermeister Guido Orthen. "Die Fundstücke sollen auch nach der Ausstellung dauerhaft in unserer Region bleiben und werden der Römervilla von der Landesarchäologie als Leihgabe zur Verfügung gestellt", so Orthen, derzeit Vorsteher des Zweckverbandes.

Der Kreis Ahrweiler sei, neben der Stadt, 50-prozentiger Träger des Museums Römervilla und zeige regelmäßig entsprechende Ausstellungen, betonte Pföhler weiter. Zugleich habe der Kreis aus dem Förderprogramm Ländlicher Raum die jüngste Grabungskampagne im Ahrweiler Stadtwald mit rund 10.000 Euro unterstützt und damit die Funde mit ermöglicht. Ein wichtiger Impuls zur neuerlichen Erforschung der römischen Eisenschmelze im Ahrtal sei durch ein Projekt der Kreis-Landespflege gekommen: Die "Historische Straße" habe das wissenschaftliche Interesse an den römischen Eisenschmelzstätten in der Region neu geweckt. Die Landespflege habe dem Förderverein jetzt weitere 5.000 Euro für Ausgleichsmaßnahmen bewilligt, so der Landrat.

Die Ausgrabungen in der römischen Siedlung „An den Maaren" wurden 2010 und 2011 wieder aufgenommen. Museumsleiter Ritzdorf: „Die Archäologen machten spektakuläre Funde, die ein neues Licht auf die römische Geschichte der Region werfen. Lange schon wurde vermutet, dass die Römervilla am Silberberg in Ahrweiler zwar die mit Abstand am besten erhaltene römische Siedlungsstelle im Ahrtal war, dass es aber viele andere Siedlungsstellen gab, in denen die Menschen damals in ähnlichem Luxus lebten wie die antiken Herren der Römervilla."

Römerzeitliches Bodendenkmal von internationalem Rang

Im Begleittext, den Eveline Saal vom Museum Römervilla zur Ausstellung verfasst hat, heißt es: Die fast ein Hektar große römische Siedlung war bereits in den 1960er Jahren durch die Uni Bonn unter der Leitung von Professor Otto Kleemann erforscht worden, wobei etwa nur ein Fünftel des gesamten Siedlungsareals freigelegt wurde. Damals entdeckte man zwei als Werkstätten genutzte Gebäude mit 16 Verhüttungsöfen und ein kleineres Wohngebäude. Auch Abschnitte der großen Umfassungsmauer, eine Zisterne und Teile der Wasserleitungen wurden freigelegt.

Nach den Altausgrabungen wurde es lange Zeit sehr ruhig um die so bedeutende Siedlungsstelle. Alleine der von der Kreisverwaltung Ahrweiler eingerichtete Eisenwanderweg mit Info-Schautafeln bewahrte die antike Stätte vor dem öffentlichen Vergessen und führte Wanderer an den restaurierten Mauerzügen entlang.

Die Eisenschmelzer-Siedlung ist ein römerzeitliches Bodendenkmal von internationalem Rang. An keinem anderen Ort nördlich der Alpen ist die Eisenproduktion bislang so umfassend nachgewiesen wie im Ahrweiler Stadtwald, denn hier sprechen die Abbaustellen zusammen mit den Werkstattgebäuden und zugleich den großen Schlackenhalden für die Eisenproduktion im großen Stil und für einen römischen Wirtschaftsboom. Das Eisen wurde über den Eigenbedarf hinaus produziert. Die umfangreiche Metallproduktion verhalf der Siedlung zu einer Blüte und ermöglichte ihren Besitzern ein Leben in erheblichem Wohlstand, wie die ausgegrabenen Befunde und Fundstücke belegen.

Das Ziel der neuen Forschungsgrabungen in den Jahren 2010 und 2011 war es, mehr über die Gebäudestrukturen des Bodendenkmales zu erfahren, um somit das Leben der römischen Siedler im Ahrtal und das antike Landschaftsbild besser rekonstruieren zu können. Dazu wurden Bereiche untersucht, die an die Grabungen aus den 1960er Jahren angrenzten.

Die Untersuchung des damals nur teilweise ausgegrabenen Werkstattgebäudes (Haus 3) wurde durch die Freilegung eines Lagerraumes abgeschlossen. Daneben entdeckte man, durch einen Korridor getrennt, überraschend ein repräsentatives Wohngebäude (Haus 4). Funde von Fensterglas, bunter Wandbemalung und zwei Fußbodenheizungen (Hypokausten) deuten auf einen gehobenen Lebensstandard hin, wie er in dieser Form in einer Werksiedlung nicht erwartet wurde.

Der Lebensstandard war ähnlich wie in der Römervilla am Silberberg von Ahrweiler. Dass die Siedlung auch noch in den Wirren der Spätantike (4. Jh.) im großen Umfang weiterproduzierte, belegen drei mächtige Schlackenhalden, welche die älteren Wohn- und Wirtschaftshäuser zum Teil als Abfallberge überdeckten.

Zu dem geborgenen Keramikrepertoire gehört neben groben Koch- und Vorratsgefäßen auch feines Tafelgeschirr. Man servierte und genoss die Getränke aber auch aus edlen Glasgefäßen, wie zahlreiche Bruchstücke belegen. Als eine kleine Sensation wurden außerdem ein intaktes Bronzegefäß und ein versilberter Gefäßgriff gefunden. Ein Bild vom Aussehen der ehemaligen Bewohner geben uns einige geborgene Trachtbestandteile wie Fibeln, Glasperlen, ein Glasarmreif, ein Fingerring und ein Ohrring. Ein ganz besonderes, seltenes Fundstück stellt außerdem eine kleine bemalte Tonrassel dar. Wie für eine Eisenmanufaktur nicht anders zu erwarten, fanden sich zudem zahlreiche Eisenerze, Schlacken und Eisenobjekte, etwa Nägel, Geräte, Bauteile und Küchenutensilien.

Die Funde in den Siedlungen geben ein gutes Bild, wie die Römer Eisen gewannen: Zunächst musste der Eisenstein in den zahlreichen obertägigen Schürfstellen (Pingen) der Umgebung abgebaut werden. Danach schlug man das Erz mühsam aus dem tauben Gestein heraus und zerkleinerte es in faust- bis haselnussgroße Stücke, die mit Ochsenkarren in die Siedlung transportiert wurden. Dort wurden durch spezialisierte Handwerker die Verhüttungsöfen, sogenannte „Rennfeueröfen", errichtet, die mit Holzkohle und Erz beschickt wurden. Die dazu benötigte Kohle wurde aus dem Holz der umliegenden Wirtschaftswälder hergestellt.

Bei dem Rennfeuerprozess verflüssigte sich das unbrauchbare Nebengestein und floss als Schlacke aus dem Ofen heraus. Die eisenhaltige Luppe blieb zurück und musste danach in Ausheizherden ausgeschmiedet werden, um das Metall von den Schlackenrückständen zu befreien. Danach wurde es in einem letzten Arbeitsgang zu Barren oder Rohlingen geschmiedet.

Eine weitere Verarbeitung zu Werkzeugen, Waffen oder Geräten wurde im Stadtwald von Ahrweiler bislang nicht sicher belegt, ist aber durchaus möglich.

Foto: Die Ausgrabungen in der römischen Siedlung „An den Maaren" wurden wieder aufgenommen.


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© Kreisverwaltung Ahrweiler - 18.03.2013

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